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29 Bilder des Völklinger Hüttenmalers
Stadt präsentiert Gnahs auf engem Raum

Beengte Verhältnisse: 29 Bilder von Eberhard Gnahs sind derzeit im so genannten Galerieraum, dem Flur vor den Volkshochschulbüros im Alten Rathaus, zu sehen. Großformate wie aus dem „Erzengel“-Zyklus haben hier keine Chance.
Beengte Verhältnisse: 29 Bilder von Eberhard Gnahs sind derzeit im so genannten Galerieraum, dem Flur vor den Volkshochschulbüros im Alten Rathaus, zu sehen. Großformate wie aus dem „Erzengel“-Zyklus haben hier keine Chance. FOTO: BeckerBredel
VÖLKLINGEN. Die Stadt holt wieder Werke ihres Hüttenmalers vom Speicher im Alten Rathaus. 29 Bilder von Eberhard Gnahs sind derzeit im so genannten Galerieraum zu sehen. Kultur-Fachdienstleiter Karl-Heinz Schäffner verspricht aber nun eine Dauerausstellung. Von Thomas Annen

29 Werke des Hüttenmalers Eberhard Gnahs (1937-2005) sind bis 4. September im Galerieraum des Alten Rathauses Völklingen zu sehen. „In Memoriam“ heißt die Ausstellung, die am Freitagabend von Oberbürgermeisterin Christiane Blatt (SPD) eröffnet wurde. Die Exponate stammen aus der städtischen Sammlung. Zu sehen sind auch bisher weniger bekannte Werke des Künstlers.


Mit 16 Jahren wurde Gnahs Hochöfner bei den Röchling’schen Eisen- und Stahlwerken. Elf Jahre später musste er den harten Hütten-Job aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Mitte der 1980er Jahre entdeckte er das Zeichnen und Malen für sich. Mit der Schließung der Völklinger Hochöfen fand der Autodidakt sein Thema: die Hütte.

„Hochofengruppe“, „Nachtschicht“, „Eiserne Erinnerung“ lauten die Titel der ausgestellten Bilder. Die Palette der verwendeten Techniken ist breit gefächert, sie reicht von der Tuschearbeit über das Aquarell bis zur Druckgrafik. Mächtige Maschinen und Industriefenster sind zu sehen. Eine Skyline-Kulisse zeigt ein düsteres Endzeitszenario.



Karl Esselborn steht vor einem Winderhitzer-Bild. „Ich finde es sensationell, wie er das Hüttenthema verarbeitet hat“, schwärmt der Besucher. Esselborn hat selbst auf der Hütte gearbeitet und den Künstler persönlich gekannt. Er weiß, dass Gnahs Rost und Ruß vom Hüttengelände in seinen Bildern verarbeitete.

„Er hat alles gegriffen, was ihm in die Finger kam“, erläutert Kunsthistoriker Hendrik Kersten in seiner Laudatio. In seinem Atelier im Dachgeschoss der Schule in Fürstenhausen bemalte er auch ausrangierte Schulkarten. Eines dieser Werke wird auf einer Staffelei präsentiert. So kann man es von vorne und hinten betrachten. „Mischtechnik auf Landkarte“ steht unter dem Bild aus dem Jahr 1993. Die Rückseite der Leinwand zeigt eine Karte mit Europas Grenzen im 16. Jahrhundert.

Mit Blick auf Gnahs Werk spricht Hendrik Kersten von einer Art Zeitkapsel. Die morbiden, skurrilen Räume, die der Künstler in Szene gesetzt hat, gibt es so nicht mehr. Heute präsentiert sich die Hütte als aufgeräumtes Weltkulturerbe.

Auch die Geschwister von Gnahs besuchen die Vernissage. Werner Weber berichtet, dass sein Bruder 1986 während einer Kur zu malen begann. Weber ist auch noch im Besitz einiger Frühwerke: Micky-Maus-Motive, die Gnahs in den 60er Jahren für seine jüngeren Geschwister malte. Vielleicht bringt er die Bleistiftzeichnungen bei der nächsten Ausstellung mit. Die Stadt Völklingen will das Werk seines Bruders in Ehren halten. Man plane eine Dauerausstellung im Neuen Rathaus, sagt Kultur-Fachdienstleiter Karl-Heinz Schäffner. Die Bilder lagern derzeit im Wesentlichen auf dem Speicher im Alten Rathaus.

Die Mütze war sein Markenzeichen: Hüttenmaler Eberhard Gnahs.
Die Mütze war sein Markenzeichen: Hüttenmaler Eberhard Gnahs. FOTO: Eberhard Gnahs