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Unterwegs mit Menschen, die Weihnachten arbeiten (müssen)
„Schauen, wo die Not am größten ist“

Patrick Winter (rechts), Diakon in der Völklinger Pfarrei St. Eligius, mit Team-Mitgliedern der Emmausstube.
Patrick Winter (rechts), Diakon in der Völklinger Pfarrei St. Eligius, mit Team-Mitgliedern der Emmausstube. FOTO: Thomas Seeber
Völklingen. Heiligabend mit Menschen feiern, die einsam sind oder bedürftig: Fest verankert im Terminkalender von Diakon Patrick Winter ist diese Aktion im Pfarrsaal der Völklinger Kirche St. Michael. Von Walter Faas

Patrick Winter, 55 Jahre alt,  ist Diakon im Zivilberuf. Mit anderen Worten: Der Mann arbeitet in Früh-, Mittags- und Nachtschicht  bei Saarstahl Völklingen, Werk Burbach, in der Produktionsüberwachung. Und zusätzlich gehört er zum Seelsorgeteam der katholischen Pfarreiengemeinschaft St. Eligius Völklingen.



Wir erleben Patrick Winter, dieser Tage im Advent, beim „Innehalten“ in der Pfarrkirche. Das ist  ein Termin an jedem Donnerstag um Viertel vor Zwölf, mit zum Kirchenjahr passenden Texten, Orgelmusik, Stille. Danach wird „gess“, wie der Saarländer sagt, bei der so genannten Emmaus-Aktion in Funktionsräumen unter der Kirche. Winter begrüßt, hört sich die Sorgen von Frau M., den Kummer von Herrn H., den Ärger von Herrn. P. an,  spricht das Tischgebet, wünscht „Guten Appetit“. Seine ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer verteilen das Essen an diejenigen, „die mühselig und beladen sind“– zum mehr oder minder symbolischen Preis von einem Euro pro Person.

Diakon im Zivilberuf, das heißt darüber hinaus, dass Winter gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Michael Meyer – der schon länger in der Gemeinde mitarbeitet und erst jüngst zum Diakon geweiht wurde – den Pastor Thomas Weber sowie die Gemeindereferentinnen Jessica Schanno und Andrea Schwindling in der pastoralen Arbeit unterstützt. „Dabei geht es im wesentlichen um die Spende von Sakramenten, den Predigtdienst, um die Assistenz bei Eucharistiefeiern und um meinen Schwerpunkt, die Trauerbegleitung bei Todesfällen“, sagt Winter.

Beruf, Seelsorge und eigene Familie – wie gelingt  der Spagat? „Zunächst einmal dank meiner Frau Patricia, die mir in allen Lagen den Rücken freihält. Und die beispielsweise auch gut mit dem Rasenmäher umgehen kann, weil mir dafür einfach keine Zeit bleibt“, antwortet Winter. Er erwähnt außerdem den  Zusammenhalt im Pfarreienteam. Und er dankt „meinen lieben Kollegen in der Firma, die mir viel Verständnis entgegenbringen“. Im Gegenzug hat Patrick Winter auch schon Saarstahl-Kollegen getraut oder deren Kinder getauft.

Weihnachten – eigentlich wollten wir ja über Winters Terminkalender zum Fest sprechen. „Der Heiligabend gehört traditionell dem Treff im Pfarrsaal von St. Michael, zu dem all die Menschen eingeladen sind, die einsam oder allein sind“, sagt Winter. Dieser Termin entspreche am besten dem Auftrag eines Diakons, der lautet: „An die Außengrenzen gehen. Schauen, wo die Not am größten ist, welche Hilfe benötigt wird.“

Hier, bei der Heiligabend-Aktion, steht das Thema „Zuwendung“ im Mittelpunkt. Aber es geht auch um konkrete Hilfen für Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen und beispielsweise jeden Cent dreimal umdrehen müssen, bevor sie ihn ausgeben. Für sie sammelt Diakon Winter – nicht nur zu Weihnachten, sondern ganzjährig – Lebensmittel- und Kleiderspenden, gerne auch Geldspenden; es gibt an dem Abend für alle Gäste auch eine Weihnachts-Geschenktüte, ehrenamtliche Helfer haben dafür in der vergangenen Woche 250 Stofftaschen gepackt (wir haben berichtet).

 Am ersten Weihnachtsfeiertag, um 9.15 Uhr in St. Paulus auf dem Heidstock und um 10.30 Uhr in St. Eligius, wird Diakon Winter in den Festhochämtern zum „Hochfest der Geburt des Herrn“ predigen. „An Weihnachten zu predigen, ist relativ einfach“, sagt er. Er lese sich in die entsprechenden Bibelpassagen ein, mache sich Notizen. „Dann gehe ich ein paar Tage mit den Ideen schwanger, und dann steht die Predigt auch.“ Am zweiten Weihnachtsfeiertag ist gleichzeitig Stephanus-Tag. „Der Heilige Stephanus gilt ja als Schutzpatron von uns Diakonen und ist daher für mich persönlich ein ganz besonderer Tag.“ Winter assistiert dann  im Festgottesdienst um 10.30 Uhr in der Kirche St. Konrad auf der Röchlinghöhe dem Priester. Und der Nachmittag gehört schließlich der eigenen Frau, den zwei erwachsenen Kindern und drei Enkelkindern, beim Familientreff.

Und was ist dem Völklinger Diakon das  liebste Weihnachtslied?  „Freu dich, Erd und Sternenzelt, alleluja, Gottes Sohn kam in die Welt, alleluja“, lautet die Antwort.

In der Pfarrei St. Eligius ist Diakon Patrick Winter erreichbar unter Tel. (0 68 98) 9 14 68-05.