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Trauer um Völklinger Bildhauerin
Trauer um Bildhauerin Inge Andler-Laurenz

Inge Andler-Laurenz 2005 bei der Arbeit an einem ihrer Objekte in der Saarstahl-Lehrwerkstatt. Damals führte der Weg dorthin durchs Weltkulturerbe  Völklinger Hütte, das sie bewunderte und liebte.
Inge Andler-Laurenz 2005 bei der Arbeit an einem ihrer Objekte in der Saarstahl-Lehrwerkstatt. Damals führte der Weg dorthin durchs Weltkulturerbe Völklinger Hütte, das sie bewunderte und liebte. FOTO: Uwe Bellhaeuser
Völklingen. Den Brunnen im Pfarr­garten hat sie geschaffen, die Turmfigur der Kirche St. Michael. Die Plastik „Weinende Mutter“ in der Klein’schen Anlage stammt aus ihrer Hand. Nun ist die Völklingerin Inge Andler-Laurenz 83-jährig gestorben.

Von außen verriet das schmale Haus in der Hohenzollernstraße nicht, was in ihm steckte. „Mein Elternhaus“, sagte Inge Andler-Laurenz. Nach Jahren der künstlerischen Ausbildung und diverser Stipendien, die ihr Auslands-Aufenthalte ermöglichten, war sie zurückgekehrt. Und hatte sich das Haus zu eigen gemacht, als Atelier und mit einer Fülle eigener Arbeiten bis unters Dach.


Am 2. April 1935 wurde sie in der Hüttenstadt geboren. Ihre künstlerische Begabung fiel früh auf. Mit 17 begann sie ihre Ausbildung an der Saarbrücker Schule für Kunst und Handwerk – so jung, dass dafür eine Sondergenehmigung nötig war. Zeichnen war der Ausgangspunkt. Aber dann fing sie Feuer für die Bildhauerei. Noch Jahre später erfüllte es sie mit Stolz, dass sie Ende der 50er Jahre an der Werkkunstschule Düsseldorf in eben dieser Disziplin zum Studium zugelassen wurde: Das sei damals für Frauen eine Ausnahme gewesen.

Andler-Laurenz, ein zierliches Persönchen, entwickelte mit der Zeit eine Vorliebe fürs „Schwere“: Sie wandte sich der Metallbildhauerei zu. Das habe wohl zu tun mit Völklingen, sagte sie, mit Hütte,  Eisen, Stahl – ihrer Heimatstadt fühlte sie sich auch bei der Material-Wahl verbunden. In der Stadt, für die Stadt hat sie etliche Skulpturen gemacht. Die Turmfigur der Kirche St. Michael kennen viele, den Mutter-Kind-Brunnen im Pfarrgarten wohl alle in Völklingen. Bekannt ist auch ihre Skulptur „Weinende Mutter“ in der Klein’schen Anlage, 2009 entworfen als Erinnerung an eine von den Nazis zerstörte Steinplastik, die Benno Elkan 1925  zum Gedenken an Opfer des Ersten Weltkriegs geschaffen hatte. Und wer bei Saarstahl arbeitet oder dort gelegentlich zu Gast ist, kennt ihren metallenen  „Baum“ im Verwaltungsgebäude.



Figürliche Darstellungen standen für sie zeitlebens im Mittelpunkt. Doch sie hat sich auch dem Abstrakten gewidmet, etwa in ihren um 1980 entstandenen Arbeiten für die Kirche St. Monika in der Wohnstadt Überherrn. Dort und anderswo finden sich symbolische Elemente – Netze, immer wieder Netze. Auch auf Reliefs, die bei ihr daheim überm Sofa hingen. Eindrucksvolle, berührende Arbeiten, die Besucherin hätte sie gerne öfter angeschaut. Inge Andler-Laurenz las Gedanken und sagte lächelnd: „Die sind unverkäuflich.“ Und dachte im nächsten Moment laut drüber nach, woher wohl strukturierendes (Netz-)Material für neue Arbeiten zu bekommen sei. Hasendraht? Aber den gebe es für gewöhnlich nur in Riesenrollen, sie brauche doch nur kleine Stücke . . .

Solche Teile fand sie im Schrott, den sie bei Saarstahl durchsuchen durfte. Und in der Lehrwerkstatt des Unternehmens baute sie manche Plastik zusammen: Sie hatte zwischenzeitlich das Schweißen gelernt, um auch beim handwerklichen Teil der Arbeit unabhängig zu sein. Der Weg zur Werkstatt führte damals quer durchs Weltkulturerbe Völklinger Hütte, das sie gut kannte und doch stets neu bestaunte: „Eine riesige, grandiose Skulptur!“

2005 wurde sie mit dem Fritz-Zolnhofer-Preis der Stadt Sulzbach ausgezeichnet. Sie arbeitete weiter, bis in ihre späten Jahre. Und noch in ihren späten Jahren, berichtet Weggefährtin Inge Theis, heute 88, sei sie eine gute Tennisspielerin gewesen, mit nicht nachlassendem Ehrgeiz.

Völklingens Oberbürgermeisterin Christiane Blatt würdigte Inge Andler-Laurenz jetzt als eine Frau, deren Werke „als künstlerische Wegmarken Bestand haben werden“.

Inge Andler-Laurenz mit einigen ihrer Plastiken in ihrem Völklinger Atelier. Sie hatte es sich in ihrem Haus in der Hohenzollernstraße eingerichtet – in ihrem Elternhaus, das für sie Wohn- und Arbeitsstätte war.
Inge Andler-Laurenz mit einigen ihrer Plastiken in ihrem Völklinger Atelier. Sie hatte es sich in ihrem Haus in der Hohenzollernstraße eingerichtet – in ihrem Elternhaus, das für sie Wohn- und Arbeitsstätte war. FOTO: BeckerBredel
In der Dillinger Hütte wurde 2009 die Skulptur „Weinende Mutter“ gegossen. Hier ist sie aus der Form befreit; Helmut Bauer (rechts) bürstet Grate ab, Inge Andler-Laurenz (links) und Jean-Paul Bernard schauen zu.
In der Dillinger Hütte wurde 2009 die Skulptur „Weinende Mutter“ gegossen. Hier ist sie aus der Form befreit; Helmut Bauer (rechts) bürstet Grate ab, Inge Andler-Laurenz (links) und Jean-Paul Bernard schauen zu. FOTO: Oliver Dietze