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Töpfer erläutert globale Zusammenhänge

Völklingen. "Die Welt ist massiv gespalten", betonte Professor Klaus Töpfer gestern im Völklinger Parkhotel Albrecht. Während einer Umwelt-Matinee der CDU-Stadtratsfraktion erläuterte der ehemalige Leiter des Büros der Vereinten Nationen in Nairobi den rund 40 Zuhörern globale Zusammenhänge Von SZ-Mitarbeiter Thomas Annen

Völklingen. "Die Welt ist massiv gespalten", betonte Professor Klaus Töpfer gestern im Völklinger Parkhotel Albrecht. Während einer Umwelt-Matinee der CDU-Stadtratsfraktion erläuterte der ehemalige Leiter des Büros der Vereinten Nationen in Nairobi den rund 40 Zuhörern globale Zusammenhänge. Die Spaltung verdeutlichte Töpfer an einem Begriff, der vollkommen unterschiedlich gebraucht wird. Während "Ernährungspolitik" in den Industriestaaten verhindern soll, dass Kinder zu dick werden, geht es in den unterentwickelten Ländern darum, den Nachwuchs satt zu bekommen. Und die Zahl der Menschen, die versorgt werden wollen, nimmt zu: Von jetzt 6,7 Milliarden steige die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 auf etwa 8,5 Milliarden Menschen. Das Wohlstandsgefälle werde durch Wanderbewegungen abnehmen, zeigte sich Töpfer sicher. "Unsere Gesellschaft ist darauf nicht vorbereitet", warnte der Experte und betonte, dass sich die Migration durch Mauern nicht aufhalten lasse. Vielmehr müsse den Menschen die Chance gegeben werden, dort, wo sie leben, Perspektiven zu entwickeln. Mit der wirtschaftlichen Entwicklung steige aber auch die Nachfrage nach Energie. Statt auf nur noch begrenzt vorhandene fossile Brennstoffe setzt Töpfer auf umweltfreundliche, erneuerbare Energien. Dabei bricht er eine Lanze für nachhaltige Lösungen. Die aktuelle Wirtschaftskrise habe gezeigt, dass kurzfristige Überlegungen, die sich nur an Quartalsergebnissen orientierten, nicht zum Ziel führten. Der Bau von Sanitäreinrichtungen in Schulen bremse das Bevölkerungswachstum in den Entwicklungsländern stärker als die Aufhebung des päpstlichen Kondomverbots, erläuterte Klaus Töpfer. Untersuchungen hätten einen klaren Zusammenhang zwischen der Ausbildung von Frauen und der Zahl ihrer Kinder aufgezeigt. Schulen ohne Sanitäranlagen würden von den Mädchen jedoch nicht besucht. Am Ende der Veranstaltung streifte der CDU-Politiker auch noch ein kommunalpolitisches Thema: Vor dem Hintergrund der Überfischung der Meere sei gegen Fischzuchtanlagen grundsätzlich nichts einzuwenden, erklärte Töpfer vor den Zuhörern in Völklingen. "Die Welt ist massiv gespalten."Klaus Töpfer, Bundesminister a. D.


Zur PersonKlaus Töpfer, CDU, war von 1987 bis 1994 Bundesumweltminister und von 1994 bis 1998 Bundesbauminister. Von 1998 bis 2006 leitete er das Umweltprogramm der Vereinten Nationen. Seit 2001 sitzt Töpfer im Rat für nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung, dessen stellvertretender Vorsitzender er ist. Von 1990 bis 1995 war er Landesvorsitzender der saarländischen CDU. tan