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Regionalverband will die Toiletten vergrößern, aber:
Patient Warndthalle leidet an Schimmel

Die Warndthalle in Ludweiler ist in die Jahre gekommen; rechts der Haupteingang mit seinen zwei Stufen. Mit einer beweglichen Rampe wäre er schnell barrierefrei zu gestalten, so eine Anregung im Bauausschuss. Menschen mit Behinderungen müssen derzeit einen komplizierten Umweg nehmen.
Die Warndthalle in Ludweiler ist in die Jahre gekommen; rechts der Haupteingang mit seinen zwei Stufen. Mit einer beweglichen Rampe wäre er schnell barrierefrei zu gestalten, so eine Anregung im Bauausschuss. Menschen mit Behinderungen müssen derzeit einen komplizierten Umweg nehmen. FOTO: Bernhard Geber
Ludweiler. Der Streit um die Toiletten ist Völklinger Kommunalpolitikern im Moment nahezu egal. Sie fordern vom Hausherren, dem Regionalverband, dass er zunächst den Schimmelbefall in der Warndthalle beseitigt. Von Bernhard Geber

Rund 40 Jahre alt ist mittlerweile die Warndthalle in Ludweiler, Ort für Schulsport, Breitensport, Vereinssport und auch rund  zehn Großveranstaltungen von Vereinen samt Feuerwehr pro Jahr. Und bisher fürchteten die Vereine nichts mehr als die Tatsache, dass der Regionalverband als Hausherr nun die Toilettenanlage sanieren will. Nach neuer Norm wären dann nur noch Toiletten für 400 statt bisher 800 Besucher vorhanden. Doch Toiletten sind offenbar nicht das größte Problem in der Warndthalle, wie sich am Donnerstag in einer öffentlichen Sitzung des Bauauschusses des Völklinger Stadtrates herausstellte.


Oberbürgermeisterin Christiane Blatt (SPD) hatte hier Jörg Huppert, Abteilungsleiter Bauamt beim Regionalverband, eingeladen, um Rede und Antwort zu stehen. Nach einigem Hin und Her um die Toiletten kam dann die große Überraschung für Nicht-Ortskenner auf den Tisch: Der frühere Sanitätsraum ist so stark von Schimmel befallen, dass er „versiegelt“ (Huppert) werden musste. Die einzige Behindertentoilette in der gesamten Halle wird nun gleichzeitig als Sanitätsraum genutzt. An den „versiegelten“ Sanitätsraum grenzen der Regieraum und die Geräteräume an. Dieser ganze Bereich liegt am Hang unterhalb des Erdreiches. Was zwar die Durchfeuchtung erklärt, aber auch eine Sanierung sehr teuer macht. Baufachmann Huppert schätzt den notwendigen Betrag auf bis zu eine Viertelmillion Euro. „In einem der nächsten Haushalte“, meinte Huppert zum möglichen Zeitpunkt. Bei einem Bedarf von 50 bis 60 Millionen Euro für alle Gebäude-Standorte stünden im Regionalverband jährlich lediglich rund 18 Millionen Euro zur Verfügung.

Ratsmitglied Denise Baldauf (FDP) erklärte es für unverständlich, dass man da zunächst die Toilettenfrage angehe. „Die Schimmelsporen bleiben nämlich nicht in dem ,versiegelten’ Raum“, so Baldauf. „Machen Sie den Schimmel weg!“, forderte Klaus Schaefer (CDU) Jörg Huppert kategorisch auf. „Ich höre heute zum ersten Mal von Schimmel“, sagte Manfred Jost, der nicht nur Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat, sondern auch in der Regionalversammlung ist. Er hoffe, nun die große Koalition von SPD und CDU im Regionalverband von der Notwendigkeit des Handelns überzeugen zu können, so Jost. Und darauf gab wiederum Schaefer eine knallharte Antwort: „Bei Schimmel gibt es nichts zu überzeugen!“



Bleibt abzuwarten, ob es nun in Sachen Warndthalle zu einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von Stadt und Regionalverband kommt. SPD-Fraktionschef Erik Kuhn, auch Vizepräsident der Ludweiler Karnevalsgesellschaft Die Beele’s, hat dies angeregt. 80 000 Euro für den Umbau der Toilettenanlage stehen laut Huppert im Regionalverbands-Haushalt. Nach neuer Norm seien die Kabinen „zu klein und zu wenig“. Wenn man die Kabinen von derzeit 72 auf 90 Zentimeter Breite erweitere, blieben vier (bisher sechs) Damen-WC und zwei für Herren übrig – mit der Konsequenz, dass es nur noch für 400 Besucher reiche.

Kuhn, assistiert von seinem Ludweiler Ratskollegen Bernd Bohner (CDU), betonte demgegenüber, bei Großveranstaltungen stünden auch die Toiletten im Umkleidebereich offen. Ein Toilettenwagen sei für die Vereine zu teuer und im Winter problematisch. Wenn es zum geplanten Umbau komme, sei ein Anbau an die Halle die beste Lösung.

Abgesehen von Schimmel und Toiletten bleibt an der Warndthalle auch die Parkplatzfrage offen. Kuhn hatte hier „bis zu zehn Zentimeter tiefe Löcher“ moniert. Huppert meinte, dies wäre mit bis zu 150 000 Euro „eine der nächsten Baustellen“.

Mit 72 Zentimetern Breite zu eng für Besucher? Ein Blick in die Herrentoilette im Foyer.
Mit 72 Zentimetern Breite zu eng für Besucher? Ein Blick in die Herrentoilette im Foyer. FOTO: Bernhard Geber
Hoch her ging es bei der jüngsten Oldienacht der Ludweiler Beele’s in der Warndthalle. Gemessen an den vorhandenen Toiletten und der neuen Norm, wäre die Tanzfläche halb leer gewesen.
Hoch her ging es bei der jüngsten Oldienacht der Ludweiler Beele’s in der Warndthalle. Gemessen an den vorhandenen Toiletten und der neuen Norm, wäre die Tanzfläche halb leer gewesen. FOTO: Thomas Seeber