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Stolpersteine in der Völklinger Poststraße funkeln wie neu

Stolpersteine in der Völklinger Poststraße funkeln wie neu

Aktionsbündnis poliert Gedenksteine – gegen das Vergessen ermordeter jüdischer Mitbürger.

Schwarze Patina hat sich über die sieben Stolpersteine aus Messing gelegt, die in der Poststraße an die Kaufmannsfamilien Kahn und Ostrolenk erinnern sollen. Sieben Völklinger, von den Nazis verschleppt; bis auf Gitte Ostrolenk wurden sie in Auschwitz ermordet. Dies verraten die Gravuren der Stolpersteine im Verbundsteinpflaster der Poststraße.

Buchstaben und Zahlen waren zuletzt aber kaum noch zu entziffern - der Patina wegen. Die dann selbst für eine bestimmte Symbolik steht: Sie verschleiert schon nach kurzer Zeit die Information. Die metallenen Stolpersteine verschmelzen mit dem Grau des Pflasters. Vergessen statt Erinnerung.

Zeit also, den Gedenk-Stolperstein zu reinigen, was die Mitglieder des Aktionsbündnisses Stolpersteine/Frieden in Völklingen stets zeitnah zum 8. Mai erledigen. "Ja, wir haben den Tag des Kriegsendes zum Anlass dafür genommen", sagt Bündnissprecherin Caroline Conrad. Etwa ein Dutzend Männer und Frauen sind es, die sich beteiligen. Im November findet jeweils die nächste halbjährliche Reinigung statt.

Wie schnell die Erinnerung verblasst, zeigt sich beim Weg zu jenen Stolpersteinen in der Poststraße. Ein Teil der Gruppe ist nämlich schon vorbei marschiert, als die Nachfolgenden sie lautstark zurück rufen. Ein bisschen Politur auf ein Schwämmchen, und nach weniger als einer Minute ist die Patina zu einem schwarzen, flüssigen Film geworden. Noch ein paar Spritzer mit der mitgebrachten Wasserflasche hinterher, und der Stolperstein funkelt wieder wie neu. Dunkel ist jetzt nur noch die Gravur, und die Inschrift ist wieder mühelos zu lesen. Fehlt nur noch frischer Blumenschmuck: Selbstverständlich eine weiße Rose, seit jeher das Symbol für den Widerstand gegen das Nazi-Regime.

In Völklingen erinnern 27 Stolpersteine und eine Stolperschwelle an Opfer des Faschismus - Juden, Widerstandskämpfer, Zwangsarbeiter, Behinderte. Die meisten davon hat die Völklinger Gruppe in der Innenstadt gesäubert. Um die Stolpersteine in den Stadtteilen außerhalb haben sich Bündnismitglieder aus den jeweiligen Orten gekümmert.

Die Erinnerung an den Jahrestag des Kriegsendes und die damit verbundene Befreiung vom Naziterror ist dem Bündnis wichtig. Mit den auf Hochglanz polierten Stolpersteinen gilt es, gleichzeitig das Erinnern an die Opfer aufzufrischen. Conrad mahnt: "Wie wichtig es ist, auch heute noch gegen Rassismus und Intoleranz aktiv zu werden, zeigen die enormen Stimmengewinne für die AfD bei den jüngsten Landtagswahlen."

Gleichzeitig soll die Aktion zum Ausdruck bringen, dass die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhobene Mahnung "Nie wieder Krieg" auch heute noch nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat. Waffenexporte und damit Stellvertreterkriege in allen Teilen der Welt nehmen zu. Millionen Menschen sind auf der Flucht vor Krieg und Terror. "Viele von ihnen leben mittlerweile auch in Völklingen und brauchen unsere Solidarität", sagt Conrad. Deshalb freut sie sich, dass sich auch Tesfaldet Tesfaselassie an der Aktion beteiligt, ein junger Mann, der aus Eritrea nach Völklingen geflüchtet ist. Weiter sei wichtig, möglichst viele Generationen in die halbjährliche Putzaktion gegen das Vergessen von Krieg und Nazi-Regime mitzunehmen - Doris Frey findet es gut, dass auch ihr Enkel Felix dieses Mal mit von der Partie ist.