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| 20:09 Uhr

Streit um die Fisch-Millionen

Mitte 2011 soll die Meeresfischzuchtanlage in Fürstenhausen die ersten Erträge bringen: hier ein Mitarbeiter einer Anlage im Ruhrgebiet mit einem in Süßwasser gezüchteten Stör. Foto: dpa
Mitte 2011 soll die Meeresfischzuchtanlage in Fürstenhausen die ersten Erträge bringen: hier ein Mitarbeiter einer Anlage im Ruhrgebiet mit einem in Süßwasser gezüchteten Stör. Foto: dpa
Völklingen. Auf dem früheren Kokereigelände in Fürstenhausen hat der Bau der weltweit ersten Großanlage zur Zucht von Meeresfischen im Binnenland begonnen. Derweil ist die Fischzucht zum beherrschenden Wahlkampfthema in Völklingen geworden Von SZ-Redakteur Bernhard Geber

Völklingen. Auf dem früheren Kokereigelände in Fürstenhausen hat der Bau der weltweit ersten Großanlage zur Zucht von Meeresfischen im Binnenland begonnen. Derweil ist die Fischzucht zum beherrschenden Wahlkampfthema in Völklingen geworden. Während die CDU-Stadtratsmehrheit ebenso allein wie unbeirrt zu dem Projekt steht, haben sich inzwischen auch die Freien Wähler in den Chor der Kritiker eingereiht. Ihr Vorsitzender Berthold Annel erklärte, in der Bevölkerung sei "absolut keine Akzeptanz" für den Bau vorhanden. Diese Meinung decke sich mit Aussagen von Fachleuten. Deshalb lehnten die Freien Wähler das Projekt ab - mit vor dem Hintergrund der schlechten wirtschaftlichen Lage.Annel spießt auch unterschiedliche Investitionssummen auf, die in der Öffentlichkeit genannt wurden: Oberbürgermeister Klaus Lorig gehe von 13 Millionen aus. Ein Mitglied des Aufsichtsrates der Stadtwerke, nämlich SPD-Fraktionschef Erik Kuhn, nenne 17 Millionen Euro. Die FDP rede von 11 Millionen Euro.Dagegen noch einmal die Zahlen, die der Oberbürgermeister beim ersten Spatenstich in der vergangenen Woche nannte: Das Investitionsvolumen betrage 13 Millionen Euro. Davon entfielen 12,5 Millionen Euro auf die Anlage, 500 000 Euro auf das Grundstück. 1,5 Millionen gingen in die Planung, 5,5 Millionen Euro in den Bau der Produktionshalle, weitere 5,5 Millionen in den technischen Anlagenbau. Das Vorhaben werde mit einem Eigenkapitalanteil von 40 Prozent und einem bankenfinanzierten Fremdmittelanteil von 60 Prozent finanziert. Die Kreditvergabe erfolge "zu banküblichen Sicherheiten", die Lorig nicht näher bezeichnete. "Bankübliche Sicherheiten"Auf SZ-Frage hatte Lorig allerdings hinzugefügt, die Stadtwerke Holding habe eine Bürgschaft für eine Million Euro Anlaufverluste übernommen. Eine Nachfrage bei Stadtwerke-Geschäftsführer Jochen Dahm ergab zusätzlich die Auskunft, dass die Stadtwerke Holding nicht für den 60-prozentigen Anteil bei der Investitionssumme hafte. Mit den Anlaufverlusten zusammengerechnet, würden rund zehn Millionen Euro fremdfinanziert. Dahm: "Die Verwirrung bei manchen kann dadurch entstehen, dass wir Puffer eingebaut haben."Die Völklinger Grünen haben bereits eine "Koalition der Vernunft" für einen Baustopp bei einer Änderung der Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat angemahnt. SPD-Fraktionschef Erik Kuhn nannte es derweil "äußerst schwierig", das Projekt noch zu stoppen. Da seien offenbar bereits umfangreiche Verträge geschlossen worden, in die er allerdings noch keine Einsicht erhalten habe. Da die Stadtwerke in Form einer privatrechtlichen GmbH geführt werden, sind hier Informationen stets mit von der Haltung von Oberbürgermeister Klaus Lorig in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzendem abhängig. Kuhn zusammenfassend: "Wir können das Projekt nicht anhalten, wenn uns das zehn Millionen Euro Schadenersatz kosten sollte." > Siehe auch Leserbriefe auf Seite C 2Meinung

Baustopp scheint unrealistisch

Von SZ-RedakteurBernhard Geber Man mag aus gutem Grund für und auch aus gutem Grund gegen die Meeresfischzucht in Völklingen sein. Doch für den Ruf nach einem Baustopp scheint's zu spät. Alle verfügbaren Informationen sprechen dafür, dass das Projekt bereits zu weit fortgeschritten ist, um es noch anzuhalten. Es wäre mit horrenden Schadenersatzforderungen zu rechnen. Oberbürgermeister Klaus Lorig und seine CDU haben den Mut zum Risiko gezeigt. Sie tragen nun auch die Verantwortung - sei es im Guten oder im Schlechten.