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Serie „Menschen im Regionalverband“
An Tafel-Tagen ist sie „munter wie nix“

 Helga Puhl in ihrem Element: Das Foto vom April 2018 zeigt die Ehrenamtliche im Dienst bei der Völklinger Tafel im Haus der Diakonie.
Helga Puhl in ihrem Element: Das Foto vom April 2018 zeigt die Ehrenamtliche im Dienst bei der Völklinger Tafel im Haus der Diakonie. FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Bei der Völklinger Tafel verteilt Helga Puhl (78) Lebensmittel. Im Repair Café gibt sie ihr näherisches Fachwissen weiter. Von Ulrike Paulmann

„Ich bin die Salatkönigin“: Helga Puhl, bislang eher zurückhaltend, lächelt nun schelmisch. Eine Kollegin habe ihr sogar eine Krone gebastelt, erzählt sie. Weil sie bei der Völklinger Tafel so kompetent das Grünzeug verteilt. Aber nicht nur dafür ist die agile Frau an ihren „Tafel-Tagen“ zuständig. Im Haus der Diakonie in der Gatterstraße hilft sie unter anderem, die Lebensmittel einzuräumen, zu präsentieren, alles ordentlich und sauber zu machen, Schlechtes auszusortieren – und die Ware auszugeben. Meist den Salat – „Eisberg ist sehr beliebt“ –, oft auch Obst. Sie kennt sich aus: „Ich habe schon alles gemacht.“ An diesen Tagen verlässt sie früh morgens ihre gemütliche, akkurate Wohnung auf dem Völklinger Heidstock und setzt sich erst am späten Nachmittag wieder in ihr Auto, um nach Hause zu fahren.


Helga Puhl ist 78. Vieles hat sie schon gemacht. Als Näherin gearbeitet; sie war für die Firma Tupperware im Einsatz und erlernte mit über 50 noch einen Beruf, in dem sie lange tätig war: Altenpflegerin. Drei Kinder hat die gebürtige St. Ingberterin, die mit neun Jahren nach Völklingen kam. Die zog sie weitgehend alleine groß.

Nun also: Ruhen, Rasten, Rente? Nicht bei dieser Frau, die sich als resolut und genau bezeichnet. Klar, sie hat ihre Hobbys. Stricken zum Beispiel. Aber das ist nicht genug. Seit 2015 ist sie an den Öffnungstagen der Völklinger Tafel, dienstags und freitags, im Einsatz, dazu kommt einmal im Monat ihr ebenfalls ehrenamtliches Engagement im selben Haus beim Repair Café. Dort vermittelt die gelernte Wäschenäherin ihr Fachwissen, hilft bei  Nähmaschinenreparaturen, backt. Warum? „Es macht großen Spaß“, kommt es, wie aus der Pistole geschossen. Eine Aufgabe zu haben, Kontakte zu knüpfen, sich zu unterhalten, das gute Miteinander mit den Kollegen, all das bereite ihr Freude: „Und als Rentner hat man ja Zeit.“ Die Tätigkeit halte sie fidel. Sie, die durch die frühere Arbeit einen Lendenwirbelschaden hat, ist an einem Tafel-Tag „munter wie nix“.



Puhl betont, wie wichtig sie das Repair Café und die Tafel findet. Das Repair Café beweise, dass man längst nicht alles wegwerfen muss. Und mit Blick auf die Situation mancher Tafel-Kunden sagt sie: „Hier können die Leute alle drei Wochen für zwei Euro mit mehreren gefüllten Taschen nach Hause gehen. Was würden die nur machen, wenn es das nicht gäbe?“ Wie lange will sie ihr Ehrenamt machen? Wieder eine spontane Antwort: „So lange ich kann.“ Auch, wenn nicht jeder in ihrem Umfeld ihren Einsatz goutiert. Für sie ist er erfüllend – und außerdem: „Ich bin ich.“ Gerade war sie einige Zeit krank. Und wurde offenbar sehr vermisst. „Viele  haben gesagt, wie froh sie sind, dass ich wieder da bin.“ Wieder lächelt sie.