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Völklinger Bürger wünschen sich Aufklärung
Spannend, was Hans-Werner Sander sagt

Derzeit geschlossen: die frühere Hauptstelle der Stadtsparkasse in der Bismarckstraße, Ecke Kolpingplatz.
Derzeit geschlossen: die frühere Hauptstelle der Stadtsparkasse in der Bismarckstraße, Ecke Kolpingplatz. FOTO: Bernhard Geber
Völklingen. Ein Jahr nach der Sparkassen-Fusion: Wohin geht die Reise? Von Bernhard Geber

Die CDU-Stadtratsfraktion erwartet am Freitag, 12. Januar, einen interessanten Gast. Bei ihrem Neujahrsempfang (ab 18 Uhr, Kulturhalle Wehrden) wird Hans-Werner Sander als Redner erwartet. Sander ist Chef der Sparkasse Saarbrücken, in der die frühere Stadtsparkasse Völklingen vor einem Jahr aufgegangen ist. Durch die Fusion sollte sich, wie damals verkündet wurde, für die Bürger nichts ändern.



Erik Roskothen, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion, legt aber Wert auf die Feststellung, dass dies keine Aussage gewesen sei, die von Völklinger Kommunalpolitikern stamme. Das sei ihnen damals so versichert worden. Die Versprechungen seien aus der Vorstandsetage der Sparkasse gekommen, bevor der Stadtrat der Fusion zugestimmt habe. Roskothen: „Als Völklinger Kommunalpolitiker hatte man leider nach der Fusion keinen Einfluss mehr.“

So sieht nun die Realität aus: Die frühere Filiale der Stadtsparkasse auf der Röchlinghöhe wurde bereits Ende Juni geschlossen, und weitere Einsparungen stehen im Raum. Das kann auch die Zuschüsse betreffen, die Völklinger Vereine früher aus dem Überschuss der Stadtsparkasse erhielten (siehe „Hintergrund“).

Und noch eine augenfällige Veränderung: Die frühere Zentralstelle der Stadtsparkasse an der Bismarckstraße ist zumindest derzeit geschlossen, und auch die alten Embleme an der Stelle sind verschwunden. „Wir bauen für Sie um!“, verkündet ein Aushang an der dicht mit Papier zugeklebten Glasfront. „Nach Abschluss der umfangreichen Umbauarbeiten“, heißt es weiter, „wird dieser Standort neu eröffnet.“ Kunden werden auf das nicht einmal 100 Meter entfernte Finanzcenter Völklingen-City der Sparkasse Saarbrücken, ebenfalls an der Bismarckstraße, verwiesen. Dort sind dann auch frühere Mitarbeiter der Stadtsparkasse zu finden, die an Stehpulten inmitten des Pubikumsverkehrs in der Halle ihre Kunden bedienen. Die Zuhörer in der Kulturhalle werden mit Spannung verfolgen, was Sander dazu sagt, wo künftig die Reise in Völklingen und seinen Stadtteilen hingeht.

Schon im vergangenen Mai hatte Sander ein Sparpaket für den gesamten Bereich der Sparkasse Saarbrücken vorgestellt. Darin enthalten war auch die Schließung von Filialen in Völklingen und die Reduzierung von Öffnungszeiten in einigen Stadtteilen. Begründet wurde dies mit einer Situation, die alle Banken und Sparkassen trifft: die aktuelle Niedrigzinspolitik, verbunden mit geringer Kundenfrequenz in einigen Zweigstellen.

Die CDU-Stadtratsfraktion ermahnte daraufhin den Sparkassen-Chef durch ihren Pressesprecher Kevin Frank, die Kundennähe zu bewahren. Nicht jeder könne oder wolle seine Bankgeschäfte online erledigen, und gerade älteren Menschen sei der persönliche Kontakt zu ihrem Ansprechpartner bei der Sparkasse wichtig. Zudem sei nicht jeder hinreichend mobil, um weitere Wege zur nächsten Filiale zurückzulegen. Zumindest Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker sollten an bisherigen Standorten erhalten bleiben, so die CDU-Stadtratsfraktion.

Im Raum Völklingen und Warndt standen folgende Sparmaßnahmen auf dem Plan: Die Filialen in Luisenthal und auf der Röchlinghöhe werden geschlossen. Die Filiale in Dorf im Warndt wird in ein Selbstbedienungs-Center umgewandelt. Kürzere Öffnungszeiten (montags, dienstags 9 bis 12.30 Uhr, donnerstags 14 bis 17 Uhr, freitags 14 bis 16 Uhr) haben dann die Filialen in Fürstenhausen und Lauterbach.

Die Lauterbacher hatten bereits gegen die Schließung der Volksbank-Filiale vor Ort protestiert und standen dann der Sparkassen-Fusion besonders skeptisch gegenüber. Erik Roskothen, der auch stelllvertretender Ortsvorsteher in Lauterbach ist, übte bereits damals harsche Kritik: Die Sparkasse Saarbrücken werde ihre Schalterzeiten in Lauterbach von bisher 31 Stunden pro Woche auf zwölf reduzieren. Zusagen von früher, die ländlichen Filialen zu erhalten, stellten sich als unwahr heraus.

Rund 90 Mitarbeiter kümmerten sich in der Zeit vor der Fusion in sechs Zweigstellen und der Zentrale in der Bismarckstraße um etwa 40 000 Stadtsparkassen-Kunden.

Die frühere Mini-Filiale auf der Röchlinghöhe ist bereits seit Ende Juni dicht.
Die frühere Mini-Filiale auf der Röchlinghöhe ist bereits seit Ende Juni dicht. FOTO: Bernhard Geber