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Stadt Völklingen setzt in ihrem Bürgerbüro einen Sicherheitsdienst ein

Kostenpflichtiger Inhalt: Öffentliche Sicherheit : Völklinger Rathaus setzt einen Wachmann im Bürgerbüro ein

Völklinger Stadtverwaltung reagierte mit Sicherheitsdienst auf Trend zur Gewalt.

Angriffe auf Polizisten, Sanitäter und Feuerwehrleute sind oft in den Schlagzeilen. Aber auch anderen öffentlich Bediensteten wird zunehmend mulmig. Bei sogenannten Bedrohungslagen in der Arbeitsagentur rückte schon die Polizei an. Und in kommunalen Bürger­­ämtern machen die Sachbearbeiter ein Konfliktbewältigungstraining. Die Völklinger Stadtverwaltung verzeichnete im Rathaus ebenfalls einen Trend zur Gewalt und hat reagiert.

Seit einem halben Jahr ist ein Sicherheitsmann der Firma Sachs und Klein im Rathaus beschäftigt und zeigt Präsenz während der Öffnungszeiten des Bürgerbüros: Hagan Imranov lauert nicht auf Streit am Schalter. „Er ist im Foyer zu sehen, spricht Kunden an, die etwas suchen und sucht den Dialog. Dabei ist er allein wegen seiner Sprachkenntnisse ein Glücksfall“, sagt Verwaltungsrat Timm Mathis.

Imranov spreche neben Deutsch auch Russisch, Türkisch, Bulgarisch, Moldawisch und verstehe die Menschen aus Aserbaidschan, wo er vor seiner Auswanderung Polizist war. In Moskau arbeitete er im Personenschutz, in Deutschland erst auf dem Bau. Er erkennt früh, wenn sich Ärger anbahnt, versteht, wenn in fremden Sprachen geflucht und geschimpft wird.

„Seit Herr Imranov bei uns ist, hat sich die Situation deutlich entspannt“, sagt Kevin Hewer, der Leiter des Bürgerbüros. Er ist froh, dass Imranov einen Vertrag für die nächsten zwei Jahre hat und über sein Haustelefon und eine interne Notrufnummer immer erreichbar ist. So könne er aus nicht einsehbaren Büros anderer Abteilungen im Notfall gerufen werden und sehe an der Nummer, woher der Anruf kommt.

Eingreifen musste er erst zweimal, einen Randalierer begleitete er vor die Tür. Vorher wäre in solchen Fällen die Polizei gerufen worden, die seitdem im Rathaus nicht mehr gebraucht wurde. Handgreiflichkeiten gab es zwischen Imranov und aufgebrachten Bürgern noch nie, das gelte es unbedingt zu vermeiden. „Imranov ist sehr geschickt und regelt Streitigkeiten bislang gewaltfrei“, sagt Mathis.

Meist genüge es, wenn er sich sichtbar in der Nähe aufhalte, sobald Stimmen lauter werden. Gründe für Streitigkeiten seien immer nicht erfüllte Erwartungen der Bürger. Aber manche Anliegen seien eben abzulehnen. So könnten Autos nicht zugelassen werden, wenn jemand Steuerschulden hat, sagt Hewer. Das komme bei Antragstellern nicht immer gut an. „Sprachbarrieren verhindern oft eine fundierte Erklärung.“ Die Zahl der Gewalt-Fälle sei dank des Sicherheitsdienstes merklich zurückgegangen. Jetzt denke die Stadt über weitere Serviceverbesserungen nach. Geplant sind ein eigener Schalter für Autohändler und eine Terminvergabe wie in Saarbrücken. Die offene Atmosphäre im Bürgeramt solle unbedingt bleiben. „Wir wollen die Menschen nicht durch eine Scheibe bedienen“, sagt Mathis. Nur geschlossene Theken sollen verhindern, das jemand „einfach so“ hinter den Sachbearbeiter treten kann.