| 19:13 Uhr

Sie könnten ruhig mehr trommeln

Der Orgel von St. Eligius fiel beim Konzert am Sonntagnachmittag eine der Hauptrollen zu – hier ein Blick von unten auf den prächtigen Orgelprospekt. Archivfoto: Becker & Bredel
Der Orgel von St. Eligius fiel beim Konzert am Sonntagnachmittag eine der Hauptrollen zu – hier ein Blick von unten auf den prächtigen Orgelprospekt. Archivfoto: Becker & Bredel
Völklingen. Kirchenmusiker gehören eher zu den Stillen im Lande. Aber sie dürften um ihr Können getrost mehr Wind machen. Ein Konzert am Sonntagnachmittag in der Völklinger Kirche St. Eligius war jedenfalls richtig spannend. Doris Döpke

Überraschung: Mitten im Gesang - der Chor trägt gerade ein uraltes Stück vor, es stammt aus dem späten Mittelalter - wird plötzlich getrommelt. Und die Rhythmen, die das Tamburin vorgibt, sind prägnant genug, um Tanzlust zu wecken. Später kommen Schellen hinzu, als habe sich klammheimlich ein Spielmann in die Völklinger Kirche St. Eligius geschlichen. Eine fröhliche Art, musikalisch den lieben Gott zu loben - das macht ganz weltlich Spaß.


Hat es wirklich so geklungen in den Kirchen des 13. Jahrhunderts, für die ein anonymer Notenschreiber den Codex Montpellier aufgezeichnet hat? Haben Organisten 100 Jahre später ihre Klänge wirklich so sprechend, in so energischem Rhythmus gegliedert, wie es Lutz Gillmann am Sonntag tut? Genau weiß das niemand, Tonaufzeichnungen sind ja, historisch gesehen, noch jung. Klar ist aber, dass "alte" Noten höchstens die Hälfte dessen überliefern, was die Zeitgenossen der Schreiber zu hören bekamen; das Übrige haben die Musiker nach den Regeln der Zeit improvisiert. Gillmann, Organist an der Völklinger Versöhnungskirche, Thierry Ferré, sein Kollege von der evangelischen Kirche in Forbach, und Eligius-Organist Andreas Mehs folgen ihnen nach, kenntnisreich, sensibel, mit viel Klangfantasie. So nehmen sie die rund 100 Zuhörer, die am Sonntag in der Eligiuskirche sitzen, mit auf eine 75-Minuten-Reise durch 14 Jahrhunderte Musikgeschichte, die lebendig und kurzweilig ist, fern von trockener Belehrung.

Lehrreich ist es aber auch, das Konzert, mit dem 2016 das grenzüberschreitende Orgelfestival Völklingen-Forbach begann und das jetzt traditionsgemäß in Völklingen wiederholt wurde. Hört man doch Stücke, denen man im Konzertbetrieb sonst kaum begegnet - und Stile aus alter Zeit, die für uns Heutige fremd wirken, dabei verblüffend modern. Wie zum Ausgleich kommen die jüngsten Stücke des Programm nur gemäßigt modern daher. Aber dabei kann sich der Eligius-Projektchor, der aus Laiensängern besteht, gut entfalten; kultiviert klingt's unter Ferrés Leitung. Valerie Condolucis schlanke, klare Sopranstimme setzt das Tüpfelchen aufs I.



Sie machen richtig gute Sachen, die Kirchenmusiker in unserer Region. Sie sollten für ihre Projekte ruhig mehr trommeln.