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Millionen Euro für die Katz?
Trostlosigkeit an der Wehrdener Brücke

Die Farbe ist schon merklich verblasst, der Überzug an der Stange abgeblättert.
Die Farbe ist schon merklich verblasst, der Überzug an der Stange abgeblättert. FOTO: Bernhard Geber
Völklingen. Aussichtspunkt an Rosselmündung wirkt ungepflegt. Alte Schleuse mit Gehöft für die Öffentlichkeit weitgehend verbotenes Land. Von Bernhard Geber

Die Wehrdener Brücke sollte kein Ort bleiben, über den nur die Autos brausen. An beiden Enden sollten nach Angaben der Verantwortlichen rund um Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) touristische Anziehungspunkte entstehen: auf Wehrdener Seite an der Rosselmündung, auf der Innenstadt-Seite an der ehemaligen Schleuse und am Schleusenwärtergehöft. Traum und Wirklichkeit klaffen aber heute deutlich auseinander.


Zunächst zur Rosselmündung: Die Aufwertung wirkt schon am  Parkplatz bei der Brücke etwa misslungen. An der Ecke in Richtung Saar sind derzeit rund ein Dutzend nicht zugelassene Autos abgestellt. Um sie herum herrscht nach Angaben von Beobachtern zuweilen geschäftiges Treiben. Ein zotteliges Flatterband schirmt diese Ecke von einem weiteren Bereich ab, der – von wem auch immer – per Schild zum Privatparkplatz erklärt worden ist.

Runter Richtung Saar zum erwarteten Blickfang, dem Fährmann. Das einst kräftige Blau dieser überlebensgroßen Statue, erst 2015 aufgestellt, ist bereits deutlich verblasst. Der Überzug der Stange ist teilweise abgeblättert. Hier offenbart sich das darunter liegende Holz. Krönung ist ein Hitler-Schnurrbärtchen, das ein Unbekannter unter die Nase des Fährmanns gemalt hat. Diese Missetat, schon vor Jahresfrist bekannt geworden, hat offenbar keinen Verantwortlichen bewegt. Am Sockel der Statue und an der benachbarten Ruhebank haben Unbekannte Liebesgrüße, aber auch Hassparolen hinterlassen. Merke: Dieser Ort an der Rosselmündung wurde nicht nur als Aussichtspunkt in Richtung Weltkulturerbe hergerichtet, sondern ist auch Schnittpunkt überregionaler Radwege.

Während man an der Rosseltalmündung in erster Linie die pflegende Hand vermisst,  wird es Ortsunkundigungen Schwierigkeiten machen, die andere Attraktion überhaupt zu entdecken. Sie liegt zwischen Saarbrücke und anschließender Gleisbrücke auf der Flussseite bei der Innenstadt. An diesem Punkt führt, nur mit „Alte Schleuse“ ausgeschildert,  ein  asphaltierter Fahrweg hinunter zur Saar. Nach der ersten Kurve stößt man auf das frühere Schleusenwärtergehöft. Es steht unter Denkmalschutz, wurde aufwändig renoviert. Zwei Clubs, die DLRG und ein Drachenbootverein, haben dort ihr Domizil gefunden. Auf der rechten Seite des historischen Ensembles wurde eine nahezu haushohe Garage in Quaderform hinzugebaut. Die Öffentlichkeit, der einst ein kleines Naherholungsgebiet versprochen worden war, bleibt außen vor. Der Zugang ist durch einen um die 2,50 Meter hohen Rundum-Zaun und entsprechend hohe Tore versperrt.

Nach einigen Windungen führt der Weg an den Fluss. Dort, kurz vor der großen Saarbrücke, lassen die Sportler ihre Boote ins Wasser gleiten. Und in diesem Bereich verbergen sich auch, teilweise hinter dichtem Bewuchs, die historische Schleuse und der Schleusenkanal. Das Wasser- und Schifffahrtsamt Saarbrücken hatte viel Geld in die Hand genommen, um diese Anlage für Besucher erlebbar machen. Über die heute offen stehenden Schleusentore wurde eine Fußgängerbrücke gebaut. Oberhalb wurde eine Plattform errichtet, von der aus man eine wunderschöne Aussicht auf Wehrden und seine Saarpromendade bei Wehrden genießen kann – vorausgesetzt, dass  man zu dieser Plattform findet.



Schon zur Fußgängerbrücke an der Schleuse hin führt nur noch ein schmaler Trampelpfad. Wer weiter  zur Plattform will, wird erleben, dass hier bereits die Natur in Form von Brombeer-Ranken auf dem Vormarsch ist. Ein Rundweg  um die alte Schleuse war versprochen worden. Doch wer wirklich dort rund gehen will, wird schließlich an zwei verschlossenen Toren scheitern. Das eine verschließt auf der Seite, an der das Weltkulturerbe liegt, den Durchgang auf die Wehrdener Brücke. Das zweite Tor versperrt auch denen den Weg, die sich bereits unter der Brücke hindurch Richtung Gehöft durchgemogelt haben.

Und wer das Treiben am fast noch nagelneuen Anlegesteg für Sportboote beobachten wollte, wird enttäuscht sein. Auch im Sommer ist dort nur schwach belegt, und im Moment ist da nur das Wasserrettungsboot der Feuerwehr zu finden.

Das Schleusenwärtergehöft, vom Zufahrtsweg aus betrachtet. Rechts wurde eine Garage hinzugebaut. Ein hoher Zaun umgibt das Ganze, und das Eingangstor zeigt sich Spaziergängern verschlossen. Ansonsten scheitert auch der einst angekündigte Rundweg durchs Schleusengelände an Absperrmaßnahmen.
Das Schleusenwärtergehöft, vom Zufahrtsweg aus betrachtet. Rechts wurde eine Garage hinzugebaut. Ein hoher Zaun umgibt das Ganze, und das Eingangstor zeigt sich Spaziergängern verschlossen. Ansonsten scheitert auch der einst angekündigte Rundweg durchs Schleusengelände an Absperrmaßnahmen. FOTO: Bernhard Geber
Von der Aussichtsplattform aus bietet sich ein toller Blick auf die Wehrdener Saarpromenade, sofern man es bis dorthin schafft.
Von der Aussichtsplattform aus bietet sich ein toller Blick auf die Wehrdener Saarpromenade, sofern man es bis dorthin schafft. FOTO: Bernhard Geber
Unter die Nase des Fährmanns hat ein Schmierfink einen Schnurrbart gemalt.
Unter die Nase des Fährmanns hat ein Schmierfink einen Schnurrbart gemalt. FOTO: Bernhard Geber