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„System Klaus Lorig hat abgewirtschaftet“

Wehrden. Die SPD, seit der letzten Kommunalwahl wieder stärkte politische Kraft im Völklinger Stadtrat, hat „die Nase voll“ vom CDU-Oberbürgermeister Klaus Lorig, der den kooperativen Kurs der Partei nicht honoriert habe. Es werde ein anderer Ton eingeführt, versprach Chef Erik Kuhn bei dem Frühlingsempfang der Partei in Wehrden. Peter Wagner

Der Musikverein Lauterbach legte mit "Iditarod", Robert Buckleys Song zum längsten Hundeschlittenrennen der Welt wuchtig los, und auch Erik Kuhn ließ es bissig angehen: "Das System Klaus Lorig hat abgewirtschaftet", hielt der Fraktionsvorsitzende der SPD-Fraktion im Völklinger Stadtrat einen Abgesang auf den CDU-Oberbürgermeister und "Zwangsaufsichtsrat-Vorsitzenden" der Fischzuchtanlage. Lange, zu lange, habe man an das Gute geglaubt und Lorig konstruktiv begleitet. Nun stehe man enttäuscht vor einem Nichts, und werde einen härteren Kurs fahren.

"Es wird sich in Völklingen was ändern", versprach Kuhn in seiner fast 30-minütigen Rede beim Frühlingsempfang seiner Fraktion am Freitagabend in Wehrden mehr Widerstand gegen den Verwaltungschef. Lorig habe den Stadtrat und den Aufsichtsrat in Sachen Fischzuchtanlage "belogen und betrogen", beim City-Center versagt und die dringend notwendige Anbindung des Weltkulturerbes an die Innenstadt versäumt. Unliebsame Wahrheiten habe er in nicht öffentlichen Sitzungen verkündet, gute Nachrichten als persönliche Erfolge an den Gremien vorbei in Pressegesprächen dargelegt. Aufträge des Stadtrates ignoriere er einfach. Kuhn sprach sich für den "schnellstmöglichen Verkauf der Fischzucht" aus, um die Stadtwerke zu retten. Diese müssten sich auf die Kernfelder Strom, Gas und Wasser beschränken, betriebsbedingte Kündigungen dürfe es nicht geben.

Gastredner Jürgen Barke , Staatssekretär im saarländischen Wirtschaftsministerium, der als Kind übrigens am Nordring wohnte, sprach den Völklingern Mut zu: Die viertgrößte Stadt des Saarlandes habe "großes Potential", etwa in der Wachstumsbranche Tourismus.

Zu dem Frühlingsfest, das bereits im letzten Jahr an die Stelle des Neujahrsempfanges trat, kamen etwa 200 Besucher in die Kulturhalle Wehrden , übrigens nicht nur Parteigänger. Wer die Reden schon gehört zu haben glaubte, der konnte sich am Vortrag der 35 Lauterbacher Musiker um ihren Dirigenten Bernhard Seiwert oder an der Suppe aus dem Awo-Seniorenheim erfreuen. Und die Stadtverordnete Brunhilde Folz bekam viel Zuspruch für die stimmungsvolle österliche Dekoration des Saales.