1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Völklingen

Stadtwerke-Aufsichtsräte entlassen Prokuristen

Stadtwerke-Aufsichtsräte entlassen Prokuristen

Die Kette der Hiobsbotschaften aus Völklingens Stadtwerken reißt nicht ab. Am Dienstagabend beschlossen die Aufsichtsräte, einen Prokuristen fristlos zu entlassen. Grund: seine Unterschrift unter einem Vertrag, von dem der Aufsichtsrat nichts wusste.

Auf der Tagesordnung stand Alltägliches, ein "Sachstandsbericht". Doch die gemeinsame Aufsichtsratssitzung von Stadtwerke-Holding, Gewerbeansiedlungsgesellschaft Völklingen (GAV) und Meeresfischzucht Völklingen (MFV) am Dienstagabend endete mit einem Paukenschlag - nämlich mit der fristlosen Kündigung eines in allen drei Gesellschaften tätigen Prokuristen : Diese Information aus Aufsichtsratskreisen hat Klaus Lorig (CDU ), Aufsichtsratsvorsitzender und Völklinger Oberbürgermeister, gestern Abend bestätigt.

Lorig bestätigte auch SZ-Informationen über den Kündigungsgrund: Es habe Unstimmigkeiten gegeben bei einem Kredit über 1,5 Millionen Euro, den die Ocean Swiss AG im Sommer der MFV gewährte. Teile dieser Vereinbarung seien ohne Zustimmung, sogar ohne Wissen des Aufsichtsrats vom ehemaligen MFV-Geschäftsführer Jochen Dahm (CDU ) und dem Prokuristen geschlossen worden. Nach SZ-Informationen ging es dabei um eine Bürgschaft, mit der die Stadtwerke-Holding den Kredit absicherte. Die Ocean Swiss war im vorigen Herbst als künftiger MFV-Anteilseigner präsentiert worden, hat aber seither keine Anteile erworben und sich zu ihren künftigen Absichten nicht geäußert. Der unkorrekt geschlossene Vertrag sei erst vor wenigen Tagen aufgetaucht, hieß es aus Aufsichtsratskreisen weiter. Und er habe die Gremien auch veranlasst, den bisher zwei Kündigungen des früheren Geschäftsführers Jochen Dahm eine dritte folgen zu lassen. "Das ergibt sich", sagte Lorig dazu nur knapp.

Er bestätigte weiter, dass bei den in Völklinger Fischzuchtbecken schwimmenden Stören die Eigentumsverhältnisse nicht klar seien; es gebe Unklarheiten in den Verträgen. Die Störzucht, so Lorig, werde wohl "eher nicht" fortgesetzt. Einen "strategischen Beschluss" dazu - der auch die Frage "Was dann?" beantworte - gebe es aber noch nicht. Dass die Stadtwerke und ihre Töchter von früheren Führungspersonen Schadensersatz fordern, liege "in logischer Konsequenz", sagte Lorig weiter. Teilweise habe man dies in Erwägung gezogen, "teilweise schon gemacht".

Den Namen des Prokuristen nannte Lorig ausdrücklich nicht. Nach SZ-Informationen handelt es sich um Ralf Schmitt, zugleich Geschäftsführer der Völklinger Verkehrsbetriebe (VVB). Da von deren Muttergesellschaft, der Stadtwerke-Holding, entlassen, kann er bei der Tochter schwerlich weiterarbeiten. Dass auch hier Bürgermeister Wolfgang Bintz (CDU ) Nachfolger werde, dementierte Lorig: Der VVB-Aufsichtsrat habe noch nicht getagt.

Schmitt hatte für seine Arbeit bei den VVB viel Anerkennung erhalten. Jüngst auch vom Stadtrat: Alle Fraktionen lobten die Offenheit, mit der Schmitt über die Lage der Verkehrsbetriebe informiert hatte.