Orgelbauer polieren 5000 Pfeifen

Die evangelische Versöhnungskirchengemeinde in Völklingen lässt jetzt ihre imposante Orgel wieder in Schuss bringen. Die Gesamtkosten von über 80 000 Euro werden fast komplett über Spenden finanziert.

Die Empore der Völklinger Versöhnungskirche hat sich in eine Baustelle verwandelt, Werkzeug und jede Menge ausgebauter Pfeifen prägen das Bild. Die Berliner Firma Karl Schuke bringt die imposante Orgel wieder in Schuss. Anfang voriger Woche rückten Pascal Speier, Norbert Lindenberg und Marco Schneider an. Wie war der erste Eindruck? "Die Orgel ist schon ganz nett", stellt Speier trocken fest.

Damit das Instrument wieder zu Höchstform aufläuft, muss der in den Pfeifen sitzende Dreck weg. Die letzte Reinigung erfolgte 1979. Seitdem gab es viele Arbeiten in der Kirche. Eigentlich erstaunlich, dass sich nicht noch mehr Schmutz angesammelt hat. Während unseres Besuchs zeigt sich: Die Staubschicht im Inneren der Orgel ist nicht sonderlich dick.

Die Reinigung läuft im Prinzip ähnlich wie zuhause. Mit Seifenwasser, Tuch, Flaschenbürste und Pinsel geht's dem Dreck an den Kragen. Im Orgelinneren kommt ein Staubsauger zum Einsatz. Ein Unterschied zum Frühjahrsputz in den eigenen vier Wänden: Die Experten gehen gründlicher und behutsamer vor. "Es ist alles mit Vorsicht zu behandeln", betont Pascal Speier. Die Fachleute tragen Handschuhe. Schweiß und Fett würden die Pfeifen zwar nicht beschädigen, unansehnliche Fingerabdrücke will man aber vermeiden.

Rund 5000 Pfeifen wollen wieder auf Hochglanz gebracht werden. Auch das Ausbessern kleiner Beulen gehört zum Service. Das alles dauert seine Zeit. Anfang Dezember, sagt Pfarrerin Rita Wild, sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Bis dahin bleibt die Orgel stumm. Auf Kirchenmusik müssen die Protestanten trotzdem nicht verzichten. Eine kleine Orgel, die in der früheren Kirche auf der Röchlinghöhe stand, und ein Klavier sorgen für Ersatz.

Bei der großen Orgel steht nicht nur die Reinigung auf dem Programm. Die Technik wird komplett überarbeitet, Teile der Elektrik und Elektronik werden erneuert. Ein Spezialist kümmert sich abschließend um die Nachintonation und Generalstimmung. Laien werden danach wohl keinen großen Unterschied hören. "Das Klangbild an sich wird nicht verändert", erklärt Speier. Frühestens in zehn Jahren steht die nächste Generalüberholung an.

Schon lange wollte die evangelische Versöhnungskirchengemeinde die Orgel in Schuss bringen lassen. Wegen dringender Arbeiten zur Substanzerhaltung der Kirche, etwa an Fenstern oder Dach, verzögerte sich das Projekt jedoch. Die Gesamtkosten von über 80 000 Euro, erläutert Pfarrerin Wild, werden fast komplett über Spenden finanziert. Im April ist ein großes Konzert geplant, zwei Meister ihres Fachs ziehen alle Register. Neben dem neuen Organisten Lutz Gillmann wird dessen Vorgänger Reinhard Ardelt in die Tasten greifen. Ardelt hatte die Überholung der Orgel vor seinem Abschied noch auf den Weg gebracht.

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HintergrundDie Orgel der Völklinger Versöhnungskirche wurde 1930 von der Ludwigsburger Firma Walcker erbaut. Die Technik erwies sich als sehr störungsanfällig, in den 1970er Jahren wurde das Instrument unbespielbar. 1979 erfolgte eine Restaurierung durch die Berliner Firma Karl Schuke. Das Pfeifenmaterial und das nach der romantischen Tradition ausgerichtete Klangkonzept blieb weitgehend unangetastet, die technische Anlage wurde aber modernisiert. Die Orgel verfügt über 54 Register, verteilt auf drei Manuale und Pedal. Sie ist in eine die ganze Breite der Kirche einnehmende Hauptorgel und ein so genanntes Rückpositiv gegliedert. tan