1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Völklingen

Rauch und Gestank über Chemieplattform

Rauch und Gestank über Chemieplattform

Carling/Lauterbach. Auf der Chemieplattform von Carling ist im Moment einiges los. Ständig melden sich bei unserer Zeitung besorgte Anwohner vor allem aus dem benachbarten Lauterbach, die eine starke Rauchentwicklung oder Gestank in der Umgebung des Chemiestandortes von Total Petrochemicals France (TPF) wahrnehmen

SZ-Leser Ortwin Kronser aus Lauterbach hat Flamme und Rauch am 24. März von seinem Grundstück aus fotografiert. Foto: Kronser.
SZ-Leser Martin Scheller beobachtete Fackel und Qualm am 18. März von der Halde Ensdorf aus. Foto: Saarluftbild M. Scheller.

Carling/Lauterbach. Auf der Chemieplattform von Carling ist im Moment einiges los. Ständig melden sich bei unserer Zeitung besorgte Anwohner vor allem aus dem benachbarten Lauterbach, die eine starke Rauchentwicklung oder Gestank in der Umgebung des Chemiestandortes von Total Petrochemicals France (TPF) wahrnehmen. Auch das saarländische Umweltministerium wird mit Meldungen über dicke Abgaswolken oder starke Geruchsbelästigung bombardiert.Allerdings, so heißt es im Moment seitens TPF, gebe es keine Gefahr. In Mitteilungen an das saarländische Umweltministerium - so berichtet Ministeriumssprecher Holger Zeck - weise das Unternehmen darauf hin, dass man die Dampfspaltanlage (Steamcracker) auf der Chemieplattform, die im Juli 2009 explodiert war, wieder in Betrieb nehmen wolle. Im Probebetrieb werde die Anlage immer wieder an- und heruntergefahren. Beim Herunterfahren müsse man sie leeren, also Gas abfackeln. Verbrannt würden dabei "kohlenwasserstoffhaltige Gase". Über deren Art und Zusammensetzung liegen dem Umweltministerium jedoch keine Detail-Informationen vor. Bis zum Monatsende, so Zeck, wolle das französische Unternehmen den Carlinger Steamcracker wieder in Betrieb haben.Der Dampfspalter zerlegt die extrem langen Moleküle von Rohöl mit Hilfe von 800 Grad heißem Wasserdampf in kleinere Moleküle. Dabei entstehen etliche neue Kohlenwasserstoff-Verbindungen, die chemisch weitaus aktiver reagieren als der träge Ausgangsstoff. Sie dienen zur Herstellung verschiedenster Kunststoffe, Löse- oder Reinigungsmittel. Im Sommer 2009 hatte sich an der Anlage eine Explosion ereignet, die zwei Menschen das Leben kostete. Zur Ursache gab es keine endgültigen Feststellungen. Es hieß, der Dampfspalter sei in der Nacht zum 14. Juli bei einem Gewitter ausgefallen, nachdem Wasser in eine Elektro-Station eingedrungen war. Danach scheiterten mehrere Versuche, den Steamcracker wieder zu starten. Denn es gab Probleme mit einem Dampferhitzer. Dieser explodierte bei einem weiteren Start-Versuch. Dabei blieb unklar, wieso sich in dem Erhitzer explosive Gase sammeln konnten. Ein zweiter Dampfspalter, der höheren Sicherheitsstandards genügte, aber geringeres Produktionsvolumen besaß, befand sich im Sommer 2009 in der Phase der Demontage. Doch der Betrieb eines Dampfspalters ist für die gesamte Chemieplattform unabdingbar, weil er die Rohstoffe Propylen und Ethylen für die nachgelagerte Kunststoffproduktion liefert. </bu_text>