| 15:16 Uhr

Attacke in Völklingen
Vater droht im Jugendamt mit Messer

Angst in Amststuben vor Übergriffen aufgebrachter Eltern: zuletzt im Jugendarmt in Völklingen passiert.
Angst in Amststuben vor Übergriffen aufgebrachter Eltern: zuletzt im Jugendarmt in Völklingen passiert. FOTO: Peer Grimm / picture-alliance / dpa/dpaweb
Völklingen. Unter Polizeischutz haben Mitarbeiter der Völklinger Außenstelle das Haus verlassen. Die Behörde blieb danach mehrere Tage geschlossen. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Der Ausraster eines Vaters im Völklinger Jugendamt kurz vor Weihnachten stellt sich dramatischer dar, als zuerst bekannt wurde. Denn der Mann hatte eine Waffe. Und er beließ es nicht bei einem bedrohlichen Besuch in dieser Dienststelle des Regionalverbandes. Er tauchte erneut auf, obwohl ihn die Polizei schon nach dem ersten Vorfall vorübergehend festgenommen hatte, wie Lars Weber, der Sprecher des Regionalverbandes, berichtet. Verletzte habe es nicht gegeben.



So stellte sich aus Sicht des Behördensprechers der Zwischenfall vom 19. Dezember mittlerweile dar: Die Jugendamtsmitarbeiter planten, den Säugling einer Familie in Obhut zu nehmen. Die Verantwortlichen gingen davon aus, dass dem Baby Gefahr droht. Um mit der Mutter darüber zu sprechen, war sie ins Amt geladen worden. Da der Vater im Vorfeld den Kollegen gedroht hatte, durfte er nicht ins Gebäude.

Weil die Jugendamtsvertreter befürchteten, dass sich der Mann von dem Hausverbot nicht abhalten lassen würde, waren die Türen vorsorglich den gesamten Tag geschlossen, wurden nur nach Bedarf geöffnet.

Das konnte den Vater nicht bremsen, der wegen des drohenden Kindesentzugs in Rage war. Er verschaffte sich Zutritt und hatte ein Messer bei sich. Die sieben Mitarbeiter sperrten sich in ein Büro ein. Alle Amtsstuben können verriegelt werden, berichtet Weber, um vor solchen Attacken gewappnet zu sein. Per Notruftaste, mit der alle Telefone in den Amtsstuben ausgestattet sind, alarmierten die Bedrohten die Polizei. Die nahm den Angreifer fest, ließ ihn später wieder frei. Das nutzte der aufgebrachte Mann, um noch mal vor dem Jugendamt aufzukreuzen. Daraufhin verließen die Mitarbeiter am Abend unter Polizeischutz ihren Arbeitsplatz. Wegen dieses Vorfalls vom Dienstag vergangener Woche blieb die Nebenstelle bis Weihnachten zu. Deren Aufgaben übernahm das Jugendamt in Saarbrücken-Burbach.

Auch wenn Mitarbeiter für solch brenzlige Situationen geschult sind, seien die Betroffenen „durch die reale Bedrohungssituation psychisch belastet“, schreibt Weber in einer Antwort. Darum würden sie zurzeit von Spezialisten der Völklinger SHG-Kliniken in Gruppengesprächen betreut. Auf Wunsch seien Einzeltermine möglich.

Bis zu 200-mal pro Jahr muss das Jugendamt im Regionalverband Kinder aus Familien holen, um sie vor Gefahren zu schützen, sagt Lars Weber. In etwa zehn Prozent dieser Fälle werde die Polizei hinzugerufen, weil die mit der so genannten Inobhutnahme betrauten Mitarbeiter von den Familien bedroht werden. Das betreffe nicht nur die Einsätze in Amtsstuben, sondern auch bei den Eltern zuhause. Stephan Laßotta, Sprecher beim Landespolizeipräsidium, spricht landesweit von 42 solcher Fälle seit 2012, darunter 13 im Vorjahr. 2017 habe das Amt bislang neunmal eingegriffen. Die Kriminalstatistik erfasse nur Fälle, bei denen jemand Anzeige erstattet hat. Damit fallen alle Beleidigungen gegenüber Behördenmitarbeitern unter den Tisch, wenn das Opfer nicht die Polizei einschaltet.