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Sie streiten um die Nachfolge von Bürgermeister Wolfgang Bintz
Parteilose mischen mit im Bewerber-Quartett

Stephan Wagner (parteilos) ist Kandidat der Linken.
Stephan Wagner (parteilos) ist Kandidat der Linken. FOTO: Wagner / Stephan Wagner
Völklingen. Vier Männer, darunter zwei parteilos, wollen Bürgermeister werden. Auch Stephan Tautz unternimmt nun einen neuen Versuch. Von Bernhard Geber

Bürgermeister Wolfgang Bintz (CDU) geht am 31. Mai in den Ruhestand. Um seine Nachfolge bewerben sich gleich vier Personen. Erik Roskothen (SPD) und Christof Sellen (CDU) haben bereits als Kandidaten der beiden großen Fraktionen im Stadtrat ihren Anspruch angemeldet (die SZ berichtete). Kurz vor Bewerbungsschluss werfen nun auch zwei parteilose Bewerber ihren Hut in den Ring. Dies sind Stefan Tautz aus Wehrden und Stephan Wagner aus der Innenstadt.



Der selbstständige Kaufmann Stephan Tautz (58) war bei der Oberbürgermeisterwahl im Oktober knapp Christiane Blatt (SPD) unterlegen. Tautz will nun nach eigenen Angaben seine Anhänger nicht enttäuschen und weiterhin Flagge zeigen, obwohl er sich bisher keine Unterstützung im Stadtrat ausrechnen kann. Die früheren Stimmen, immerhin über 6100, zählen da nicht. Der Bürgermeister wird nämlich im Gegensatz zum Oberbürgermeister nicht direkt von den Bürgern, sondern vom Stadtrat gewählt.

Stephan Wagner (47) ist Diplom-Wirtschaftsingenieur und arbeitet als Ausbildungsberater bei der Industrie- und Handelskammer des Saarlandes. Dass er sich nun als Bürgermeister bewirbt, hat – neben Interesse an der Aufgabe – auch mit persönlichen Beziehungen und Kontakten zu tun. Sein Schwiegervater, Norbert Wagner, ist als Bürgermeisterkandidat der Linken und Vorsitzender der Berg- und Hüttenarbeitervereinigung in Großrosseln bekannt geworden. Stephan Wagner bekennt sich dazu, schon bei der Heirat im Jahr 2005, damals noch ungewöhnlich, den Familiennamen von Ehefrau Sandra Wagner übernommen zu haben. Der Schwiegersohn half mit, Feste der Partei und der Berg- und Hüttenleute zu organisieren. Er ist seit rund einem Jahr auch als regelmäßiger Gast bei Ratssitzungen zu sehen. Wagner ist nun offizieller Kandidat der Linken, wobei er persönlich aber auch Schnittmengen mit anderen demokratischen Parteien sieht.

Wagner baut auf die Unterstützung der fünf Linken im Stadtrat und hofft, auch den einen oder anderen aus den anderem Fraktionen von seiner Person überzeugen zu können. Rein rechnerisch ist die Kandidatur nämlich ein fast aussichtsloses Wagnis. Die SPD stellt 17, die CDU 16 der insgesamt 45 Stadtratsmitglieder. Wenn im ersten Wahlgang kein Kandidat die absolute Mehrheit erhält, wird eine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen fällig. Da deuten die  Vorzeichen klar auf ein Duell zwischen Roskothen und Sellen hin. Andererseits wählen die Stadtratsmitglieder geheim. Und da hat es schon einmal eine dicke Überraschung gegeben: Jochen Dahm (CDU) wurde am Nikolaustag 2002  zum Bürgermeister gewählt – und dies trotz einer absoluten SPD-Mehrheit.

Wagner wirbt für sich damit, dass er aus seiner Tätigkeit als Ausbildungsberater bei der IHK sozusagen „das ganze Saarland“ kenne. Er wolle die wirtschaftliche Entwicklung in Völklingen forcieren und dabei seine Kontakte nutzen. Seine persönliche Stärke sieht Wagner darin, zu „moderieren und verschiedene Interessengruppen unter einen Hut zu bringen“.

„Nach langer Überlegung“, sagt Stephan Tautz, habe er am Donnerstagmorgen seine Bewerbung zum Bürgermeister eingereicht. Hier  habe mit eine Rolle gespielt, dass seine Freunde und Anhänger – Tautz zählt derzeit unter anderem rund 1100 Abonnenten auf seiner Facebook-Seite – ihn gedrängt hätten. Er strebe dieses Amt unter dem Motto „Meine Partei sind die Bürger“  an. Sein Ziel bleibe eine Zusammenarbeit mit allen Parteien und weiteren Institutionen zum Wohle von Völklingen. Er hoffe, das eine oder andere Stadtratsmitglied von sich überzeugen können. Auch wenn die großen Fraktionen ihm signalisiert hätten, dass sie es sich nicht leisten könnten, keinen eigenen Kandidaten aufzustellen. Auch im Fall einer Niederlage werde er bei seinem Kurs bleiben. Die Aufstellung einer Bürgerliste für die Stadtratswahl im Jahr 2019 sei „eine Option“.

Der Stadtrat wählt den Nachfolger von Wolfgang Bintz voraussichtlich in seiner Sitzung am 1. März.

Stephan Tautz, bereits Oberbürgermeister-Kandidat.
Stephan Tautz, bereits Oberbürgermeister-Kandidat. FOTO: BeckerBredel
Erik Roskothen ist Kandidat der SPD-Fraktion.
Erik Roskothen ist Kandidat der SPD-Fraktion. FOTO: Hüsslein/SPD
Christof Sellen bewirbt sich für die CDU-Fraktion.
Christof Sellen bewirbt sich für die CDU-Fraktion. FOTO: BeckerBredel