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Rasches Aus
Großbordell in Völklingen macht nach kurzer Zeit dicht

 Nur wenige Wochen nach der Eröffnung wieder dicht
Nur wenige Wochen nach der Eröffnung wieder dicht FOTO: Angelika Fertsch
Völklingen. Nach nur einem halben Jahr meldet Betreiber Puff bei der Stadt ab. Von Matthias Zimmermann und Bernhard Geber
Matthias Zimmermann

Das Red-Motel, ein Großbordell in der früheren Glashütte im Völklinger Stadtteil Fenne, ist bereits wenige Monate nach Eröffnung wieder geschlossen. Stadt-Pressesprecher Uwe Grieger bestätigt SZ-Informationen, dass der Betreiber den Betrieb, den er als „gewerbliche Zimmervermietung“ bezeichnet hatte, im Rathaus schon zum Jahreswechsel abgemeldet habe.


41 Zimmer mit Kameraüberwachung

Das Etablissement mit 41 Zimmern war erst im Juli vergangenen Jahres an den Start gegangen. Der Geschäftsführer des Düsseldorfer Betreiberunternehmens Norik UG, Leonid Furman, hatte es 2018 sogar mit einem Fest für Jedermann vorgestellt. Dabei betonte er, nur beste Absichten zum Schutz der dort anschaffenden Frauen zu haben. So ließ er unter anderem 32 Überwachungskameras installieren, die den Damen Sicherheit vor Übergriffen bieten sollten. Alle Kabinen waren seinen Angaben zufolge an eine Alarmanlage angeschlossen.



Liebesdienste im Stunden- bis Monatstakt

Bei dem Red-Motel sollte es sich indes nicht um einen klassischen Puff handeln. Die Frauen, die dort ihre sexuellen Dienstleistungen feilboten, mieteten demnach die Räume an und arbeiteten quasi selbstständig. Furman vermietete nach eigenen Angaben die Räume ab einer Stunde bis monatsweise. Männer sollten zudem ihre Frauen mitbringen können, um dort Schäferstündchen zu verbringen.

Jahrelanger Bürgerprotest

Rund zwei Jahre hatten die Umbauarbeiten in dem denkmalgeschützten Haus gedauert. Gegen die Pläne hatten Bürger protestiert. Sie befürchteten ein Mega-Bordell mit massenweise Freiern. Hintergrund: In Frankreich ist Prostitution viel strenger geregelt als in Deutschland. So rechneten Menschen in Fenne mit Sex-Tourismus aus dem Nachbarland. Gegenwehr kam unter anderem während einer extra dazu einberufenen Bürgerversammlung 2015. Sogar eine Bürgerinitiative wurde gegründet. Anrainer befürchteten, dass das Bordell sich negativ auf das Wohnumfeld auswirke. Sie rechneten unter anderem mit steigender Kriminalität im Umfeld des Bordells. Bei dem Standort handelt es sich um ein Mischgebiet aus Wohnhäusern und Gewerbeplätzen. Ein generelles Verbot schien deswegen schwierig durchzusetzen.

Unterschriften gegen Mega-Puff

Schon Ende 2013 hatten Kritiker Unterschriften in dem rund 900 Einwohner zählenden Stadtteil dagegen gesammelt. Auch im benachbarten Klarenthal waren sie aktiv. Trotz des Protests kam das Red-Motel.

Wie geht’s weiter?

Was der Völklinger Eigentümer nun mit dem Gebäude vorhat, ist bislang unklar. Weit über eine Million Euro sollen in den Umbau zu dem Red-Motel geflossen sein. Auf SZ-Anfrage, warum das Projekt in Fenne gescheitert ist, reagierte Ex-Betreiber Furman nicht. Die Internetseite, die mit leicht bekleideten Frauen wirbt, ist trotz des Endes in Fenne noch aufrufbar.