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Kolumne
Steht ein Schaf vor der Kneipe . . . 

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Überraschung: Manchmal trifft man mitten in der Stadt Tiere, die man dort nicht erwartet. Von Nora Ernst
Nora Ernst

Den Medien wird ja gerne mal vorgeworfen, Fake News zu verbreiten. Aber was ich jetzt schildere, hat sich wirklich und wahrhaftig so zugetragen: Ich habe neulich mitten in der Saarbrücker Innenstadt ein Schaf vor einer Kneipe stehen sehen. Ein Lamm, um genau zu sein, an einer Leine. Schwer zu glauben, ich weiß.


Ich wünschte, ich hätte mit meinem Smartphone ein Foto gemacht. Hätte ich das Bild online gestellt, wäre es bestimmt viral gegangen. Wer weiß, wenn ich noch einen obendrauf gesetzt und das Lämmchen gefilmt hätte, vielleicht wäre ich ein Youtube-Star geworden, womöglich sogar ein Influencer. Sheep Content wäre jetzt der neue Cat Content.

Aber wie es der Zufall will, war ich gerade dabei, zu telefonieren. Die Freundin am anderen Ende der Leitung konnte es nicht so recht glauben: Ob es nicht vielleicht doch ein Pudel . . .? Gut, ich bin in der Großstadt aufgewachsen, und uns Städtern wird schon mal unterstellt, wir wüssten nicht, dass Kühe keine lila Flecken haben. Aber ich kann immer noch ein Schaf von einem Pudel unterscheiden. Und nicht erst, wenn es bellt.



Eindeutig ein Lamm. Mit flauschigem Fell und schwarzer Nase. Seine Beinchen zitterten unsicher, als ob es intuitiv wüsste, dass es im städtischen Kneipenmilieu fehl am Platz ist. Was uns zu der Frage bringt, was das Lamm dort zu suchen hatte. Die einzig logische Erklärung: Es wollte noch ein letztes Mal einen heben gehen, bevor mit Ostern die Zeit des Lammbratens anbricht . . .