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Reise in die ruhmreiche Völklinger Vergangenheit

Architektonisches Glanzstück im früheren Casino-Gebäude ist die Treppe, die, kreisrund um einen Lichtschacht geschwungen, bis in die oberste Etage führt. Beim Handlauf kann man allerdings nur noch auf rostendes Eisen greifen, denn Diebe haben sich schon längst an der Auflage aus Messing bedient. Fotos (5): Jenal
Architektonisches Glanzstück im früheren Casino-Gebäude ist die Treppe, die, kreisrund um einen Lichtschacht geschwungen, bis in die oberste Etage führt. Beim Handlauf kann man allerdings nur noch auf rostendes Eisen greifen, denn Diebe haben sich schon längst an der Auflage aus Messing bedient. Fotos (5): Jenal
Völklingen. Generationen von Völklingern haben dort im Casino kleine und große Feste gefeiert. Nebenan in der Bank verwahrten sie ihr Geld, und Hunderte von Schließfächern im Keller wahrten ihre Geheimnisse. In verschwiegenen Nebenzimmern wurden, wie sich Zeitzeugen erinnern, millionenschwere Geschäfte getätigt. Während im Saal mit dem Kronleuchter manchmal regelrecht der Bär steppte. SZ-Reakteur Bernhard Geber

Der Kronleuchter ist - wie anscheinend vieles noch brauchbare Mobiliar - verschwunden. Zudem haben Metalldiebe beim Herausreißen von Leitungen Wasserschäden hinterlassen und sich auch am Messing-Handlauf des Treppenaufgangs bedient. Aufzüge sind, wie Schilder ausweisen, bereits seit langem außer Betrieb. Und wer in der früheren Nobelküche etwas anfasst, riskiert es, kleben zu bleiben, stellen Stadtratsmitglieder bei ihrem Rundgang durch die jüngste Neuerwerbung der Stadt Völklingen in der Rathausstraße fest.

Ein schier endlos wirkendes Labyrinth von Gängen und Räumen tut sich auf in dem sechsgeschossigen Doppelgebäude samt seinen rückwärtigen Anbauten. Ohne Führung durch Kenner wie LEG-Gutachter Marcel Meilchen wäre man da schnell verloren. Man sieht Ekel erregende Dinge wie tote Tauben, aber auch Relikte, die Anlass zum Schmunzeln geben - wie Cognac-Packungen und Champagnerflaschen, die seinerzeit offenbar reichlich geleert wurden. Ein Ratsmitglied entdeckt im Staub vor einer Bürotür das Namensschild eines alten Bekannten, das er ihm "natürlich" bringen werde.

"Aaah", sagen die Besucher zum Rundblick von der Dachgeschoss-Wohnung. Doch Rathaus-Mitarbeiter wird man da wohl nicht hereinsetzen. Denn dort hinauf führt nur ein verwinkelter Treppenaufgang. Und bei einer Neunutzung werden neuzeitliche Brandschutzvorschriften zu beachten sein.

Zum Thema:

Hintergrund Das sechsgeschossige Doppelgebäude mit dem früheren Casino (links) und der Ex-Röchling-Bank (rechts) direkt in der Völklinger Stadtmitte schließt sich in der Rathausstraße direkt rechts an Woolworth an. Die Stadt hat an die 400 000 Euro ausgegeben, um es nach langjährigem Leerstand anzukaufen. Es soll Sitz eines Teiles der Verwaltung samt Bürgerbüro werden, falls der Turmaufbau des Neuen Rathauses abgerissen wird. So lauen die Pläne von Rat und Verwaltung. Die Kosten für Sanierung und Umbau sind bisher noch nicht ermittelt. er

Schier endlose Flure durchziehen das Doppelgebäude, das auch schon wiederholt unerwünschten Besuch von Vandalen hatte.
Schier endlose Flure durchziehen das Doppelgebäude, das auch schon wiederholt unerwünschten Besuch von Vandalen hatte.
Generationen von Besuchern und Geschäftskunden haben ihre Visitenkarten in der Pförtnerloge hinterlassen.
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Hunderte leergeräumter Schließfächer befinden sich hinter den Tresortüren im Keller der Bank. An vielen hängen noch die Schlüssel.
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Der Leuchter am Boden eines Gesellschaftsraumes kündet noch von längst vergangener Pracht aus Röchling-Zeiten.
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