Schlüpfrig und schelmisch

Interpretationen bekannter und weniger bekannter deutscher Chansons waren in der Sparkasse in Lauterbach zu hören. „Rotes Licht und weiße Weste“ hieß das Programm, das Margret Gampper und Bernd Möhl darboten.

Schlüpfrig und schelmisch ging es am Freitagabend in der Filiale der Lauterbacher Sparkasse zu. Mit Interpretationen bekannter und weniger bekannter deutscher Chansons versetzten Margret Gampper und Bernd Möhl die knapp 50 Besucher in die Zeit der Berliner Hinterhöfe der 20er Jahre und brachten Beispiele für deutsche Zensur in den 50er Jahren. "Rotes Licht und weiße Weste" hieß das Programm, das die beiden Künstler darboten.

Obgleich Bernd Möhl am Keyboard zu Beginn mit einem Augenzwinkern sagte, man werde - wegen eventuell anwesender Polit-Prominenz - das rote Licht reduzieren und die weiße Weste besonders hervorheben, blieb dennoch genügend Zweideutigkeit erhalten. "Habt ihr wirklich alles verstanden?", fragte Margret Gampper zwischenzeitlich ironisch-frech, "das hätte ich von Lauterbach nicht gedacht." Doch das Publikum konterte nicht minder frech: "Wir wohnen halt an der französischen Grenze!"

Die Lieder unter anderem von Kurt Tucholsky erzählten von Geschlechterrollen, von Liebesfrust und Liebeslust. "Kennen Sie Zirze? Der erste Zauberer mit Schürze", hieß es da etwa. Passend zu den Stücken hielt Margret Gampper immer wieder Requisiten parat. Hier wurde beispielsweise ein Nudelholz zum Zauberstab. Überhaupt überzeugte die ausgebildete Schauspielerin in ihren Gesangsdarbietungen mit feiner Akzentuierung. Brillierte als trunkenes Weib in "Egon", verdrehte als Femme Fatale den anwesenden Männern den Kopf oder erzählte als vermeintliche Unschuld vom Lande von ihren Erlebnissen mit einer "Maus ohne Haare und Ohren".

Mit Chansons von Hugo Wiener, "einem echten Wiener", schlugen Margret Gampper und Bernd Möhl den Bogen in die 50er Jahre. "Eine verzwickte Verwandtschaft" erzählte in wahnwitzigem Tempo von einer ebensolchen, "Ich wünsch' mir zum Geburtstag einen Vorderzahn" stammte aus der Kategorie "Pack verschlägt sich, Pack verträgt sich", und bei "Aber der Novak lässt mich nicht verkommen" sangen die Lauterbacher laut im Chor mit. Nach etwa 75 Minuten endete das Programm mit Zugabe und lautem Applaus.

Dass die Spielfreude der beiden Akteure ansteckend ist, zeigte sich auch an den Besuchern. "Das ist bis jetzt die am Besten besuchte Kulturzeit", freute sich Filialleiter Adrian Thiel. Veranstalter der sechsten Auflage war Plopp, der Verein für Kultur und Information Lauterbach .