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Portrait: Ein Pamphlet an Aufgaben für die neue Direktorin der VHS Völklingen

Kostenpflichtiger Inhalt: Portrait Jenny Ungericht : Ein „Pamphlet an Aufgaben“ für die neue Direktorin der VHS Völklingen

Mit Jenny Ungericht übernimmt seit Jahresbeginn eine junge Pforzheimerin die Leitung der Volkshochschule in Völklingen. Warum die Stelle sie vor einige Herausforderungen stellt und dennoch perfekt auf sie passe, erklärt sie in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

Noch etwas ungewohnt scheint ihr der Platz im neuen großen Büro zu sein. Die Ehrfurcht vor der Aufgabe und vor demjenigen, der zuvor in diesem Raum jahrelang gewirkt hat, sie ist fast greifbar an diesem leicht stürmischen Nachmittag. „Ich trete in große Fußstapfen“, gibt Jenny Ungericht zu. Die gebürtige Pforzheimerin hat Anfang des Jahres den Posten als neue Fachdienstleiterin für Kultur, Sport, Archiv und Stadtbibliothek sowie als neue Direktorin der Volkshochschule (VHS) Völklingen übernommen.

Ihr Vorgänger Karl-Heinz Schäffner war sechs Monate zuvor in Rente gegangen, was Ungericht auch sehr bedauere, wie sie erzählt. Ihr Vorgänger sei grundsätzlich von allen geschätzt wurden und habe zahlreiche tolle Projekte, wie etwa „Völklingen lebt Gesund“, auf den Weg gebracht. Ihr selbst habe er zudem ein „Pamphlet an Aufgaben“ hinterlassen.

Neben der Fortführung der bisherigen Projekte ihres Vorgängers hat die Pforzheimerin aber auch schon eigene Ideen, die sie an der VHS in Völklingen verwirklichen möchte. So steckt sie etwa gerade in den Vorbereitungen für eine Lesung in einfacher Sprache, die im März in der Stadtbibliothek stattfinden soll. „Mein Anspruch ist es immer, dass Literatur für jeden zugänglich ist. Nicht nur für intellektuelle Menschen, die sich dann mit der Bildungssprache auseinandersetzen können, sondern auch für Leute, die der Sprache vielleicht noch nicht mächtig sind, kognitiv vielleicht irgendwelche Einschränkungen haben, oder die erst mit dem Lesen und Schreiben anfangen“, erklärt Ungericht.

Große Unterstützung erfahre sie auch von ihren neuen Kolleginnen und Kollegen „Ich habe noch nie in einem Team gearbeitet, was so gut funktioniert wie hier. Das ist etwas, was mir die Arbeit enorm erleichtert“, lobt Ungericht die Leistungen ihres Vorgängers. Dabei braucht die 39-Jährige ihre eigenen Erfolge nicht verstecken. Nach ihrem Studium der Anglistik und Germanistik an der Universität Mannheim und einem längeren Aufenthalt in Stockholm und Berlin arbeitete Ungericht als Sprachlernberaterin für Deutsch als Fremdsprache am Zentrum für Sprache und Kommunikation der Universität Regensburg. Zudem übernahm sie die Geschäftsführung eines von ihr selbst gegründeten Bildungsinstituts und war bis zum vergangenen Jahr in einem berufsschulischen Modellprojekt für Jugendliche ohne Ausbildung mit besonderen emotionalen und sozialen Förderbedarf tätig.

„Es war für mich extrem schwierig dieses Modellprojekt früher zu verlassen“, schildert Ungericht ihre Entscheidung, aus Regensburg wegzuziehen. „Ich habe mich dort total wohlgefühlt. Das war für mich das erste Mal Heimat, weil ich eben viel rumgekommen bin und ständig wieder Zelte abgebrochen habe.“ Aus privaten Gründen habe sie sich dann aber entschieden, ins Saarland zu ziehen. Die geringere Distanz zu ihrer Familie und zu ihrem Lebensgefährten, der hier eine Arbeitsstelle habe, seien unter anderem ein Grund gewesen, verrät Ungericht.

Die Herausforderung, die die Stelle als leitende VHS-Direktorin mit sich bringt, habe sie in ihrer Entscheidung zusätzlich bestärkt. „Ich glaube ich wäre nicht hierhergezogen, wenn das nur ‚irgendein’ Job gewesen wäre“, erklärt die 39-Jährige, die schon von klein auf Leistungssport betreibt und neben einer klassischen Gesangsausbildung zudem mehrere Jahre auf der Theaterbühne stand. „Diese Stelle vereint alles, was ich die letzten 20 Jahre gemacht habe und was in meinem Lebenslauf so drinnen steht.“

Anfängliche Zweifel habe sie dennoch gehabt, wie Ungericht zugibt. „Vor allem weil ich keine Saarländerin bin“, erklärt sie. Und auch das bereits eingespielte VHS-Team so zu leiten, „dass sie mit mir genauso zufrieden sind, wie mit meinem Vorgänger“, stelle eine Herausforderung dar, so die neue Direktorin. Dennoch wache sie jeden Morgen auf und freue sich auf die Arbeit. „Das ist für mich das Zeichen, dass ich eine gute Entscheidung getroffen habe“, erklärt Ungericht, die sich scheinbar doch schneller an ihr neues Büro gewöhnt hat, als wie es zu Beginn schien.