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Überall wartet die gesprühte Kunst

Überall wartet die gesprühte Kunst

Noch einmal gingen am Sonntag Menschen in der Völklinger Alten Hütte auf Entdeckungsreise. Über 111 000 Besucher haben seit Mai die Ausstellung „Urban Art“ gesehen, die nun ausgeklungen ist.

Sie nennen sich "Jef Aérosol", "Vermibus" oder "Invader". Längst sieht man ihre Kunst nicht mehr nur auf Hauswänden und Zugwaggons. Bis in die Galerien der Welt haben sie sich vorgearbeitet, zum dritten Mal auch ins Weltkulturerbe Völklinger Hütte . Die Rede ist von Street- und Urban-Art-Künstlern, von "Sprayern", wie der Volksmund sie nennt.

Genau 111 345 Besucher haben die "Urban Art Biennale 2015" im Weltkulturerbe Völklinger Hütte gesehen, die im Mai begann und an diesem Wochenende ihr Finale hatte.

"Eine Interpretation ist bei Urban Art meist nicht nötig", erzählt Regine Leineweber ihren Zuhörern bei der Abschlussführung durch Ausstellung und Urban-Art-Parcours. "Sie ist plakativ und vordergründig, wenn man doch mal interpretieren kann, ist das was Besonderes!" Knapp zwei Stunden dauert die Führung, es geht durch Möllerhalle, Kokerei, vorbei an den Hochöfen und durch das Paradies.

Überall verstecken und räkeln sich Exemplare der gesprayten Kunst. Wobei gesprayt nicht immer die einzige Alternative ist, wie Leineweber weiß. "Oft wird auch mit Schablonen gearbeitet, was den Vorteil hat, dass man es besser vervielfältigen kann - wichtig für Straßenkunst." Auch so genannte Paste ups, Motive aus Papier, die übereinander geklebt und geschichtet werden, sind eine übliche Technik. Ansonsten wird gesprayt, gemalt, gepinselt, was das Zeug hält.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Sogar Bananenstiele kommen mitunter zum Einsatz, um Kunst zu produzieren, Thomas Baumgärtel heißt in Künstlerkreisen nur "Bananensprayer".

"Ich liebe die Atmosphäre hier, weil die Kunst mit der Industrie verschmilzt", schwärmt Danielle aus Luxemburg. Schon zum zweiten Mal schlendert sie durch "Urban Art", heute ein letztes Mal. "Ich finde es schade, aber freue mich aufs nächste Mal!" Ja, die Atmosphäre hat es den Besuchern im Weltkulturerbe angetan, denn tatsächlich ist sie etwas ganz Besonderes, etwas nicht Alltägliches.

Industrie in Kombination mit Kunst, noch dazu mit einer der aktuellsten Kunstgattungen, die sich gerade anbietet. "Ich bin total überwältigt, die Darstellung der Kunst, die verschiedenen Bilder im Eisenerzkontext - einfach wow!" Einer Besucherin aus Kaiserslautern verschlägt Urban Art die Sprache. "Wenn ich das nächste Mal durch die Stadt gehe, achte ich mehr darauf."

In Ecken gekuschelt oder dominant hervorstoßend, so abwechslungsreich zeigen sich die 120 Werke der 80 Künstler. "The Journey", "Wall Letter Study Of The Letter "E"", "Pong", Titel, die nicht wirklich verraten, was sich dahinter verbirgt. "Der Titel macht das Werk auch nicht interessanter", zitiert Leineweber einen Künstler. Letztlich ist auch egal, wie das Kunstwerk heißt; was darauf zu sehen ist, spielt eine Rolle. Mal abstrakt, mal ganz konkret, aber immer individuell, das ist es, was den Charme der Straßenkunst ausmacht. "Die großen Dimensionen sind beeindruckend, die dann bei all den Maschinen und so doch irgendwie klein wirken", überlegt ein Ehepaar aus Saarbrücken. "Die Ausstellungsfläche ist echt ideal. Grade weil Graffiti ja nicht für eine klassische Galerie gemacht ist, kommt das hier in den Werksräumen glänzend zur Geltung", findet BWL-Student Dominik. Er lässt sich keine Ausstellung im Weltkulturerbe entgehen.

"Ich bin das erste Mal hier und habe echt Gänsehaut": Claudia aus Stuttgart steht vor einem Kunstwerk des ägyptischen Künstlers Ammar Abo Bakr. "Die Kombination mit der Industrie ist wirklich unbeschreiblich, sehenswert. Man muss das einfach fühlen!"