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Kolumne
Soll ihn doch der Portismann holen

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Traum oder Wirklichkeit? Das spielt keine Rolle. Denn der kleine Mann mit dem breiten Grinsen bringt Ärger – so oder so. Von Alexander Manderscheid

Solche Artikel wie dieser gehen manchmal los mit abgefahrenen Sachen und dann so: Aber dann bin ich aufgewacht, keine Bange, war ja nur ein Traum. Nicht bei mir. Offene Karten von Anfang an. Also, was jetzt kommt, das war ein Traum.


Also, ich habe davon geträumt, dass ich aufgewacht bin. Jemand hat die Wohnungstür aufgestoßen und hatte mich damit geweckt. Ich wusste sofort, dass da was Böses hereinkommt. Also rief ich „Hallo?“ Aber erst mal blieb es ruhig. Dann hörte ich meine Mutter von draußen rufen: „Pass auf, da kommt der Portismann!“

Plötzlich stapfte jemand durch den Flur und stieß die Schlafzimmertür auf. Herein kam ein kleiner, gedrungener Kerl mit dunklen Haaren, schmalen Augen und rundem Gesicht, schoss zu mir ans Bett und hockte sich auf die Kante. Er grinste breit, und ich fühlte: Der will mir was. Sofort wollte ich ihn mit den Armen wegdrücken und bin davon aufgewacht, wie ich in die Luft boxte – mit ganz schön viel Angst in der Brust.



Wie gesagt: Das war mein Traum. Meiner. Ich habe schon nachgeforscht, und den Portismann, den gibt es nicht. Der Portismann gehört also mir, er ist meine Erfindung. Und wenn ihn mir jemand klaut und mit ihm Geschichten macht, wird es ernst. Traum hin oder her. Der Portismann kommt ihn dann holen.

Alexander Manderscheid