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Steht Weltkulturerbe gegen Windkraft?

Steht Weltkulturerbe gegen Windkraft?

Die Entscheidung liegt bei der Unesco in Paris: Der Windpark Bous, nah an Püttlingen und Völklingen geplant, darf nur gebaut werden, wenn er das Weltkulturerbe Völklinger Hütte nicht stört.

Die Unesco, Kultur-Organisation der Vereinten Nationen, nimmt es genau mit den Stätten, die sie zum Welterbe erklärt hat. Manches Projekt im Umfeld findet nicht ihren Segen, weil die Denkmal-Experten nach eingehender Prüfung zum Schluss kommen, es mache einen Welterbe-Ort zuschanden. So hat die Unesco das sächsische Elbtal aus der Welterbe-Liste gestrichen - ein in Europa bis dato beispielloser Vorgang -, als in Dresden die Waldschlösschenbrücke gebaut wurde. Dagegen hatte die Welterbe-Kommission Einspruch erhoben; Politik und Verwaltung drückten den Bau dennoch durch.

Beim Kölner Dom war's knapp. Jahrelang stand er auf der Roten Liste der gefährdeten Welterbe-Stätten. Denn in Köln wollte man unbedingt ein Hochhaus errichten, das mit gut 100 Metern Höhe die Sicht auf den 157 Meter hohen Kirchturm kräftig verstellt hätte. Geht nicht, sagte die Unesco: Zum Dom-Welterbe gehört zwingend, dass die Kathedrale hoch über der Stadt thront und deren Bild beherrscht. Die Stadt-Oberen lenkten ein. Das Hochhaus, bereits genehmigt, wurde nicht gebaut.

Jetzt steht das Weltkulturerbe Völklinger Hütte im Fokus. Das Landesamt für Umwelt und Arbeitsschutz (LUA) hat der Firma Dunoair den Bau von drei Windrädern auf dem Gebiet der benachbarten Gemeinde Bous nur unter der Bedingung gestattet, dass die Unesco dazu ihr Einverständnis gibt (wir berichteten bereits). Denn - so sagt es Sabine Schorr, Sprecherin des Umweltministerium, dem das LUA unterstellt ist - die Windräder seien im "Wirkraum" des Völklinger Weltkulturerbes geplant. Das große Denkmal und seine Nachbarschaft stünden nun mal in engem Zusammenhang mit dem bewaldeten Höhenrücken, der für den Windpark vorgesehen ist.

Schorr betont, das Land nehme eine Gefährdung des Weltkulturerbe-Status auf keinen Fall in Kauf - ohne Wenn und Aber. Die Genehmigung für den Bouser Windpark, erläutert sie, entfalte ihre Wirksamkeit erst, wenn die Bedingung "vollumfänglich erfüllt" sei, wenn also ein positives Votum vom zuständigen Welterbe-Zentrum in Paris vorliege. Und werde schon vorher mit dem Bau oder Betrieb der Windkraftanlagen begonnen, sei das sogar eine Straftat, auf die das LUA sofort mit einer Strafanzeige reagieren werde.

Meinrad Grewenig, Völklinger Weltkulturerbe-Generaldirektor, kennt nach eigener Auskunft die Details der Windkraftplanung nicht. Und auch keine Visualisierung, der man entnehmen könnte, wie die Windräder sich aufs Hütten-Panorama auswirken. Nachdenklich machen ihn aber die geplanten Dimensionen: 207 Meter hoch sollen die Windräder werden, und ihr Fußpunkt liegt ein gutes Stück höher als die Alte Hütte im Saartal. "Wenn es eine Beeinträchtigung sein sollte, dann ist es ein No-Go", sagt er.

Vor einigen Jahren, berichtet Grewenig, bedurfte schon einmal ein Projekt der Unesco-Zustimmung: 2008 hat die Saarstahl AG ihren neuen Gasometer errichtet, der nun mit 79 Metern das höchste Bauwerk in Völklingen ist. Obwohl die lokalen Denkmal-Leute keinerlei Einwände oder Bedenken hatten, habe die Unesco den Saarstahlern einen rundum "qualifizierten Antrag" abverlangt, sagt Grewenig, und es sei ein gründliches Gutachten erarbeitet worden; das Ganze habe gedauert.

Was Ines Oberhofer aus der Saarstahl-Pressestelle bestätigt. Der neue Saarstahl-Gasometer befinde sich in der so genannten Pufferzone des Weltkulturerbes, sagt sie; also sei die Unesco eingeschaltet worden. Der von dieser beauftragte Gutachter sei am Ende zu dem Schluss gelangt, "dass sich der Gasometer wunderbar in die Industrielandschaft einfügt"; also wurde die Sache positiv beschieden. Aber: "Für den gesamten Prozess dieser Prüfung gingen zwei Jahre ins Land."

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 Völklingens Weltkulturerbe, vorn rechts die Gebläsehalle, links daneben der Wasserturm, dahinter die Hochofengruppe, links im Hintergrund (oben) die Röchlinghöhe. Im Bild rechts ein Windrad – passt das? Fotos: Becker & Bredel, Weigel/dpa
Völklingens Weltkulturerbe, vorn rechts die Gebläsehalle, links daneben der Wasserturm, dahinter die Hochofengruppe, links im Hintergrund (oben) die Röchlinghöhe. Im Bild rechts ein Windrad – passt das? Fotos: Becker & Bredel, Weigel/dpa
 Bleibt ohne Hochhaus-Nachbarschaft: der 157 Meter hohe Kölner Dom. Foto: Oliver Berg/dpa
Bleibt ohne Hochhaus-Nachbarschaft: der 157 Meter hohe Kölner Dom. Foto: Oliver Berg/dpa Foto: Oliver Berg/dpa
 Passt zur Eisenhütte: der neue Saarstahl-Gasometer (hier bei einer Feuerwehrübung). Foto: Becker & Bredel
Passt zur Eisenhütte: der neue Saarstahl-Gasometer (hier bei einer Feuerwehrübung). Foto: Becker & Bredel Foto: Becker & Bredel

Das Mittelrheintal ist auf etwa 65 Kilometern Länge Welterbe, wegen der Besonderheit seiner Landschaft. Auch dort gibt es Windkraft-Pläne. Um zu prüfen, ob sie sich mit dem Welterbe-Status vertragen, erarbeitete eine Gutachtergruppe 2013 eine "Sichtachsenstudie". Auf mehr als 110 Seiten haben die Experten genauestens untersucht, wie Windräder das Landschaftsbild verändern, zahlreiche Visualisierungen inklusive. Ergebnis: Es gibt starke Konflikte zwischen Windkraft und Welterbe; die geschützte Landschaft würde "technisch überformt".