Tafel hilft seit zehn Jahren

30 Ehrenamtler kümmern sich bei der Völklinger Tafel um die Verteilung von Lebensmitteln. Bisher war das nur in einem aufgebauten Zelt möglich. Zum zehnjährigen Jubiläum der sozialen Einrichtung wurde auch der neue Anbau fertig, in dem nun die Ausgabe stattfindet.

Es war eine Feierstunde, bei der auch immer die Wehmut mitklang, solch ein Jubiläum überhaupt zu begehen. Etwa 50 Besucher hatten sich am Sonntagmittag im Haus der Diakonie in Völklingen eingefunden, um das zehnjährige Bestehen der Völklinger Tafel zu feiern. Dabei ging Wolfgang Biehl aus der Geschäftsführung des Diakonischen Werkes an der Saar auf eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung ein. Demnach lebe im Regionalverband Saarbrücken etwa jedes vierte Kind von Hartz IV. "Das ist für mich ein Skandal", so Wolfgang Biehl, "leider wachsen unsere Kinder in einer Gesellschaft auf, in der der Ellbogen das wichtigste Körperteil ist".

Für Völklingen konkret bedeute es, dass die Tafel derzeit etwa 383 Familien regelmäßig mit Lebensmitteln versorge. Das seien 1056 Menschen, 406 davon Kinder. "Ohne die Tafel wäre die Situation noch dramatischer", fügte er hinzu. Es sei wichtig, dass es die Tafeln gebe, gleichzeitig stelle sich der Gesellschaft die Frage, warum es sie überhaupt geben müsse. Die saarländische Landesregierung forderte er auf, Maßnahmen zu ergreifen, um Kinderarmut zu bekämpfen.

Pünktlich zur 10-Jahres-Feier wurde auch der neue Anbau in Betrieb genommen. Der etwa 35 Quadratmeter große Raum dient als neue Ausgabestelle, wie Claudia Rebmann, Referentin beim Diakonischen Werk an der Saar, erklärte. Gleichzeitig werde damit das langjährige Provisorium in Form eines Zeltes im Innenhof eingestellt. Nun könnten die mehr als 30 Ehrenamtler, die sich bei der Tafel engagieren, endlich auch in einem Raum die Lebensmittelausgabe vorbereiten, "damit sie nicht mehr bei Wind und Wetter im Freien stehen müssen", so Claudia Rebmann.

Mehr als zwei Jahre hatte es gedauert, bis von der ersten Planung nun letztendlich der Raum fertig gestellt war, erzählte Franz-Reinhard Dasch-mann, Koordinator bei der Völklinger Tafel. Dabei sei die Finanzierung ausschließlich über Spenden zusammengekommen. Das seien etwa Materialspenden in Form von Fenstern, Türen oder Fliesen gewesen oder Zeitspenden in Form von "Anpacken".

Zu den Gratulanten gehörte die ehrenamtliche Regionalverbandsbeigeordnete Dagmar Trenz. Sie ging in ihrem Grußwort darauf ein, dass es bereits zur Einführung von Hartz IV mehr als 300 Tafeln bundesweit gegeben habe. "Armut war schon immer da", sagte sie und fragte auf das Jubiläum bezogen rhetorisch: "Ist das wirklich ein Grund zum Feiern?". Offensichtlich schaffe es unsere Gesellschaft nicht, gut zu verteilen. Dank des Engagements der Ehrenamtler könnten die Bezieher der Tafel ihre Würde behalten.

Völklingens Bürgermeister Wolfgang Bintz stellte aufgrund der vorherrschenden Sozialpolitik die Frage: "Gehen wir den richtigen Weg?" In seiner Amtszeit habe er viele Familien kennengelernt, vor allem Alleinerziehende mit mehreren Kindern, die zwar scheinbar gut verdienten, aber dennoch auf Leistungen wie die der Tafel angewiesen seien.