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Sebastian Walle
Er fischt 60-Kilo-Puppen aus dem Wasser

 Sebastian Walle sitzt auf einem Startblock im Hallenbad in Völklingen. Der 17-Jährige trainiert pro Woche fünfmal im Wasser. Mit Techniktraining und Krafttraining gehen bei ihm in der Woche schon einmal 15 Stunden für das Rettungsschwimmen drauf.
Sebastian Walle sitzt auf einem Startblock im Hallenbad in Völklingen. Der 17-Jährige trainiert pro Woche fünfmal im Wasser. Mit Techniktraining und Krafttraining gehen bei ihm in der Woche schon einmal 15 Stunden für das Rettungsschwimmen drauf. FOTO: Andreas Schlichter
Emmersweiler. Sebastian Walle aus Emmersweiler ist ein saarländisches Top-Talent. Der 17-Jährige von der Saarbrücker Marienschule ist Rettungsschwimmer bei der DLRG-Ortsgruppe Völklingen – und steht vor seinem Debüt in der Nationalmannschaft. Von Cordier

Beim Begriff Rettungsschwimmen denkt man wohl zuerst an die Damen und Herren der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG), die auch in den kommenden Sommer-Monaten wieder ihren immer wichtiger werdenden Dienst an Schwimmbecken und Badeseen ausüben. Denn die Zahl der Nichtschwimmer in Deutschland ist in den vergangenen Jahren stark anwachsend. Dass Rettungsschwimmen auch ein echter Leistungssport ist und dass es im Saarland einige vielversprechende Talente gibt, das weiß dagegen kaum jemand.


„Es ist deutlich abwechslungsreicher, aber darum auch anspruchsvoller als einfaches Bahnenziehen im Becken“, erklärt Sebastian Walle aus Emmersweiler. Der Schüler der Saarbrücker Marienschule gehört zum deutschen C-Kader. Der 17-Jährige wird voraussichtlich Ende März/Anfang April bei Wettbewerben in Dordrecht und Lüttich erstmals für die Nationalmannschaft starten. „Ich hatte schon letztes Jahr eine Einladung, doch dann habe ich mich verletzt. Mein Ziel dieses Jahr ist vor allem ein Start bei der Junioren-Europameisterschaft in Italien“, erzählt der Zwei-Meter-Hühne. Und Sebastian Walle erklärt: „Früher habe ich Fußball gespielt, aber dann bin ich schnell gewachsen, hatte Probleme mit dem Laufen und bin dann beim Rettungsschwimmen geblieben.“

Die Sportart besteht je nach Altersklasse aus bis zu sechs Disziplinen, wovon jeweils drei mit und ohne Flossen absolviert werden. Auf unterschiedlichen Strecken müssen Hindernisse untergetaucht, Gegenstände vom Beckenboden geborgen oder 60 Kilogramm schwere Puppen mit verschiedenen Techniken und Hilfmitteln „gerettet“ werden.



Die Köngisdisziplin im Rettungsschwimmen ist der „Super Lifesafer“. Hier schwimmt der Athlet 75 Meter Freistil, holt dann eine Puppe vom Beckenboden und schleppt sie zu einer Markierung. Dort legt er Flossen an, schwimmt weitere 50 Meter, wo die nächste Puppe mittels Gurtretter weiterbefördert werden muss. „Gerade das Techniktraining ist wichtig“, sagt Sebastian Walle, der derzeit fünfmal in der Woche im Wasser ist: „Dazu kommt ein zusätzliches Training zur Verbesserung der Schwimmtechnik sowie zweimal Krafttraining im Studio.“ Alleine für die Übungseinheiten gehen da schon mal 15 Stunden pro Woche drauf. Die Fahrten zu Wettkämpfen kommen noch dazu.

Die Schule leidet unter dem zeitintensiven Sport nicht – im Gegenteil. „Ich habe einen Durchschnitt von 1,6“, sagt der Elftklässer und beweisst damit, dass Leistungssport und Schulausbildung sich gegenseitig befruchten können. „Fünf Minuten vor dem Rennen und fünf Minuten danach brauche ich für mich“, berichtet Sebastian Walle, „konzentrieren, die Brille richten und anschließend die Gedanken in die Reihe bekommen“.

Geld verdienen kann man mit Rettungsschwimmen nicht. „Bei der DLRG ist alles ehrenamtlich“, sagt Sebastian Walle, der später „irgendwas mit Meteorologie“ studieren möchte. „In Erdkunde bin ich gut und Wetter finde ich interessant.“ Die Ausrüstung für das Rettungsschwimmen ist nicht billig. Alleine die Flossen kosten um die 400 Euro. Die Fahrkosten bleiben meistens an den Eltern hängen. „Wir wollten ja, dass das Kind richtig schwimmen lernt“, sagt Mama Anke Walle augenzwinkernd.

Olympisch ist das Rettungsschwimmen nicht, dafür aber bei den „Worldgames“, den Spielen für nichtolympische Sportarten, vertreten. „Die Weltmeisterschaft wurde zuletzt im Internet live gestreamt“, erzählt der 17-Jährige aus Emmersweiler, der für die DLRG-Ortsgruppe Völklingen startet. Und er sagt: „Einerseits ist es schade, dass es nicht die große Beachtung findet. Auf der anderen Seite bin ich ganz froh. Ich muss nicht im Mittelpunkt stehen.“ Doch mangelnde Beachtung schadet nicht nur dem Spitzensport. Auch viele DLRG-Ortsgruppen klagen über fehlende oder nicht ausreichende Übungsmöglichkeiten. Dabei ist die Bedeutung der ehrenamtlichen Helfer heute fast größer denn je.

 Zu den Aufgaben von Rettungsschwimmer Sebastian Walle gehört es, 60 Kilogramm schwere Puppen zu „retten“.
Zu den Aufgaben von Rettungsschwimmer Sebastian Walle gehört es, 60 Kilogramm schwere Puppen zu „retten“. FOTO: Andreas Schlichter