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Bürgermeisterwahl
Sechs Bewerber – Gruppenbild mit Dame

Erik Roskothen, Bürgermeisterkandidat der SPD.
Erik Roskothen, Bürgermeisterkandidat der SPD. FOTO: Hüsslein/SPD
Völklingen. Diesen Donnerstag, 1. März, entscheidet der Völklinger Stadtrat, wer das Bürgermeister-Amt der Stadt innehaben soll. Sechs Völklinger haben sich beworben, eine Frau, fünf Männer. Von Doris Döpke

Überraschung: Aus dem Kandidatenquartett fürs Völklinger Bürgermeisteramt, das zu Beginn des Monats bekannt war (wir haben berichtet), ist inzwischen ein Sextett geworden. Neben den Kandidaten, die die Völklinger Parteien auf den Schild gehoben haben – Erik Ros­kothen (SPD) und Christof Sellen (CDU) – hatte es bereits zwei parteilose Bewerber gegeben: Stephan Tautz, der schon bei der Oberbürgermeisterwahl einen verblüffenden Achtungserfolg eingefahren hatte, und Stephan Wagner, der auf die Stimmen der Linken-Ratsfraktion zählt. Doch nun sind zwei weitere Unabhängige hinzugekommen. Nämlich Bärbel Reez – die einzige Frau in der Bewerberliste – und Stefan Peter.


Bärbel Reez hat sich in der Redaktion gemeldet. Sie lebt in Fenne, ist dort im Badminton- und im Sportverein engagiert. 1964 in Leipzig geboren, ging sie nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze mit ihrer Familie in den Westen. Und seit gut 20 Jahren lebt sie in Völklingen. Als Quereinsteigerin hat sie bei der Arbeitsagentur angefangen und sich mit einem berufsbegleitenden Studium zur Verwaltungsfachwirtin qualifiziert. Von daher fühlt sie sich auch dem Bürgermeister-Amt gewachsen. „Es ist ein Job“, sagt sie, „und zwar ein Verwaltungsjob“, der nicht „politisch angehaucht“ sein sollte. Den politischen Part sieht sie ausschließlich beim Oberbürgermeister und beim Stadtrat – die Bürgermeister-Arbeit hingegen sollte ihrer Ansicht nach neutral sein. Dass schon die Wahl durch den Stadtrat, die das Gesetz vorgibt, dem zweiten Führungsamt einer Stadt politischen Charakter verleiht, ist ihr andererseits klar; „aber das muss man ja nicht richtig finden“. Im Übrigen, meint sie, täte Völklingen eine komplett weibliche Rathaus­spitze – also neben der künftigen Oberbürgermeisterin Christiane Blatt (SPD) auch eine Bürgermeisterin – nur gut: „Wir entscheiden schon anders.“ Chancen rechnet sie sich angesichts der Rats-Zusammensetzung zwar nicht aus. Doch sie habe mit ihrer Kandidatur ein Zeichen setzen wollen: nicht nur meckern, sondern machen.

Stefan Peter (parteilos) ist 1967 geboren und hat nach einer Tischlerlehre und langen Bundeswehr-Jahren, in denen er sich zum Industriemeister Lagerwirtschaft weiterbildete, in der Völklinger Stadtverwaltung gearbeitet. Seit 2005 ist er als Arbeitsvermittler beim Jobcenter des Regionalverbandes tätig, hat inzwischen auch ein berufsbegleitendes Studium mit dem Abschluss Verwaltungsfachwirt absolviert. Zur Kandidatur motiviert hat ihn nach eigener Auskunft der Wunsch, „Verantwortung in meiner Heimatgemeinde zu übernehmen und die Zukunft des Gemeindegebietes aktiv mitzugestalten“. Er wolle „dafür Sorge tragen, dass sich unsere Stadt wieder zu einem Leuchtturm im Saarland entwickelt“. Und er traut sich das Amt zu: „Aufgrund meiner sozialen Kompetenz, meines Engagements, meiner Hilfsbereitschaft, meiner Verlässlichkeit, meiner Ausdauer und meiner Zielstrebigkeit“ sei er der Richtige dafür, hat er in seiner Bewerbung geschrieben.



Bei der Wahl wird es spannend. Geheime Abstimmung schreibt das Gesetz vor. Erhält kein Bewerber eine absolute Mehrheit – davon ist bei sechs Kandidaten auszugehen –, geht es mit den beiden Bewerbern, die in Runde eins die meisten Stimmen erhielten, in die zweite Wahlrunde. Gibt es in der ersten Runde Stimmengleichheit bei den Kandidaten auf Platz zwei und drei, entscheidet das Los, wer in die Stichwahl kommt; so die Auskunft aus dem Rathaus zum Wahlverfahren.

Die SPD-Fraktion stellt 17 der 45 Ratsmitglieder, die CDU 16; so ist es wohl am wahrscheinlichsten, dass die Entscheidung letztlich zwischen Erik Roskothen (SPD) und Christof Sellen (CDU) fällt. Aber in geheimer Wahl ist nichts unmöglich: Im Dezember 2002 wählte der Völklinger Stadtrat mit einer Stimme Mehrheit Jochen Dahm (CDU) zum Bürgermeister – obwohl die SPD-Fraktion damals über eine Ein-Stimmen-Majorität verfügte.

Gewählt wird in der Stadtratssitzung am Donnerstag, 1. März, 17 Uhr, im großen Saal des Neuen Rathauses Völklingen. Die Sitzung ist öffentlich.

Christof Sellen ist der Kandidat der Völklinger CDU.
Christof Sellen ist der Kandidat der Völklinger CDU. FOTO: BeckerBredel
Der Völklinger Geschäftsmann Stephan Tautz.
Der Völklinger Geschäftsmann Stephan Tautz. FOTO: BeckerBredel
Stephan Wagner
Stephan Wagner FOTO: Stephan Wagner / Wagner
Tritt als unabhängige Bewerberin an: Bärbel Reez.
Tritt als unabhängige Bewerberin an: Bärbel Reez. FOTO: Doris Döpke
Kandidiert nicht mehr: Amtsinhaber Wolfgang Bintz (CDU).
Kandidiert nicht mehr: Amtsinhaber Wolfgang Bintz (CDU). FOTO: Doris Döpke
Auch der parteilose Kandidat Stefan Peter tritt an. 
Auch der parteilose Kandidat Stefan Peter tritt an.  FOTO: BeckerBredel