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Politiker fordern Grenzöffnung in Völklinger Stadtteil Lauterbach

Kritik an Grenzschließung in Völklingen : „Das Virus lässt sich nicht durch Barrikaden aufhalten“

Wegen des Coronavirus sind noch immer viele Grenzübergänge im Saarland zu. Im Völklinger Stadtteil Lauterbach werden jetzt die Stimmen lauter, die eine Öffnung des dortigen Grenzüberganges fordern.

Die Stimmen, die sich für eine Öffnung der wegen Corona geschlossenen Grenzen aussprechen, werden lauter. Nachdem der Grenzübergang zwischen Großrosseln und der französischen Gemeinde Petite-Roselle vor kurzem wieder geöffnet wurde (wir berichteten), fordert man jetzt auch im Völklinger Stadtteil Lauterbach die Grenze zum benachbarten Carling zu öffnen.

„Das Virus lässt sich nicht durch Barrikaden aufhalten“, sagt Erik Roskothen, Vorsitzender der SPD in Lauterbach. Statt die französischen Nachbarn „vor vollendete Tatsachen zu stellen“, hätte man grenzübergreifende Maßnahmen abstimmen müssen, kritisiert das Ortsratsmitglied die Grenzschließung. Roskothen weist zudem darauf hin, dass die Beschränkungen in Frankreich sogar strenger sind als im Saarland. Vor allem die dringend benötigten Fachkräfte und deren Arbeitgeber würden unter den Maßnahme leiden.

Auf SZ-Anfrage zeigt sich auch Lauterbachs Ortsvorsteher Dieter Peters verärgert über die aktuelle Situation. Besonders wirtschaftlich sei die Grenzschließung für den Stadtteil ein Problem. Ob Apotheke oder Wochenmarkt, fast die Hälfte der Kunden würde aus Frankreich kommen, erklärt der Ortsvorsteher. Zudem beklagt Peters, dass er nicht im Vorfeld über die Grenzsschließung informiert wurde und vermitteln konnte. „Von lokaler Seite bemühen wir uns seit Jahren freundschaftliche Beziehungen aufzubauen und von jetzt auf gleich, ist alles zu“, kritisiert der Ortsvorsteher. Dies habe „viel Schaden angerichtet.“

Dieter Peters, Ortsvorsteher von Lauterbach. Foto: Michael Samsel

In einem Brief wandten sich die Lauterbacher Sozialdemokraten zudem an die Völklinger Oberbürgermeisterin Christiane Blatt. Diese zeigte auf SZ-Anfrage Verständnis: „Ich kann die Forderung aus Lauterbach nachvollziehen“, sagt Christiane Blatt. Auch sie hoffe, „dass die Öffnung der Grenze in Lauterbach eine der ersten Maßnahmen sein wird“, sobald die Corona-Regeln im Saarland gelockert würden. Über das Anliegen seien die Entscheidungsträger auch bereits informiert wurden, wie die Rathaus-Chefin erklärt. Kurz zuvor hatte Blatt in einer gemeinsamen Videobotschaft mit mehreren saarländischen Amtskollegen (wir berichteten ebenfalls) ihre Verbundenheit mit den französischen Partnergemeinden unterstrichen und damit gegen die Grenzschließung protestiert.

Auch auf Bundesebene gibt es Kritik an dem geschlossenen Grenzübergang in Lauterbach. „Was in Großrosseln möglich ist, sollte auch für weitere Übergänge in Betracht gezogen werden“, forderte die Saarbrücker Bundestagsabgeordnete Josephine Ortleb (SPD) in einer Pressemitteilung. Dies sei notwendig, „um die Arbeits- und Einkaufswege zwischen Völklingen, den umliegenden Gemeinden und den französischen Nachbargemeinden wieder zu ermöglichen“, betont Ortleb.

In einem gemeinsamen Schreiben an die deutsche und französische Regierung forderten nun auch die Bürgermeister des Eurodistrict SaarMoselle eine bessere Abstimmung im Kampf gegen die Corona-Pandemie und weitere Grenzöffnungen. „Wir dürfen gerade in der Krise die Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft für unsere Völker und die Völker Europas nicht vergessen“, erklärt Uwe Conradt, Saarbrücker OB und Präsident des Eurodistricts SaarMoselle im Europäischen Verbund für territoriale Zusammenarbeit (EVTZ).

„Deshalb appelieren wir an die Regierung in Deutschland und Frankreich: Öffnen Sie wieder schnellstmöglich alle Grenzübergänge.“ Aufgrund der ersten Lockerungen der Ausgangsbeschränkung auf deutscher Seite, würde dies umso dringender, betont Conradt. Ansonsten würden noch mehr Pendler auf ihrem Weg zur Arbeit behindert werden.