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Stadtwerke-Mitarbeiter ziehen vors Rathaus

Stadtwerke-Mitarbeiter ziehen vors Rathaus

Unmittelbar vor einer Aufsichtsratssitzung der Holding haben gestern rund 100 Mitarbeiter der Völklinger Stadtwerke für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstriert. Die Gespräche sollen jetzt weitergehen.

Grau war der Himmel am Donnerstagnachmittag über Völklingen , düster die Stimmung der Versammelten vor dem Neuen Rathaus. Rund 100 Mitarbeiter der Stadtwerke nahmen an der Kundgebung teil, zu der die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte. Zehn Arbeitsplätze sollen in der Holding noch in diesem Jahr gestrichen werden. Für Aufregung hatte die Ankündigung von Geschäftsführer Michael Böddeker gesorgt, jetzt doch betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen. Der Grund laut Böddeker: Das Interesse von angesprochenen Mitarbeitern an einem anderen Arbeitsverhältnis sei sehr gering gewesen.

Gestern schilderte eine Betroffene, wie das Unternehmen mit ihr umgesprungen sei. Ihren Namen mochte die 52-Jährige nicht nennen. Nur so viel verriet sie: "Seit 35 Jahren schaffe ich für die Stadtwerke , als wäre es meine eigene Firma." Seit 15 Jahren sei sie Abteilungsleiterin. Den 7. Dezember werde sie nie vergessen, meint sie. An dem Tag wurde sie zur Geschäftsführung ins Büro gebeten. Man habe ihr nahegelegt, eine Kündigung zu akzeptieren. Einer Kollegin, ebenfalls Abteilungsleiterin, habe man das gleiche Ansinnen unterbreitet. "Wie vom Donner gerührt war ich". Zumal man wenige Tage vorher über zwei ältere Mitarbeiter, auch seit längerem krank, gesprochen habe, die sozialverträglich in die Rente gehen könnten. "Ich möchte meine Arbeit nicht verlieren", fügt sie hinzu.

Betriebsratvorsitzender Wolfgang Jelinski äußerte Bedauern, dass die Geschäftsführung mitten in den Gesprächen an die Öffentlichkeit gegangen sei: "Das letzte Wort ist nicht gesprochen." Er habe davor gewarnt, betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen. Die zunächst angesprochenen Kollegen, alle über 50 oder 25 bis 30 Jahre im Unternehmen Stadtwerke tätig, seien gleich mehrfach unkündbar. Böddeker habe einsehen müssen, dass der Plan nicht umsetzbar sei. Anschließend hat die Geschäftsführung mit allen Mitarbeitern gesprochen. Jelinski ist nun guter Hoffnung, "dass die Verhandlungen nicht scheitern". Der Plan des Betriebsrates sieht vor, fünf ältere Mitarbeiter über eine "Altersbrücke" in den wohlverdienten Ruhestand zu schicken. Weitere fünf Mitarbeiter sollten bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz unterstützt werden. Die Holding habe zu diesem Zwecke bereits eine Firma beauftragt.

Auf den Stufen hoch zum Eingangsportal des Rathauses hielten Demonstranten Schilder und Transparente hoch. "Sanierung ja, Entlassungen nein" oder "Millionen für Sanierer, aber Null für Personal-Arbeitsplätze". SPD-Fraktionschef Erik Kuhn und Linken-Fraktionschef Klaus Degen übten den Schulterschluss. Kuhn: "Der Hauptschuldige sitzt im ersten Stock des Rathauses und heißt Klaus Lorig ." Kuhn unterstrich das Nein der SPD zu betriebsbedingten Kündigungen, mahnte aber auch, dass "Mitarbeiter sich bewegen müssen und bereit sein müssen, einen andern Arbeitsplatz anzunehmen".

Dann übernahm der Stadtwerke-Chef selbst das Mikro, bekundete Verständnis für die Demonstranten , wich aber der Frage aus, ob es bei diesen Kündigungen bleibe: "Da kann ich keine verbindliche Antwort geben." Auch Bürgermeister Wolfgang Bintz (CDU ) griff auf dem Rathausvorplatz zum Mikrofon. "Lorig schickt ihn immer vor, um die heißen Kartoffeln für ihn aus dem Feuer zu holen", murmelte ein Zuhörer. Bintz bekräftigte: "Ich hoffe, dass wir eine Lösung finden, die nicht in betriebsbedingten Kündigungen mündet."

Nach 30 Minuten war alles gesagt. Im Hintergrund huschten weitere Mitglieder des Aufsichtsrates der Stadtwerke Holding zur nichtöffentlichen Sitzung ins Rathaus. Über den Platz kam eine ältere Dame auf die Stadtwerke-Abteilungsleiterin zu: "Ich komme zu deiner Unterstützung", sagte sie. "Habt Ihr nicht einen Job für mich im Rathaus frei?", fragte die 52-Jährige.