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Stadtarchiv wahrt Luitwin Bies' Vermächtnis

 Ohne die geliebte Baskenmütze ging er nie vors Haus: Der Völklinger Historiker und Publizist Luitwin Bies, hier unterwegs in der Poststraße. Bies starb 2009. Archivfoto: Andreas Engel
Ohne die geliebte Baskenmütze ging er nie vors Haus: Der Völklinger Historiker und Publizist Luitwin Bies, hier unterwegs in der Poststraße. Bies starb 2009. Archivfoto: Andreas Engel
Völklingen. Luitwin Bies hat sein Leben der Arbeiterbewegung und der politischen Linken gewidmet. Und dabei wertvolle Zeitdokumente gesammelt, die seine Witwe nun an das Völklinger Stadtarchiv weitergegeben hat. Walter Faas

"Er war ein Vorbild für uns", schrieb Dieter Gräbner in seiner Nachrufserie "Momente" in der Saarbrücker Zeitung. "Stimmt" bestätigt Karl-Heinz Schäffner, Chef der Völklinger Volkshochschule. Dort hat der promovierte Historiker Luitwin Bies jahrelang den Arbeitskreis Stadtgeschichte geleitet. Schäffner berichtet: "Sieben umfangreiche historische Bücher sind dabei herausgekommen, von der Kaiserzeit bis zur Gebiets- und Verwaltungsreform 1974." Sie sind längst Teil des Völklinger Stadtarchivs. Nun kam kistenweise neues Geschichtsmaterial hinzu.


Waltraud Bies, Witwe des 2009 verstorbenen Historikers aus dem Stadtteil Geislautern, hat sich dazu entschlossen, dessen umfangreiche Dokumentensammlung aufzulösen und dem städtischen Archiv zur weiteren Aufbewahrung zur Verfügung zu stellen. Sohn Patric Bies half beim Schleppen.

Christian Reuther, Leiter des Völklinger Stadtarchivs, ist begeistert: "Unschätzbares Material, dass wir sichten, katalogisieren, archivieren werden", sagt er. Als Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei galt das Interesse von Bies zeitlebens der Arbeiterbewegung . "Klassenkampf an der Saar von 1919 bis 1935" lautet der Titel seiner Doktorarbeit.



Röchling im Blickpunkt

Originale Flugblätter, einst verteilt vor den Torhäusern der Völklinger Hütte, mit Parolen beispielsweise wie "Hände weg von Vietnam!", finden sich in den Kisten, vergilbte Betriebsordnungen und Geschäftsberichte der damaligen Röchling'schen Eisen und Stahlwerke, politische Kampfschriften, aber auch historische Blätter wie das "Schlossjournal mit Geislauterner Geschichten".

Große Aufmerksamkeit widmete Bies der Geschichte der Industriellenfamilie Röchling, insbesondere der Person von Hermann Röchling, die er in all ihren Facetten bis hin zum Kriegsverbrechertribunal beleuchtete. Alles in allem ein breit gefächertes Zeitmaterial - Völklingens Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU ) meint dazu: "Ich bin froh, dass wir diese Dokumente erhalten haben. Sie sind von unschätzbarem Wert für unsere Stadt und auch für das Land."

Luitwin Bies wurde 1930 in Merzig geboren. Er absolvierte zunächst eine Lehre als Elektriker, holte das Abitur nach und promovierte im Fach Philologie im Rahmen eines Fernstudiums an der Humboldt-Universität Berlin. Schon früh wurde er Mitglied der Freien Deutschen Jugend und der 1957 verbotenen Kommunistischen Partei.

Bies engagierte sich später in der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) und der Deutschen Demokratischen Union (DDU), unter anderem jahrelang als Mitglied des Völklinger Stadtrates. Er starb am 4. Mai 2009.

Zum Thema:

Auf einen Blick Jeder, der ein berechtiges Interesse an zeitgeschichtlichen Dokumenten hat, kann die Unterlagen des Stadtarchivs im Alten Bahnhof Völklingen einsehen. Eine Terminabsprache ist unabdingbar, sagt der Leiter des Archivs. Kontakt: E-Mail christian.reuther@voelklingen.de, Tel. (0 68 98) 13-24 32. et

 Bei der Übergabe im Stadtarchiv (von links): Waltraut Bies, Patric Bies, Karl-Heinz Schäffner, Klaus Lorig, Archivleiter Christian Reuther und Mitarbeiter Michael Röhrig. Foto: Becker & Bredel
Bei der Übergabe im Stadtarchiv (von links): Waltraut Bies, Patric Bies, Karl-Heinz Schäffner, Klaus Lorig, Archivleiter Christian Reuther und Mitarbeiter Michael Röhrig. Foto: Becker & Bredel FOTO: Becker & Bredel