Stadtrat Völklingen macht Weg frei zur Ansiedlung von Amazon in Wehrden

Kostenpflichtiger Inhalt: Internetriese kommt nach Völklingen : Zähneknirschen beim Ja zu Amazon

Nicht ohne den Internet-Versandriesen Amazon wegen seiner Firmen- und Personalpolitik zu kritisieren, hat der Völklinger Stadtrat mit 36 Ja-, sechs Neinstimmen und einer Enthaltung dem Bebauungsplanverfahren „Ehemaliges Kraftwerkgelände im Stadtteil Wehrden“ zugestimmt.

(al) Es sieht vor, dass die Goodman-Germany-Gesellschaft als Investor auf dem Gelände ein Verteilzentrum für den Internethändler errichten kann. Nun soll unverzüglich die Baugenehmigung zugestellt werden. Und da Goodmann bereits Maschinen und Baugeräte in Stellung gebracht hat (wir berichteten), werden die Arbeiten alsbald beginnen.

Auch wenn Amazon spätestens zum Weihnachtsgeschäft des kommenden Jahres rund 100 neue Arbeitsplätze in Völklingen schaffen will, kritisiert  der Grüne Manfred Jost, die Firma: „Das ist kein Unternehmen mit dem man Zukunft gestalten kann.“ Ein solches „Filetstück“ unter den Gewerbegebieten könne man sicher auch besser nutzen.

Allerdings, so warf Bürgermeister Christof Sellen ein, sei die Stadt nicht die Grundstückseigentümerin. Was bedeute, dass sie bei der Vermarktung auch nicht Herrin des Verfahrens ist.

Paul Ganster (Die Linke) schloss sich den kritischen Tönen seines Ratskollegen Manfred Jost an: Zwar bewege sich Amazon mit seinen Zahlungen an die Arbeitnehmer knapp oberhalb der Mindestlohngrenze. Dennoch rechnet Ganster damit, „dass viele der Arbeitnehmer aufstocken müssen“. Mit Geld, das der Regionalverband Saarbrücken aufbringen müsse. Und damit im Endeffekt über die Regionalverbandsumlage dann doch die Stadt Völklingen selbst. Deswegen  sei ein Teil des zu erwartenden Gewerbesteuerertrags gleich schon wieder weg, sagte Ganster.

Wie hoch der Gewerbesteuerertrag sein wird, konnte Bürgermeister Sellen als Sitzungsleiter nicht sagen. Allerdings betonte er auf Nachfrage in einer Pause ausdrücklich, dass die Sorgen der Wehrdener ernst genommen würden. Die befürchten vor allem, dass zusätzliche 20 Lastwagen- und 200 Transporterfahrten die ohnehin schon angespannte Verkehrslage im Völklinger Stadtteil weiter verschärfen. Einem Gutachten ist aber zu entnehmen, dass das jetzige Straßennetz die wegen Amazon anfallenden Fahrten verkraften kann.

Sellen zufolge wird die Stadt den Bürgern in Versammlungen  zugesagte Änderungen in die Tat umsetzen. So soll  eine veränderte Straßenführung dafür sorgen, dass das Gewerbegebiet ausschließlich über den nächstgelegenen Autobahnzubringer erreichbar ist.

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