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Kampf an der Kasse
„Da werden Weiber zu Hyänen“ – und Kerle ebenso

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Einkaufen hat manchmal was von Nahkampf. Speziell in der Kassenschlange haben manche Leute das Tricksen, Täuschen, Tarnen bestens drauf. Von Jörg Wingertszahn

Friedrich Schiller kannte zwar noch keine Supermärkte oder Supermarktkassen, dennoch hat er schon 1799 in seinem „Lied von der Glocke“ treffend beschrieben, was da heutzutage abgeht: „ Da werden Weiber zu Hyänen und treiben mit Entsetzen Scherz, noch zuckend, mit des Panthers Zähnen, zerreißen sie des Feindes Herz.“


Bezahlen an der Kasse hat oft etwas von Nahkampf. Da wird gerangelt und gedrängelt, was das Zeug hält. Bloß als Erster an die Kasse, um ja nicht warten zu müssen. Geduld ist eine Tugend, die heute keine Konjunktur mehr hat.

Da setzen ansonsten tadellos beleumdete Mütter mit ihren Kindern im Einkaufswagen zum Sprint an die Kasse an und pflügen durch die Kundschaft. Andere drängeln sich vor mit der Begründung „Ich hab’ nur die eine Sache.“Die allergrößten Spezialisten sind aber die, die nur einen Artikel in der Hand halten und einen hoffen lassen, es könnte schnell gehen. Doch dann zaubern sie einen Joghurt nach dem anderen aus ihrer Tasche, dazu noch ein paar Nudeln, Tomatensoße und und und. Da bleibt nur eine Alternative: Man bestellt online und lässt sich die Einkäufe nach Hause liefern.