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Treffpunkt „Selig“ in Geislautern eröffnet

Treffpunkt „Selig“ in Geislautern eröffnet

Sie hat es geschafft. Und jeder, der Kerstin Bickar kennt, wusste das vorher schon. Sie hat erreicht, dass ihr früheres Schreibwarengeschäft in Geislautern zu einem „Treffpunkt für alle und jeden“ verwandelt wurde. Die neue Begegnungsstätte in der Ludweiler Straße 184 mit dem Namen „Selig“ wurde am Mittwochabend eröffnet.

Es war gar nicht so leicht, ins "Selig" reinzukommen, und zwar aus zwei Gründen: Zunächst blieb der Blick an einem interessanten Plakat im Schaufenster hängen, einem Frage-und-Antwort-Dialog: "Suchend? Einsam? Reich? Arm? Traurig?" Auf solche kurzen Fragen folgte jeweils eine einzige Antwort: "Selig!" Das zweite Hindernis für die Besucher der Eröffnung war die Tür, die man mit sanftem Druck aufschieben musste, weil sich dahinter die Gäste drängten.

Ist man schließlich drin im neuen "Selig", wird man von einer Stimmung erfüllt, die fast schon als "selig" zu bezeichnen ist. Liegt es an dem Kaffee- und Kuchenduft in der Luft? An den freundlichen Gesichtern der vielen Leute, die hier in Sitzgruppen plaudern oder mit Dekorationen beschäftigt sind? Oder an den vielen Zetteln an den Wänden, auf denen Vorschläge für die Verwendung des "Selig" notiert sind?

"Da will einer rein", wird gerufen, und schon rückt man an der Tür beiseite. Völklingens Bürgermeister Wolfgang Bintz, zum Glück sehr schlank, schiebt sich durch den geöffneten Türspalt. "Ich muss doch Frau Bickar Glück wünschen zu ihrer Idee, das ist eine gute Sache für Geislautern ", sagt er. Schon Ende Dezember, nach der Lektüre des SZ-Berichts über die Schließung des Schreibwarengeschäfts, seien er und seine Frau sicher gewesen, dass "die gute Seele von Geislautern " ihren Plan von einem Treffpunkt umsetzt. Damals hatte Kerstin Bickar noch unbestimmte Vorstellungen: "Der Raum hier soll eine Wärmestube für Körper, Geist und Seele werden", hatte sie gesagt, "kein Wirtschaftsbetrieb, sondern ein Ruhepol abseits der Hektik da draußen, eine Alternative zum heimischen Wohnzimmer."

Doch wo ist "die gute Seele" denn? Irgendwo aus der Mitte einer Gästegruppe ist ihre Stimme zu hören. An ihrer Seite eine ihrer besten Freundinnen, "meinem Mann sei Exfrau", wie sie später erläutert. "Wir haben kein Konzept, keinen konkreten Nutzungsplan", sagt sie, "wir haben einfach nur diesen Raum, der für alle offen ist." Klar, sie werde zurzeit noch als Zugpferd betrachtet, weil sie hier 13 Jahre lang hinter der Ladentheke gestanden hat. "Aber auch ein Zugpferd muss sich mal um Familie und Haushalt kümmern", sagt sie. Und was ist mit Behördenkram und Versicherung? "Oh nein", ruft sie lachend, "ich werde in meinem Leben keine Formulare mehr ausfüllen, kein einziges!" Na ja, zum Glück ist beim "Selig"-Projekt auch die neue Großpfarrei im Boot. Ist diesem Partner zuliebe der Name entstanden? Nach dem Motto, selig sind, die ins "Selig" kommen? Kerstin Bickar überlegt kurz. "Tatsächlich habe ich an die Lobpreisungen in der Bibel gedacht, und dort heißt es sinngemäß, selig sind, die guten Willens sind. Und guten Willen unterstelle ich zunächst allen Menschen." Davon abgesehen klingt "Selig" auch ein wenig geheimnisvoll, einprägsam, wunderlich, und das ist ja auch gut so.

Für ein Jahr ist der Treffpunkt zunächst sicher, die Fortsetzung muss dann neu festgelegt werden. Es werden weiter "Zeitspender" gesucht, die den Treffpunkt betreuen, der vorerst mittwochs von 15 bis 19 Uhr geöffnet ist.

Und wie war der Abschied von ihrem Geschäft, wie war der allerletzte Arbeitstag am 31. Dezember? Man erwartet eine traurige Frau Bickar, aber sie wirft die Arme hoch. "Grandios war das!", sagt sie, "ohne mein Wissen haben Verwandte und Bekannte eine Riesenparty mit Live-Musik veranstaltet, das hat mich schwungvoll vom Ladenschluss hinüber geschickt in die neue Seligkeit."