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Beim Hüttenjazz gehören Überraschungen dazu : Schön unberechenbar

Beim Hüttenjazz gehören Überraschungen dazu : Schön unberechenbar

Das Pit-Dahm-Trio aus Luxemburg gab sich am Freitag beim Völklinger Hüttenjazz die Ehre.

Die Unberechenbarkeit des Jazz demonstrierte am Freitag das aus Luxemburg stammende Pit-Dahm-Trio. Neben Namensgeber und Schlagzeuger Pit Dahm gehören Charley Rose am Saxofon und Lennart Heyndels am Bass dazu. Die Band vereinigt nach eigenen Angaben einen speziellen Mix von komponierter und frei improvisierter Musik. Und damit sind die Voraussetzungen für Unberechenbarkeit gegeben. Während die meisten Musikrichtungen einem vorausschaubaren Schema folgen, ist das im Jazz verpönt.

Einem gemeinsamen Thema folgen sie meist zu Beginn. Doch auch nicht, wenn Zuhörer damit rechnen. Dann lässt der bärtige Drummer seinen Kopf kreisen, als bestehe sein Genick aus weichem Gummi, irgendwie untermalt er damit sein Schlagzeugspiel. Von den Musikerkollegen sind schon jetzt Improvisationen gefragt. Das Saxofon klingt mal nach Walgesang oder auch nach orientalischen Blasinstrumenten. Oder doch nach Sax, das einen Melodie-Fetzen dazu gibt. Bassist Lennart setzt, kurz bevor er seine musikalischen Blitzideen am Kontrabass umsetzt, ein Lächeln auf.

Längere Solo-Passagen sind im Jazz unverzichtbar – so auch beim Pit-Dahm Trio. Ja, und kaum rechnet man mit weiteren Improvisationen, geben sich die Drei dann doch wieder einem Thema hin. Unberechenbar eben. Als Zuhörer kann man nie sicher sein, wie es gleich weiter geht.

Neben Eigenkompositionen spielen sie auch mit dem Material anderer Komponisten. Pit beschreibt sein Trio so: „Als Fans unterschiedlicher Stile von klassischer Musik bis Heavy Metal gelingt es dem Trio immer wieder, unterschiedliche Emotionen, Gefühle, Gedanken und Spielwitz zu einem sinnfälligen musikalischen Gesamtbild zusammenzufügen.“ Heavy-Metal im Jazz? Selbstverständlich, denn wie bereits beschrieben, ist er unberechenbar. Pit Dahm und sein Trio machen’s vor. Nach äußerst melancholischem Beginn  wechseln sie in eine recht raue Gangart. Wohl des Kontrastes wegen. Und um die Nähe zum Rock zu wahren, folgen sie jetzt meist einem durchgängigen Thema – ähnlich eines Gitarrenriffs. Und zum Abschluss noch was Unberechenbares: eine Melodie aus dem Easy-Listening-Jazz. Leicht zu hörende Musik, die auch den Freunden anderer Musikrichtungen schnell ins Ohr geht.

Moderator Hendrik Kersten freut sich über den unberechenbaren Auftritt des Trios: „Ein schöner Beitrag zu unserer Reihe aus der in Sachen Jazz sehr aktiven  Luxemburger Szene.“ Ebenso freut er sich über den ungebrochen guten Zuspruch zum Jazzen auf dem Zimmerplatz der historischen Hütte: „Man sieht immer wieder bekannte Figuren.“ Hinzu kommt ein Anteil wechselnder Konzertgäste, die sich zu den jeweiligen Stilen und Formationen hingezogen fühlen.

 Das Industriedenkmal spielt mit: Saxofonist Charley Rose, Schlagzeuger Pit Dahm und Bassist Lennart Heyndels (von links) bei ihrem Völklinger Auftritt.
Das Industriedenkmal spielt mit: Saxofonist Charley Rose, Schlagzeuger Pit Dahm und Bassist Lennart Heyndels (von links) bei ihrem Völklinger Auftritt. Foto: BeckerBredel

Nächsten Freitag geht die Hüttenjazz-Reihe ab 18 Uhr mit Luis-Javier Londoño and „Colors of Colombia“  weiter, der Eintritt ist frei.