Stadt-Konzern züchtet auch Fische

Völklingen. Das spektakulärste neue Projekt unter dem Dach der Völklinger Stadtwerke ist die Meeresfischzuchtanlage bei Fürstenhausen. 10,1 Prozent hält hier eine Privatfirma, 89,9 Prozent die Gewerbeansiedlungsgesellschaft Völklingen, die zu 100 Prozent der Stadtwerke Holding gehört, die sich zu 100 Prozent im Eigentum der Stadt befindet (siehe Grafik)

Völklingen. Das spektakulärste neue Projekt unter dem Dach der Völklinger Stadtwerke ist die Meeresfischzuchtanlage bei Fürstenhausen. 10,1 Prozent hält hier eine Privatfirma, 89,9 Prozent die Gewerbeansiedlungsgesellschaft Völklingen, die zu 100 Prozent der Stadtwerke Holding gehört, die sich zu 100 Prozent im Eigentum der Stadt befindet (siehe Grafik). Die Stadtwerke Völklingen haben sich seit 2002 vom klassischen Verkehrs- und Versorgungsunternehmen zu einem Unternehmen entwickelt, das unter anderem auch Feuerbestattung betreibt, ein Nobelhotel besitzt, an der Sanierung einer historischen Häuserzeile in der Stadt mitarbeitet und sogar eine eigene Telefon-Marke anbietet. Dabei sind vielfältige Verästelungen entstanden. So reden im Bereich Vertrieb und Netz auch die Konzerne Enovos und VSE als Minderheitsgesellschafter mit. Neben den traditionellen Völklinger Verkehrsbetrieben (VVB) ist die Völklinger Verkehrsgesellschaft entstanden, in der private Busunternehmen mit 51 Prozent den Mehrheitsanteil halten. Zudem folgt der ganze Betrieb im "Stadt-Konzern" (Lorig) nun dem GmbH-Gesetz und damit zahlreichen Geheimhaltungsvorschriften. Kein Wunder, dass sich da auch die 51 Völklinger Stadtverordneten darüber beklagen, zunehmend den Durchblick zu verlieren.Jede einzelne GmbH hat ihren Aufsichtsrat, und in ihm sind jeweils auch Stadtverordnete vertreten. Doch (zumindest theoretisch) vollen Durchblick hat nur Oberbürgermeister Klaus Lorig, weil er in jedem Aufsichtsrat, angefangen bei der Holding, auch der Vorsitzende ist - vorausgesetzt, dass Informationen aus dem laufenden Betrieb auch rechtzeitig in die Aufsichtsräte gelangen. Lorig will jetzt die Berichtspflicht für die Geschäftsführer straffen und die Zahl der Aufsichtsratssitzungen, bisher genügten zwei pro Jahr, zumindest verdoppeln. Die Aufsichtsratsmitglieder erhielten dann ein Sitzungsgeld von jeweils 100 Euro. Zum Vergleich: im Stadtrat sind es jeweils 25 Euro pro Termin.Multi-Aufsichtsratsvorsitzender Lorig hat derweil noch ein anderes Problem. Er findet niemand, der seine Vertretung ("zum Beispiel im Krankheitsfall") übernehmen will. SPD-Stadtratsfraktionschef Erik Kuhn hat bereits abgewinkt.