| 18:52 Uhr

Schwitzen kommt hier nicht vor

Völklingen. Bibbern ist nicht. Eher, dass man müde wird nach einer Schicht in der Mega-Eistruhe des C & C-Großmarktes Fürstenhausen, dem kältesten Arbeitsplatz Völklingens. Für Temperaturunterschiede bis zu 50 Grad Celsius braucht es einen stabilen Kreislauf, Thermobekleidung – und zwei Brillen. Walter Faas

Der Sommer ist zurückgekehrt, wenigstens ein bisschen. Und ganz Völklingen schwitzt. Thomas Bellem nicht. Seit einem Verteljahrhundert betreut der 53-jährige Einzelhandelskaufmann Bellem das Kühlhaus im Edeka-Verteilerzentrum C & C Großmarkt Fürstenhausen. Ungefähr 30 Meter breit, fünf Meter hoch und 15 Meter tief: Das sind die Maße seines XXL-Eisschranks. Auf 22 Grad minus herunter gekühlt, übereinandergestapelt, frösteln hier bei sibirischen Temperaturen Pommespakete im Dutzend, Eiscreme-Großpackungen, Fischstäbchen in großen Mengen, Hähnchen-Cordon-Bleu, Spinat, Pizzen, Apfelstrudel und so fort dem Tag ihrer Auslieferung entgegen.


Das kann täglich sein. "Wie am Fließband bestücken wir die großen Thermobehälter mit Waren", sagt Bellem. Dafür erhalten er und sein Kollege, der Azubi Lukas Kurzaj, ständig neue Listen. Ein Seniorenheim in Saarbrücken bestellt Lachsfilet, Rosenkohl, Eisnachtisch für 120 Menschen, alles gefroren. Ein Krankenhaus in der Pfalz ordert Hähnchenbrust und Kartoffelrösti. Kleinere Einkaufsmärkte im Saarland und der Pfalz bestellen sozusagen "quer durch den Garten". Tankstellen verkaufen im Sommer offensichtlich nicht nur Sprit, sondern auch große Mengen Eis am Stiel - C & C fühlt sich dafür zuständig.

"Unser größter Kunde ist das Ferienzentrum am Bostalsee", berichtet Bellem. "Jetzt in den Ferien kommen wir kaum nach mit dem Verpacken von Lebensmitteln für die Feriengäste."

Also rein in die Kälte, Pommespaletten & Co. in die fahrbaren Boxen gestapelt, rausgeschoben durch die Halle und schnell ab mit den Waren in die wartenden Lastwagen mit Frostfach: "Die Kühlkette darf niemals abreißen", sagt Bellem.

In diesen heißen Tagen, wo andere Tops, Shorts und allenfalls Sonnenhüte tragen, kleidet sich der Tiefkühl-Experte in Thermobekleidung, trägt Wollmütze mit Fleece, ordentliche Handschuhe, stabile Schuhe. Und hat immer zwei Lesebrillen zur Verfügung, eine für die Kälte, eine fürs "normale" Lager: "Sonst läuft das gute Teil an, und die Brille ist für beinahe zehn Minuten nicht brauchbar", sagt Bellem. Stimmt, stellt unser Autor fest, der naturgemäß nur ein einziges Nasenfahrrad dabei hat. Natürlich beschlagen! Selbst der Stift will nicht so recht bei diesen Minusgraden.



Im Mega-Eisschrank brummen die Aggregate. Es wabert ein dünner Eisschleier durch die Luft. Auf den Regalen herrscht peinliche Ordnung, so dass sich gewiefte Mitarbeiter im Handumdrehen zurechtfinden. "Schließlich müssen wir, so ganz nebenbei, noch auf Dinge wie das Mindesthaltbarkeitsdatum, auf Reinigungspläne und Maschinen-Wartungsintervalle achten", erklärt Bellem.

An den richtigen Umgang mit den ständig wechselnden Temperaturen hat sich sein Körper längst gewöhnt. Auch der noch junge Azubi fühlt sich in der trockenen Kälte wohl. "Wir sind kaum krank, vielmehr ganz abgehärtet", widersprechen beide wie aus einem Mund einer landläufigen Meinung.

Aber: "Auf Dauer machen die extremen Bedingungen ganz schön müde im Kopf. Man braucht lange, bis man sich abends wieder regeneriert hat", bestätigt Bellem. Der sich nach Feierabend schon mal gerne auf eine Sonnenbank setzt oder, jetzt im Sommer, auf eine sonnenbeschienene Bank im heimischen Garten. "Dann suche ich die Hitze, um den Körper von innen her wieder schön aufzuwärmen."