| 20:48 Uhr

Völklinger Schwimmbad-Technik
So bleibt das Freibad-Wasser sauber

Thomas Schneider, Völklinger Bad-Betriebsleiter, vor den Wasserbehältern hinter den Becken.
Thomas Schneider, Völklinger Bad-Betriebsleiter, vor den Wasserbehältern hinter den Becken. FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Wie funktioniert eigentlich die Hygiene im Schwimmbad? Wir haben in Völklingen hinter die Kulissen geschaut, nachdem das Bad lästige Keime wieder los war. Von Andreas Lang

Riesengroß war kürzlich der Schreck bei den Mitarbeitern  des Völklinger Erlebnis-Freibads im Köllertal, als das Ergebnis einer regelmäßigen Untersuchung eintraf. Dessen Befund ließ keine andere Möglichkeit, als das Bad mit dem Hinweis auf „Verunreinigung des Wassers“ sofort zu schließen. Der Keim Pseudomonas aeruginosa war nachgewiesen worden – schleimbildende Bakterien, die zwar überall in der Natur vorkommen, wo es feucht ist. Aber diese Bakterien gelten auch als Indikatoren für andere Erreger. Und deshalb dürfen sie nach dem für den Schwimmbadbetrieb maßgeblichen Infektionsschutzgesetz und nach der Industrienorm DIN 19643 nicht im Wasserkreislauf eines Schwimmbades vorkommen. Das erläutert Betriebsleiter Thomas Schneider beim Ortstermin im Bad.


Um zu wissen, was da los war, muss man zunächst den Wasserkreislauf im Völklinger Freibad kennen. Der besteht aus viel mehr Elementen als nur den für alle Schwimmbadbesucher erkennbaren Schwimmbecken. Die sind in Völklingen mit weißen Gitterrosten umrandet, die bereits erste Reinigungsfunktionen übernehmen: Sie halten grobe Partikel zurück, zum Beispiel Laub, das während des Tages ins Wasser geraten ist.

Was oben überläuft, fließt über diese Roste in die Schwallwasserkanäle und Rohre, die schließlich in den Schwallwasserbehältern für das jeweilige Becken im Untergeschoss des Betriebsgebäudes münden. Ein Vorsieb filtert dort kleinere Partikel – etwa Haare und Fasern – aus dem Wasser, damit die im folgenden Kreislauf installierten Pumpen nicht beschädigen oder verstopfen.



Im weiteren Kreislauf, erklärt Schneider weiter,  komme dann noch ein Filter mit absorbierender Aktivkohle zum Einsatz, der Chemie, Desinfektionsnebenstoffe und Stickstoffverbindungen beseitige. Nachdem das Wasser außerdem  noch einen offenen Vakuum-Anschwemmfilter passiert hat, wird es wieder für den Badewasser-Einsatz vorbereitet. Und das geht so: Ein Teilstrom wird in der Nebenleitung (Bypass) erwärmt. Es erfolgt eine Korrektur des pH-Wertes – der ist ein Maß für den Säuregrad. Schneider: „Aus dem Wasserwerk kommt es mit einem PH-Wert von acht, der Leitungshaltbarkeit wegen. Wir benötigen aber einen Wert von 6,8 wegen der besseren Chloraufspaltung und des besseren Wirkungsgrades.“

Danach folgt die Chlorung, die ebenfalls genau durch behördliche Vorgaben geregelt ist. Vereinfacht gesagt, wird so dosiert, dass selbst das widerstandsfähigste Bakterium nach spätestens 30 Sekunden abgetötet ist. Aber keine Angst vor der verbleibenden Zeit. Die Chlorzugabe geschieht im Betriebsgebäude, von dort aus sind es noch einige Meter bis zu den Becken. Und wenn das Wasser die Einströmkanäle passiert, ist es hygienisch unbedenklich.

Da übrigens ständig Wasser über den Kreislauf nachfließt, fließt oben auch ständig Wasser aus den Becken ab. Auch wenn der Wasserspiegel nicht durch mehr Schwimmer in den Becken ansteigt oder die Schwimmer durch ihre Aktivitäten Wellen produzieren.

Bestimmte Wasserwerte werden ständig gemessen und die Werte regelmäßig von den Bediensteten gecheckt. Andere Werte müssen im Labor kontrolliert werden, da man dafür zunächst Bakterienkulturen anlegen muss. „Das Ergebnis geht dann in der Regel mir als Betriebsleiter und dem Gesundheitsamt zeitgleich zu“, sagt Schneider. So auch im jüngsten Fall, nach dem man erstmal schließen musste. Woher die Belastung kommen kann? „Möglicherweise durch die Starkregenereignisse in jüngster Zeit.“ Dadurch sei der Grundwasserspiegel im Bad zum Teil so hoch gestiegen, dass Fahrzeugeinsatz auf den Liegewiesen unmöglich war.

Auf jeden Fall hat sich Schneider zu einem radikalen Schritt entschlossen: „Das ganze Team ist montagsmorgens zur Komplettreinigung angetreten.“ Schwallwasserbehälter komplett geleert, zeitgleich sämtliche Filter gründlich gereinigt. Neu angeschwemmt. Dazu noch eine „Stoßchlorung“. Die soll sämtliche Bakterien abtöten und ist deshalb auch für Badegäste unverträglich. Der bis in die Abendstunden dauernde Arbeitseinsatz habe dann zum gewünschten Ergebnis geführt, so dass das Bad am Donnerstagmittag, wie berichtet, wieder seine Betriebsfreigabe durch das Gesundheitsamt bekam – und seit Freitag wieder offen ist.

Die Filteranlage des Völklinger Freibades ist ein kompliziertes System aus Leitungen, Rohren, Tanks. Das Wasser wird dort in mehreren Stufen gereinigt, ehe es in die Schwimmbecken fließen darf.
Die Filteranlage des Völklinger Freibades ist ein kompliziertes System aus Leitungen, Rohren, Tanks. Das Wasser wird dort in mehreren Stufen gereinigt, ehe es in die Schwimmbecken fließen darf. FOTO: BeckerBredel