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Amphibienrettung
So viel Frosch- und Kröten-Laich wie noch nie

Freiwillige Helfer des NABU Saarland sammeln am Völklinger Wildpark Amphibien ein – von links: Erik Wallich, Raphael Henschke, Khaled Chikh Khattab, Gabi Feld und Michèle Fugmann. Müssten die Tiere ohne Hilfe die stark befahrene Landstraße überqueren, wäre das für viele von ihnen tödlich. Aber ihr Ziel ändern können sie nicht: Es steckt ihnen in den Genen, dass sie zum Laichen stets dorthin zurückkehren, wo sie selbst geschlüpft sind.
Freiwillige Helfer des NABU Saarland sammeln am Völklinger Wildpark Amphibien ein – von links: Erik Wallich, Raphael Henschke, Khaled Chikh Khattab, Gabi Feld und Michèle Fugmann. Müssten die Tiere ohne Hilfe die stark befahrene Landstraße überqueren, wäre das für viele von ihnen tödlich. Aber ihr Ziel ändern können sie nicht: Es steckt ihnen in den Genen, dass sie zum Laichen stets dorthin zurückkehren, wo sie selbst geschlüpft sind. FOTO: BeckerBredel
Völklingen/Püttlingen. Am Völklinger Wildpark treffen sich jeden Tag Naturfreunde. Sie bugsieren Frösche, Kröten und Molche über die Straße, damit die bei ihrer Wanderung nicht überfahren werden – Artenschutz praktisch. Von Thomas Annen

Wenn die Nächte im Frühjahr milder werden, erwachen Frösche und Kröten aus ihrer Winterstarre. Die weiblichen Tiere machen sich dann auf den Weg zu dem Gewässer, in dem sie selbst geschlüpft sind. Hier legen sie ihre Eier ab. Anschließend geht es wieder zurück. An der Landstraße zwischen Völklingen und Püttlingen müssen viele Amphibien die Fahrbahn überqueren, um zu ihrem Laichgrund zu gelangen. Entsprechende Verkehrsschilder warnen die Autofahrer. Um die Tiere zu schützen, wurden vom Landesbetrieb für Straßenbau wieder Krötenschutzzäune aufgestellt. Zusätzlich hat man in regelmäßigen Abständen Eimer in den Boden gegraben.


Die Frösche, Molche und Kröten bewegen sich so lange am Zaun entlang, bis sie in einen Eimer fallen. Von dort tragen die Tierfreunde des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) die Amphibien auf die andere Straßenseite. Unter der Regie der NABU-Ortsgruppe Köllertal sind zurzeit rund 20 Helfer als Kröten-Taxi unterwegs, auch am Simschel-Weiher und in der Von-der-Heydt-Straße auf der Püttlinger Ritterstraße. Über 2200 Amphibien wurden in den letzten Wochen eingesammelt, etwa Mitte April endet deren Wanderung. „Jeden Morgen wird kontrolliert“, versichert Hans-Joachim Schmidt, der Vorsitzende des NABU Köllertal, bei unserem Besuch am Dienstagvormittag.

So viel Froschlaich wie dieses Jahr haben die Naturfreunde noch nie festgestellt. Das bestätigt ein Blick in die Tümpel am Wegesrand: Die Gallerteier-Teppiche sind unübersehbar.

Vor dem Start verteilt Schmidt noch einige leuchtende Warnwesten. Neben NABU-Mitgliedern gehört auch eine Tagesmutter mit ihren Schützlingen zu der rund zehnköpfigen Truppe, die sich am Wildpark-Parkplatz trifft. „Sie sind glitschig und rutschig“, berichtet Erik (9) von seinen Erfahrungen mit den Amphibien. „Und sie springen weg“, ergänzt Raphael (7). Auch Linda (7) macht das Krötensammeln Spaß. Marius (2), der Jüngste in der Runde, hat sein Lieblingsstofftier mitgebracht.

Khaled Chikh Khattab, ein Flüchtling aus Syrien, ist ebenfalls mit von der Partie. Er lebt seit zweieinhalb Jahren in Deutschland, macht ein Praktikum beim NABU Köllertal. „Die Arbeit gefällt mir“, sagt der gelernte Agraringenieur, der zurzeit Technisches Projektmanagement studiert.



Michèle Fugmann ist in Umweltbiowissenschaften eingeschrieben. Sie entdeckt einen Bergmolch. „Er gefällt mir am besten“, erzählt die Studentin mit Blick auf den orangefarbenen Bauch des Tieres. Auch die anderen werden fündig. Erik befreit einen Molch aus der Eimer-Schutzhaft. „Ganz vorsichtig unterm Bauch greifen“, rät Gabi Feld, während Raphael eine Kröte behutsam hochhebt. Damit die kleinen Molche nicht unter der Last der großen Kröten stöhnen müssen, landen sie in einem anderen Eimer.

Die Helfer sind nicht alleine unterwegs, auch ein Reiher hält vom Baumwipfel Ausschau nach Kröten. Und am Waldrand relaxt eine Wildschwein-Bache mit ihren Frischlingen.

Nach rund 20 Minuten treffen sich die Naturfreunde wieder am Parkplatz. Ums Aussetzen der gesammelten Tiere kümmern sich die Kinder. „O Erik, das wird so spannend!“, ruft Raphael auf dem Weg zu einem Tümpel am Wildpark. Vorsichtig setzt Linda dort die erste Kröte ins Wasser. Wenig später schwimmen etwa zehn Amphibien munter drauf los. Auch die Kinder sind zufrieden, mit ordentlich vermatschten Schuhen machen sie sich auf den Rückweg.

Dicke Kröte (oben), zierlicher Molch (unten): Hinter den grünen Plastikzäunen am Straßenrand sind Eimer eingegraben, in die die wandernden Amphibien plumpsen.
Dicke Kröte (oben), zierlicher Molch (unten): Hinter den grünen Plastikzäunen am Straßenrand sind Eimer eingegraben, in die die wandernden Amphibien plumpsen. FOTO: BeckerBredel
Ab ins Wasser, ganz behutsam: Linda Wallich entlässt an einem Tümpel im Völklinger Wildpark eine der am Straßenrand eingesammelten Kröten in die Freiheit.
Ab ins Wasser, ganz behutsam: Linda Wallich entlässt an einem Tümpel im Völklinger Wildpark eine der am Straßenrand eingesammelten Kröten in die Freiheit. FOTO: BeckerBredel