Saison-Finale im Weltkulturerbe

Völklingen. "Es werde Licht!", rufen Weltkulturerbe-Generaldirektor Meinrad Maria Grewenig und Hanspeter Georgi, der Aufsichtsratsvorsitzende der Trägergesellschaft, am Sonntagabend um 18.37 Uhr. Die Installation braucht einige Sekunden, um hochzufahren

Völklingen. "Es werde Licht!", rufen Weltkulturerbe-Generaldirektor Meinrad Maria Grewenig und Hanspeter Georgi, der Aufsichtsratsvorsitzende der Trägergesellschaft, am Sonntagabend um 18.37 Uhr. Die Installation braucht einige Sekunden, um hochzufahren. Doch dann erstrahlt der Hütte wieder im gewohnten Licht: Anlagenteile wie der Schrägaufzug, die Hochöfen und die Gichtrohre werden in der Dunkelheit farbig akzentuiert. In den letzten Monaten war die Beleuchtung wegen Renovierungsarbeiten abgeschaltet. Viele Kabel-Kilometer mussten überprüft und teilweise ausgetauscht werden, und auch die Mehrzahl der rund 100 Scheinwerfer wurde generalüberholt. Die Hamburger Stiftung "Lebendige Stadt" hat das Projekt unterstützt. Nachdem die Scheinwerfer brennen, werden auch die Fackeln angezündet. Etwa 200 Besucher machen sich zum Abschluss der Saisonfinales auf dem Weg ins "Paradies". Der Industrie-Kulturgarten in der ehemaligen Kokerei wurde im Juni eröffnet. Nach der Stilllegung der Eisenproduktion im Jahr 1986 haben sich dort Flora und Fauna ihr angestammtes Gebiet zurückerobert. Im Fackellicht ist das Biotop nur zu erahnen. Birken, Gräser und exotische Fliederarten fühlen sich ebenso wohl wie Füchse, Eidechsen und Salamander. Und in einem Absenkbottich schwimmt sogar ein schwarzer Fisch. In Erinnerung an die Hüttengärten der Arbeiter wurden auch sechs Beete mit Blumen, Kräutern, Salat und Gemüse angelegt. In Zukunft kann die Fackelwanderung, die am Sonntag Premiere feierte, von Gruppen gebucht werden. In den vergangenen Wochen haben sich schon viele Besucher in den Industrie-Kulturgarten zurückgezogen, um von dort den Blick auf die imposante Hochofengruppe zu genießen. Sehr groß sei das Interesse am Paradies, berichtet Grewenig. Und auch mit der Gesamtsaison ist der Generaldirektor sehr zufrieden: Bisher strömten über 100 000 zahlende Besucher ins Weltkulturerbe. Bei freiem Eintritt sorgen schon am frühen Sonntagnachmittag zahlreiche Gäste für Leben in der Hütte. Während viele Erwachsene selbst auf Erkundungstour gehen, schließt sich der Nachwuchs Felix Groß und Maria Seele an. "Wer ist der wildeste Kerl?", fragen die Weltkulturerbe-Mitarbeiter. In zwei Gruppen treten rund 30 Jungs und Mädchen gegeneinander an. Nach den ersten sportlichen Wettbewerben steht eine Abkühlung auf dem Programm. Mutig stemmt sich die Truppe einem Tornado entgegen. Früher haben die Gebläsemaschinen den kräftigen Wind in die Hochöfen gepumpt, um die Glut anzuheizen. Dann folgt ein weiterer Höhepunkt der Mitmach-Rallye. Die Kinder entdecken die Requisiten, die die wilden Kerle bei ihren Dreharbeiten zurückgelassen haben. "Tom Tom!", schallt es durch die Anlage. Na klar kennen die Jungs und Mädchen den Namen des Roboters. Wenig später steht fest: Alle Teilnehmer haben die Prüfung bestanden!

HintergrundSeit seinem Start vor zehn Jahren entwickelt das Europäische Zentrum für Kunst und Industriekultur das Weltkulturerbe Völklinger Hütte. 2,5 Millionen Menschen haben seither das Weltkulturerbe, seine Ausstellungen und Projekte besucht. In dieser Saison waren es bisher deutlich über 100 000. Dafür sagte das Weltkulturerbeteam allen Besuchern Danke und verlängerte die Saison bis zum 8. November. red