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Stadtwerke-Chef schwört: Wir schaffen das

Stadtwerke-Chef schwört: Wir schaffen das

Beim CDU-Neujahrsempfang in der Wehrdener Kulturhalle waren sogar die Stehplätze knapp. Fraktionschef Stefan Rabel hatte mit Michael Böddeker, dem neuen Chef der Stadtwerke, den derzeit wohl interessantesten Mann in Völklingen eingeladen.

Über 250 Zuhörer warteten am Freitagabend in der Wehrdener Kulturhalle gespannt auf das, was Michael Böddeker zu sagen hatte. Der neue Geschäftsführer der Stadtwerke , seit Oktober im Amt, absolvierte beim CDU-Neujahrsempfang seinen ersten öffentlichen Auftritt in Völklingen. Die Krise bei dem Stadtkonzern sei "noch nicht final ausgestanden", warnte Böddeker in seiner Rede. Aber andererseits sei er sich (in Anlehnung an Bundeskanzlerin Merkel) sicher: "Wir schaffen das."

Alle Verpflichtungen aus dem Restrukturierungskonzept, so Böddeker, würden mit großer Akribie abgearbeitet. Denn: "Wir sind hier nicht in einem Wunschkonzert, sondern in einer Pflichtveranstaltung, die wir zu beenden haben." Er hoffe nach wie vor, dass es beim Personalabbau zu einer freiwilligen Lösung mit einer Transfergesellschaft komme. "Wir wollen Härten vermeiden - auch für die Mitarbeiter, von denen wir uns trennen müssen", sagt Böddeker und mahnte: "Jede Kommunikation nach außen schadet eigentlich dem Konzern."

Ziel der Stadtwerke und jedes Mitarbeiters müsse es sein, "gute Dienstleistungen für die Kunden zu erbringen". Zur Zukunft des Unternehmens nach der Sanierung (mit Zieljahr 2017) sagte Böddeker, die Stadtwerke könnten sich zum "zentralen privatwirtschaftlichen Arm der Stadt" entwickeln. Als Beispiel nannte der Geschäftsführer Angebote von grüner Energie, von Mobilität auch durch sicheren Transport und Speichern von Daten, die Bewirtschaftung von Wohnungen und auch das "Management von Ressourcen wie den Fuhrpark".

Wie Böddeker bekannten sich beim Empfang auch CDU-Fraktionschef Stefan Rabel und Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU ) zu einem möglichst sozialverträglichen Abbau von Arbeitsplätzen. Im Rückblick auf seine eigene Rolle als Aufsichtsratsvorsitzender mahnte Lorig: "Frieden kann es nur geben, wenn man die Fehler nicht immer bei anderen sucht." Der Oberbürgermeister erinnerte ansonsten an erfolgreiche Projekte wie Seniorenresidenz und Ärztehaus. Und daran, dass sich die Modepark Röther GmbH bereit erklärt hat, ein neues Einkaufszentrum an Stelle des Ex-Kaufhofs zu entwickeln.

"Wir freuen uns, dass wir hier nicht von unserem Weg abgewichen sind", bekräftigte Stefan Rabel. Von anderer Seite waren bereits eine Umsiedlung des Berufsbildungszentrums oder eine reine Wohnbebauung ins Gespräch gebracht worden.

Bislang haben man in Völklingen die Flüchtlings-Situation ("rund 450 Personen") im Griff, aber künftig werde es nicht ohne Begrenzung abgehen. Und der Staat dürfe dabei auf keinen Fall, wie unlängst in Köln, "die Kontrolle verlieren", mahnte Rabel.

Ohne engagierte Menschen liefe wenig, und die CDU hat bei ihrem Neujahrsempfang erneut ehrenamtliche Initiativen gewürdigt, so auch die von Ernst-Günter Woirgardt, der mit einem Förderkreis die Kreuzeskirche in Fürstenhausen am Leben erhält. Die Grünen Damen um Gabriele Daub machen seit langem Patienten in den SHG-Kliniken das Gesundwerden leichter. Der Nabu Warndt trägt mit Streitern wie Fritz Duchêne und Wolfram Doerr wesentlich zum Naturschutz in der Stadt bei. Der SV Heidstock mit Gerald Kuhn lädt junge Flüchtlinge aus dem Clearinghaus zum Fußballspielen bei sich ein und versorgt sie auch mit den nötigen Sportsachen. Roland Bernardi leitet nicht nur einen erfolgreichen Dachdeckerbetrieb, sondern betreut auch die Zimmerer-Nationalmannschaft. Sohn Mario Bernardi hat auf den Spuren seines Vaters unlängst eine Goldmedaille gewonnen.

Stefan Rabel, Gisela Rink und Klaus Lorig zeigten sich bei der Ehrung als kenntnis- und geistreiche Laudatoren.

Meinung:

Böddeker muss jetzt liefern

Geehrte und Laudatoren (von links): Ernst-Günter Woirgardt, Stefan Rabel, Gabriele Daub, Roland und Mario Bernardi, Parteichefin Gisela Rink und Oberbürgermeister Klaus Lorig. Foto: Becker & Bredel. Foto: Becker & Bredel

Von SZ-RedakteurBernhard Geber

Oberbürgermeister Klaus Lorig ist da ein ansehnlicher Einkauf in Hessen gelungen. Michael Böddeker, seit Oktober Geschäftsführer der Stadtwerke , hat bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in der Kulturhalle Wehrden ein gutes Bild abgegeben und mit teilweise brillanter Rhetorik von seinem Tat-Willen überzeugt. Auch, wenn er es bisher nur geschafft hätte, dass Kundenanfragen prompt bearbeitet werden und Rückzahlungen bei den Verbrauchsrechnungen zügig erfolgen, hätte er schon einiges auf dem Plus-Konto.

Zum von Böddeker bekundeten Selbstbewusstsein gehört es nach seinen Angaben ebenfalls, die Dinge intern im Haus zu regeln. Andererseits sind die Stadtwerke aber ein öffentliches Unternehmen, das den Bürgern gehört. Und so wird sich Böddeker Fragen zu kritischen Themen gefallen lassen müssen. Man erinnere sich: Auch die frühere Taktik des Vertuschens und Verschweigens hatte die Stadtwerke an den Rand des Ruins geführt.

Visionen, wie sie der neue Geschäftsführer zur (womöglich goldenen) Zukunft von sanierten Völklinger Stadtwerken vortrug, klingen verheißungsvoll. Doch zunächst geht es um Kundenzufriedenheit und konkurrenzfähige Preise. Und dies im schwierigen Spagat damit, den Schuldenberg von über 20 Millionen Euro in den Griff zu bekommen. Böddeker muss jetzt liefern.

Zum Lieferpaket gehört auch ein schmerzlicher Personalabbau dazu. So sollen rund 700 000 Euro eingespart werden. Doch alles könnte vergeblich sein, wenn die Prozesse mit Ex-Geschäftsführer Jochen Dahm und Ex-Prokurist Ralf Schmitt, wie derzeit nicht auszuschließen, mit einem goldenen Handschlag enden.