Pfarrerin Rita Wild verlässt Völklingen mit "einem sehr weinenden Auge"

Pfarrerin Rita Wild in Völklingen : „Ich gehe mit sehr weinendem Auge“

Pfarrerin Rita Wild hat mit großem Einsatz in der Versöhnungskirche gewirkt. Im Sommer verlässt sie Völklingen.

Ein Pfarrer oder eine Pfarrerin ist ausschließlich für die Seelsorge da, ist die weit verbreitete Meinung der Gläubigen. Doch dass zu dieser Aufgabe weit mehr gehört, hat Rita Wild in den vergangenen Jahren in Völklingen bewiesen. Die 50-Jährige war vor allem eine Managerin von großen Baumaßnahmen in der Versöhnungskirche: Dach, Heizung und Fenster mussten saniert werden, auch die Orgel. Wild musste aber auch unpopuläre Maßnahmen treffen: Sie schloss die evangelische Kirche auf der Röchlinghöhe und verkaufte sie – und die Pfarrerin besiegelte das Ende des Martin-Luther-Hauses auf dem Platz vor der Versöhnungskirche. Wild weiß: „Das ist eine Wunde bei vielen Menschen.“ Denn das Haus diente auch als Versammlungsraum. Der Renovierungsstau in dem Gebäude betrug aber über eine Million Euro, blickt sie zurück. Auch die Versöhnungskirche war in einem schlechten Zustand. Also musste Wild sich entscheiden und gab dem Gotteshaus den Vorzug.

Und die Pfarrerin gewann Unterstützer für die Sanierungsmaßnahmen: Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bezuschusste die Dachrenovierung, die Röchling-Stiftung gab Geld für das Orgelprojekt, aber auch viele Gemeindeglieder. Außerdem ließ Wild die Nebenräume der Kirche entrümpeln, um nach dem Aus für das Martin-Luther-Haus einen neuen Treffpunkt zu schaffen.

Die Pfarrerin hat viel bewegt, doch nun wird sie Völklingen und die Kirchengemeinde bald verlassen. Am 15. Juni wird Wild in einem Gottesdienst in der Versöhnungskirche feierlich verabschiedet. Am 1. Juli tritt sie ihren Dienst in der Kirchengemeinde Dudweiler-Herrensohr an. Sie freut sich auf die neue Aufgabe: „Ich wollte eine größere Gemeinde und auch einen Kollegen haben.“ Wild sagt aber auch: „Ich gehe mit einem sehr weinenden Auge.“

Denn sie hat die Völklinger ins Herz geschlossen. Im Rückblick fallen ihr viele positive Projekte ein. „Die Ökumene läuft super. Denn die Chemie zwischen Thomas Weber von der katholischen Gemeinde St. Eligius und mir stimmt.“ Sie lobt auch den interreligiösen Dialog mit den Muslimen, der gut funktioniere. Mehrere Treffen gebe es pro Jahr. Ja, und dann fallen ihr noch die Jung-Konfirmanden ein, die im Jahr 2013 bundesweit bei der Veranstaltung „Action Kidz“ der Kindernothilfe am meisten Geld eingesammelt haben gegen Kinderarbeit. Die Kinder hatten vor Weihnachten Kuchen verkauft und im Globus die Einkäufe der Kunden in Tüten verpackt.

Wer so viele Projekte um die Ohren hat, muss auch mal entspannen. Die Familie hilft ihr dabei. Sie findet es gut, dass ihr Mann was ganz anderes macht, er ist Kfz-Meister. Wild: „Der erdet mich ganz oft.“ Sehr gern geht sie mit dem Hund in den Wald und findet dabei oft Ideen für ihre Predigten. Bei der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) ist sie aktiv und freut sich, dass sie dort keine Verantwortung trägt. Auch beim Stricken kommt sie zur Ruhe. Was nimmt sie aus ihrer Zeit in Völklingen vor allem mit? „Ich war manchmal zu radikal und zu schnell. Es ist immer wichtig, die Gemeinde bei solchen Entscheidungen mitzunehmen.“ Das will sie auch bei der neuen Aufgabe beherzigen – die sicher ebenfalls weit über die Seelsorge hinausgeht.

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