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Redakteur Marco Reuther fragt sich, wo all die geriebenen Mandeln sind

Kolumne : Wo sind die geriebenen Mandeln?

Im Supermarkt sind sie derzeit nicht zu finden. Unser Autor hat eine interessante Theorie, woran das liegen könnte.

Was für eine Auswahl in den Supermärkten! Allein bei den Mandeln: Da gibt es Mandeln natur, geschälte Mandeln, gestiftete Mandeln, gehobelte Mandeln, gehackte Mandeln und geriebene Mandeln … Moooment!  Genau die Letzteren fehlen. Aber genau die soll ich fürs Weihnachtsbackwerk besorgen. In drei Einkaufsmärkten dasselbe: natur, geschält, gehobelt, gestiftet, gehackt, aber nicht gerieben. Wer in drei Backteufels Namen hat all die Päckchen mit geriebenen Mandeln gekauft?

Früher, als ich so etwa ein achtjähriger Junge war, da war das ja kein Problem. Es gab einfach nur Mandeln, wie die Natur sie geschaffen hatte, also mit diesem feinen, braunen Häutchen drumherum. Das musste natürlich runter: Meine Mutter hat die Mandeln kurz in kochendes Wasser geworfen, und dann haben wir gemeinsam geschält: Immer eine Mandel zwischen Daumen und Zeigefinger genommen, gedrückt, und der Mandelkern ist aus der feuchten Schale geflutscht. Wenn man nicht vorsichtig war, dann schoss so ein glibschiger Mandelkern durch die ganze Küche. Und vielleicht – aber wirklich nur vielleicht  – habe ich die ein oder andere Mandel auch absichtlich durch die Küche fliegen lassen.

Waren endlich alle Mandeln geschält, dann hatte man, von der vielen warmen, feuchten Mandelhaut, so lustig schrumpelige Finger. Als wär‘ man zu lange in der Badewanne gelegen, halt nur mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Und dann wurden die Mandeln von Hand gemahlen.

Heute, mit den gekauften, ist das natürlich viel praktischer.  Vorausgesetzt, man bekommt sie. Ob wohl Bill Gates alle Vorräte an geriebenen Mandeln aufgekauft hat, um dann plötzlich alle auf einmal auf den Markt zu werfen, und so die Backwaren-Industrie samt sämtlicher Volkswirtschaften ins Chaos zu stürzen, damit er … irgendwie … halt … einen Vorteil hat? Nein, ich habe da eine ganz andere Vermutung: Irgendwo müssen in Privathaushalten ja noch Tonnen von Mehl herumliegen, das in der ersten Lockdown-Zeit gehortet wurde.  Und die einfallslosen Mehl-Horter, die das Zeug jetzt endlich verbacken wollen, kennen vermutlich nur ein einziges Plätzchen-Rezept, für das man unbedingt geriebene Mandeln braucht. Sollte also irgendwo in Ihrem Umfeld plötzlich eine riesige Menge an Mandelmakronen auftauchen, dann kommen wir dem Täter sicher auf die Spur!