| 19:17 Uhr

„Ohne Stahl funktioniert die Welt nicht“

Für die neuen Auszubildenden hatte man bei Saarstahl gestern extra eine kleine Bühne gebaut. Die Praktikanten sind hier mit im Bild. Foto: Becker & Bredel
Für die neuen Auszubildenden hatte man bei Saarstahl gestern extra eine kleine Bühne gebaut. Die Praktikanten sind hier mit im Bild. Foto: Becker & Bredel FOTO: Becker & Bredel
Völklingen. 140 Auszubildende haben 2015 angefangen. Dieses Mal sind es 23 mehr – Saarstahl Völklingen und die Dillinger Hütte haben ihre Ausbildung ausgeweitet. Am Montag wurden die jungen Leute in Völklingen begrüßt. Andreas Lang

Schon bei ihrem ersten Schritt ins Berufsleben gilt eine junge Frau aus Saarbrücken-Bübingen als Pionierin. Sara Abbas-Naqui ist in der Geschichte des Unternehmens Saarstahl die Erste, die den Beruf der Verfahrensmechanikerin lernt. "Ich habe mit allem zu tun, was die Stahlherstellung betrifft", sagt sie. Dass sie dabei in eine bisherige Männer-Domäne kommt, ist für sie kein Problem: "Ich bin robust, das macht mir nichts aus."


Ihr erster Tag bei Saarstahl hat im Aufenthaltsraum des Ausbildungszentrums begonnen, berichtet sie. Dort hätten sie und ein Großteil der 163 neuen Azubis, davon 80 bei den Dillinger Hüttenwerken, 83 bei Saarstahl Völklingen , die Arbeitsklamotten bekommen. Graue Arbeitshosen, Jacken in Grau mit Schulterpartien in der Signalfarbe Orange und Reflektorstreifen. Arbeitsschuhe - die quietschen bei den meisten Berufsstartern noch, sie müssen erst eingelaufen werden.

Arbeitsschutz ist ein großes Thema, betont Arbeitsdirektor Peter Schweda. Zunächst aber ein Willkommen: "Sie sind jetzt Teil der großen Familie der saarländischen Stahlwirtschaft", einer großen Solidargemeinschaft. "In diesem Bereich sind wir der größte Ausbilder im Saarland", sagt Schweda. Unter den Neuen glaubt er bereits einige Landes- und sogar Bundesbeste ausgemacht zu haben: "Fragen Sie mich in drei, dreieinhalb Jahren nochmal, wen ich damit gemeint habe." Er gratuliert den jungen Leuten zu ihrer Entscheidung, sich der Stahlbranche anzuschließen: "Ohne Stahl funktioniert die Welt nicht." Ein scherzhafter Ausblick: "Nach zirka 18 000 Arbeitstagen können Sie einen Rentenantrag stellen." Bis dahin rät Schweda: "Passt gut auf euch auf!" Der Betriebsratsvorsitzende Stefan Ahr bläst ins selbe Horn: "Gesundheit hat immer höchste Priorität."



Nadine Pace, selbst Auszubildende , führte souverän durch das Programm des Begrüßungsaktes. Als Fachoberschülerin hat sie ein Praktikum bei Saarstahl absolviert und wollte eigentlich Papas Wunsch erfüllen, in einem Bürojob glücklich zu werden. Das dauerte aber nur zwei Praktikums-Tage - da hatte sie erlebt, an welch tollen Maschinen die Kollegen arbeiten durften. Darf sie jetzt auch: "Ich werde Zerspannungsmechanikerin." Ihr Arbeitsort wird Dreh- und Fräsbank sein. Eine Drehbank möchte sie sich vielleicht auch für privat anschaffen. Selbstbewusst erklärt sie: "Ich kann sogar Landes- oder Bundesbeste werden."

Wie Pionierin Abbas-Naqui hat sich auch Steven Koch aus Konfeld bei Weiskirchen für den Beruf des Verfahrensmechanikers entschieden. Und zwar im Dillinger Hüttenwerk: "Dort arbeitet auch mein Vater." Nach der Ausbildung will er sich orientieren: "Techniker oder Meister, man hat da alle Möglichkeiten." Selina Zimmer aus Reimsbach strebt an, Industriekauffrau zu werden. Warum im Dillinger Hüttenwerk? "Meine ganze Familie arbeitet dort." Ihre Motive: "Nach 13 Jahren Schule möchte ich nun endlich arbeiten und Geld verdienen."

In den kommenden Wochen geht es unter den wachen Augen von Ausbildungsleiter Patrik Hüttel-Gier für die meisten Auszubildenden in die Metall-Grundausbildung - mit der seit Generationen berüchtigten U-Schiene, die Schritt für Schritt zum Messzeughalter wird. Doch vorher lernt man einander erstmal besser kennen. Die Dillinger Azubis verbringen die nächsten vier Tage in der Jugendherberge Weiskirchen, die Saarstahl-Azubis fahren auf die Burg Stahleck bei Bingen am Rhein.

Zum Thema:

Auf einen Blick 163 junge Menschen sind gestern bei der Saarstahl AG und der AG der Dillinger Hüttenwerke ins Berufsleben gestartet. Dillinger stellt 80 Auszubildende ein, Saarstahl 83; die große Mehrheit lernt gewerbliche Berufe. Mit insgesamt 30 weiblichen Auszubildenden bewegt sich die Frauenquote bei beiden Hütten auf stabilem Niveau. Im Rahmen der Vorausbildung absolvieren außerdem fünf Azubis anderer Unternehmen eine Ausbildung bei Saarstahl und Dillinger. Zudem machen 27 Fachoberschüler und Absolventen des Berufsgrundschuljahres ein Praktikum unter dem Saarstahl-Dach. Über alle Ausbildungsjahrgänge hinweg beschäftigt die saarländische Stahlindustrie 498 Auszubildende . al