Stadtwald-Arbeit nach Haushaltsplan

Stadtwald-Arbeit nach Haushaltsplan

Wald hat auch eine ökonomische Seite. Völklingens Forstleute arbeiten jetzt nach einem Forstwirtschaftsplan, der wichtige Projekte und Zahlen festschreibt. Der Stadtrat hat dem Plan einhellig zugestimmt.

In seiner jüngsten Sitzung hat Völklingens Stadtrat einstimmig etwas beschlossen, was es so sehr lange nicht gegeben hat. Nämlich einen Forstwirtschaftsplan für das aktuelle Haushaltsjahr. Hinter dessen Zahlen verbirgt sich Lebendiges: Man kann daraus Rückschlüsse ziehen auf den Zustand des Stadtwaldes.

Ein Viertel der Waldfläche sei "dringend pflegebedürftig", heißt es in den Erläuterungen. Was der Stadtförsterin Verena Lamy und ihrem Team eine Menge Arbeit macht, ist vor allem der Holzeinschlag. Er muss sein - wo Bäume zu dicht wachsen, machen sie einander gegenseitig Konkurrenz um Licht, Luft, Wasser, Nährstoffe, sie bleiben dünn und spillerig. Also muss das Team regelmäßig ausrücken zur Durchforstung. Allzu schwache Stangen gehören entfernt, damit sie die stärkeren bei ihrer Entwicklung nicht hindern.

5100 Festmeter Holz, das ist die Vorgabe aus dem 2014 erarbeiteten Forstbetriebswerk, sind 2016 zu schlagen. Viel Geld lässt sich dabei freilich nicht verdienen, auf 180 000 Euro sind die Einnahmen aus dem Holzverkauf kalkuliert. Denn in den besonders pflegebedürftigen Wald-Abteilungen, die Lamy jetzt im Visier hat, geht es kaum um hochpreisiges Stammholz, sondern um Material, das man nur für den Ofen oder für die Spanplatten-Herstellung verwenden kann. Besonders edle Holz-Qualitäten, "Stammholz plus", stehen aktuell gar nicht auf der Liste - man sei, erklärt die Rats-Vorlage, noch im Stadium der "Vornutzung", dicke Bäume müssen erstmal heranwachsen. Weitere Einnahmen kommen aus dem Verkauf von Weihnachtsbäumen, Schmuckreisig und Wild (43 000 Euro ), aus Jagdpacht (13 000 Euro ) und aus Arbeiten, die die Forstleute für Stadt-Betriebe erledigen (10 000 Euro ) - alles zusammen 246 000 Euro .

Auf der anderen Seite kostet der Stadtwald allerhand. Bei der Holzernte und bei der Verkehrssicherung an Straßen stützt sich das Team auf externe Firmen (100 000 Euro ). Die Waldwege brauchen Sanierung, teilweise gründliche Erneuerung, damit Spaziergänger sie nutzen und auch (Holz-)Lkws dort fahren können (40 000 Euro ). Weihnachtsbäume muss man stetig nachpflanzen, Wildpark-Tiere füttern, Bänke, Geländer, Hütten in Schuss halten. Und illegal abgelagerten Müll beseitigen: Volle 256 Arbeitsstunden (12 000 Euro ) waren dafür im vorigen Jahr nötig. Kosten unterm Strich: 177 000 Euro .

Stellt man Einnahmen und Kosten gegenüber, sieht es aus, als mache Völklingen mit seinem Stadtwald Profit. Das stimmt aber nicht, denn die Gehälter des Forst-Teams sind in diese Kalkulation nicht einbezogen - rechnet man die Personalkosten hinzu, ist der Stadtwald ein Minusgeschäft.

Das dicke Plus, das er einbringt, lässt sich nicht in dürre Zahlen fassen: Er ist grüne Lunge für die Stadt. Und Erholungsort für die Völklinger.

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Frischlinge im Wildpark Ludweiler, der auch zum Stadtwald gehört. Foto: Bohlander. Foto: Bohlander

Hintergrund Rund 57 Prozent der Völklinger Fläche sind Wald. Der größte Teil davon ist Staatsforst. Der eigentliche Stadtwald, zu dem auch zwei Wildparks gehören, ist 850 Hektar groß. Betreut wird er von Verena Lamy, seit Herbst 2014 Leiterin des städtischen Fachdienstes Forstwirtschaft, die mit ihrem Team im Forsthaus am Simschel arbeitet. Etwa die Hälfte des Stadtwaldes dient der Naherholung. Für die wirtschaftliche Nutzung ist das so genannte Forstbetriebswerk die Richtschnur, 2014 erarbeitet, für zehn Jahre gültig. Die Experten-Analyse, auf der es basiert, ergab, dass in der zurückliegenden Dekade viel zu wenig Holz eingeschlagen wurde - im Stadtwald stehen mehr Bäume , als auf der Fläche gedeihen können. So wurden für die kommenden Jahre kräftige Einschlags-Quoten festgeschrieben, der Waldpflege zuliebe. dd

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