Rallyefahrer Roman Schwedt aus Riegelsberg hat schon viel erreicht

Serie Menschen im Regionalverband : Eine „geile Zeit“ für das Rallye-Talent

Gerade 20 geworden, blickt Rallyefahrer Roman Schwedt schon auf beachtliche Erfolge zurück. Nun fokussiert sich der junge Mann aus dem Regionalverband Saarbrücken ganz auf den nächsten Karriereschritt.

„Unter den fünf besten Junioren in Europa zu sein – das wäre das Ziel!“ Roman Schwedts Augen glänzen. Ob er das schaffen wird, ist noch offen. Denn die Junioren-Rallye-Europameisterschaft (FIA ERC Junior) hat erst begonnen. Der erste von sechs Läufen war dem 20-Jährigen zufolge „nicht so erfolgreich, vom Lernfaktor her aber enorm“.

Bei der Azoren-Rallye war er nicht nur mit Copilotin Lina Meter zum ersten Mal mit einem frontgetriebenen Fahrzeug auf losem Untergrund unterwegs; vielmehr war auch plötzlich Schluss, als Schwedt mit dem Peugeot 208 R2 aufsetzte und nicht mehr weiterkam. Trotzdem: „Das war alles eine tolle Erfahrung, alles ziemlich aufregend.“ Misserfolge gehörten dazu, sie spornten an. Er freut sich auf die nächste Runde Anfang Mai auf Gran Canaria. Diesmal auf Asphalt, ein Untergrund, den er besser kennt.

„Es war immer mein Traum, die Europameisterschaft zu fahren“, sagt der junge Rallyepilot, der in Riegelsberg aufwuchs und nun in Güdingen wohnt. Er betont, dass er sehr dankbar ist, Sponsoren und Unterstützer gefunden zu haben, die ihm das alles ermöglichen.

 Schwedt fiel schon häufig wegen seines jungen Alters und seines Fahrtalents auf. Bereits mit sieben Jahren begann er mit dem Kartfahren, mit 15 Jahren wechselte er zum Rallyesport, unterstützt von seinem Vater Rainer, ebenfalls Rallyefahrer. Die Erfolge stellten sich schnell ein: 2016 gewann Schwedt Junior das Rallye-Scouting des Deutschen Sportfahrer-Kreises. 2017 und 2018 nahm er an den Deutschen Rallye-Meisterschaften (DRM) teil, wurde 2017 deutscher Meister in seiner Divison; 2018 belegte er den dritten Platz im Gesamtklassement.

Nun öffnet sich für den Förderkandidaten der ADAC-Stiftung Sport ein neues Kapitel. Erstmals geht es auf internationales Terrain – die anderen Gegebenheiten, die aufwändigere An- und Abreise, alles ist noch neu, ungewohnt. Und zum ersten Mal steht das Fahren ganz im Mittelpunkt. Schwedt, Waldorfschüler mit mittlerem Bildungsabschluss, hat kürzlich seine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker schweren Herzens erst mal abgebrochen, um, wie er sagt, eine Chance zu nutzen. Urlaubstage hätten für das Vorhaben EM nicht gereicht. „Es war die Entscheidung, das professionell zu machen oder nicht.“ Begleitend plant er eine Ausbildung zum Fahrsicherheitstrainer.

 „Manche gehen ein Jahr ins Ausland, ich mache eben das“, sagt der dunkelhaarige Mann lachend, auf das scheinbar normalere Leben andere Gleichaltriger angesprochen. Und erklärt, warum es ihn so fasziniert, mit bis zu 185 Sachen über Feldwege, Schotterpisten, abgesperrte Straßen und Co. zu fliegen: „Man braucht einen gewissen Nagel im Kopf, um das zu machen.“ Das Auto an den anspruchsvollsten Stellen, bei Eis, Regen und Co. so schnell wie möglich zu bewegen und dies zu perfektionieren, das macht ihm Spaß. Das sei nicht ungefährlich, „doch bisher habe ich mich nicht ernsthaft verletzt“.

Für eine Rallye ist der heimatverbundene junge Mann („das Saarland ist mein Ruhepunkt“) etwa eine Woche unterwegs. Regelmäßig fährt er zu seinem Team von Romo-Motorsport in Gießen. Fitnesstraining, Physiotherapie, Mentalarbeit gehören ebenso zum Alltag wie Buchhaltung. Roman Schwedt hat eine Internetseite, ist via Instagram und Facebook präsent.

In seiner knappen Freizeit geht er gerne bouldnern (Klettern ohne Kletterseil und Klettergurt). Viel Unterstützung gibt es von der Familie (er ist der Jüngste von drei Geschwistern) und Freunden. Sie wissen, dass er oft eingebunden ist und nicht immer dabei sein kann: „Das ist schon mein Leben lang so.“ Motorsport sei eben die Nummer eins.

„Man sollte nie einen Höhenflug bekommen“, sagt der junge Rallyefahrer. Er wisse wohl, dass alles endlich sei. Gleichwohl hofft er, das Ganze hauptberuflich zu machen, als Fahrer oder auch in der Entwicklung. Das, was jetzt passiere, sei jedenfalls eine „geile Zeit“, schwärmt Roman Schwedt – und die wolle er auf jeden Fall nutzen.

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