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My Fair Lady, Doppelporträt mit Valda Wilson und Herdís Jonasdottír
Oh Eliza, heißt es nun „ich“ oder „icke“?

Kunterbunt und schwungvoll: Die „My fair Lady“ am Saarländischen Staatstheater ist ein Renner. Unser Foto zeigt den Opernchor bei der Ascot-Szene.
Kunterbunt und schwungvoll: Die „My fair Lady“ am Saarländischen Staatstheater ist ein Renner. Unser Foto zeigt den Opernchor bei der Ascot-Szene. FOTO: Martin Kaufhold / Kaufhold/SST
Saarbrücken. Zwei Frauen, eine Rolle: Wir haben Valda Wilson und Herdís Jónasdóttir, die beiden Elizas des Erfolgsmusicals „My fair Lady“, getroffen. Von Nadja Spieldenner

„Die Eliza ist einfach eine Hammerrolle! Sie hat wirklich Integrität, und sie weiß, was sie will“. Valda Wilson lacht, während sie die Rolle der Eliza Doolittle aus dem Musical „My Fair Lady“ beschreibt. „Eliza ist eine stolze Frau, die etwas aus sich machen will“, bestätigt Herdís Jónasdóttir und lächelt.


Die beiden Sängerinnen teilen sich aktuell am Saarländischen Staatstheater der Hauptrolle der Eliza Doolittle in der hochgelobten Inszenierung von Thomas Winter.

„Für mich war es wichtig, dass Eliza nicht nur eine Karikatur ist, ich wollte nicht einfach nur den Film nachspielen“, erzählt Valda im gemeinsamen Interview. Auch Herdís Jónasdóttir spielt auf der Bühne ihre eigene Interpretation der Eliza. „Wenn ich eine Rolle spiele, ist da auch immer etwas von mir selbst da.“ Nicht nur in diesem Punkt sind sich Herdís und Valda einig. Auch die Zusammenarbeit während der Proben lief hervorragend: „Valda ist eine super Kollegin, dieses Stück mit ihr zu spielen, ist ein großes Glück.“

Geprobt haben die Opernsängerinnen immer zusammen, wie Valda erzählt. „Wir waren immer beide da und haben 50/50 abgewechselt. Trotzdem hatten wir auch vom Regisseur die Freiheit, dass jede ihr Ding machen konnte. Das war wirklich cool.“

Valda Wilson kommt aus Australien, aus Sydney, und ist erst seit siebeneinhalb Jahren in Deutschland, Herdís Jónasdóttir ist gebürtige Isländerin und gehört schon länger zum Opernensemble am SST.



„Dieses Berlinerisch hat uns am Anfang ganz schön zu schaffen gemacht“, erzählen die beiden und lachen. Sie beschreiben, wie sie im Theater verzweifelt auf der Suche nach Hilfe waren, um diesen Dialekt zu lernen. „Wir sind beide Ausländerinnen und hatten richtig schwer zu kämpfen mit dem Berlinerisch! Sagen wir jetzt ’ich’ oder ‚ick’?!“, sagt Valda. Und Herdís ergänzt: „Das hat uns sehr zusammengeschweißt, beide Ausländerinnen in einer Rolle mit Sprachschwierigkeiten. Wir konnten uns da aber gegenseitig sehr unterstützen.“

Und in der Schauspielabteilung konnte den beiden Elizas schließlich geholfen werden: Bettina Schuster-Gäb, Leiterin der Schauspielabteilung, erteilte ihnen Sprechunterricht. „Bettina hat uns da sehr viel geholfen, überhaupt mal zu klären, was ist Dialekt und was nicht? An welcher Stelle muss man die Worte betonen und so weiter… Ihre Hilfe hat uns echt beide gerettet.“

Nach all der Theorie mussten die beiden Sopranistinnen jedoch auch in der Praxis – sprich auf der Bühne – beweisen, dass sie des Berlinerischen mächtig sind. „Wir sind echt Händchen haltend durch diese Prüfung gegangen“, Valda und Herdís nicken sich lachend zu.

Beobachtet man die beiden fällt auf, dass die Frauen nicht nur Kolleginnen auf der Bühne sind. Sie lachen und scherzen, und haben einen natürlichen, herzlichen und entspannten Umgang miteinander, der ihnen ganz ohne Frage die Zusammenarbeit deutlich erleichtert hat.

„Elizas Rolle ist für mich eine Herausforderung“, meint Herdís, „aber es war gut und sehr interessant, das Ganze mit Valda zusammen zu spielen und auch mit ihr darüber zu sprechen.“

„Herdís ist eine tolle Kollegin, und wenn sie bei den Proben zugeschaut hat, konnte ich danach fragen: Hey, wie war denn das oder wie schaffst du dies oder das… Es ist richtig cool, jemanden dabeizuhaben, mit dem man sich so gut austauschen kann.“

Wird eine Hauptrolle doppelt besetzt, kann es zu Konflikten und starkem Konkurrenzdenken kommen – nicht so in Saarbrücken. „Man hat nicht immer so nette Kollegen, und dann gibt es da manchmal auch die Konkurrenz… Mit Herdís war das überhaupt nicht der Fall, das ist richtig schön und etwas ganz Besonderes“, betont Valda.

In die üppigen Kostüme der Lady haben sich beide Frauen gleichermaßen verliebt: „Ooh die sind perfekt! Sehr schön! Christof Cremer weiß, wie man eine Frau kleiden sollte, um ihre beste Seite hervorzubringen“, schwärmt Valda. Auch Herdís ist begeistert: „Die sind so schön die Kostüme, so elegant. Ich würde davon auch privat etwas tragen.“

Weder Herdís Jónasdóttir noch Valda Wilson kommen musikalisch aus dem Musical-Genre. Beide sind ausgebildete Opernsängerinnen. Aber die Herausforderung, in „My Fair Lady“ ein Musical zu spielen, sehen sie als Befreiung an. „Es ist cool, die Möglichkeit zu haben, mal ein Musical zu spielen und dabei die Fantasie ein bisschen auszuleben“, sagt Valda. Herdís ergeht es ähnlich. „Ich nehme die Herausforderung sehr gerne an, und ich kann die Rolle einfach genießen, weil sie Spaß macht.“

Das Fazit zieht Valda Wilson: „Wir beide haben unsere Stärken – auf der Bühne, beim Spielen und Singen, aber that’s it. Meine Vorstellungen zu Eliza sind ganz andere als Herdís’, jede spielt die Rolle auf ihre eigene Weise. Aber das ist es, worauf es für mich ankommt.“

Die Isländerin Herdís Jónasdóttir teilt sich die „My fair Lady“ mit ihrer Kollegin. Hier auf der Bühne mit Tobias Licht, Stefan Röttig (von links).
Die Isländerin Herdís Jónasdóttir teilt sich die „My fair Lady“ mit ihrer Kollegin. Hier auf der Bühne mit Tobias Licht, Stefan Röttig (von links). FOTO: Martin Kaufhold / Martin Kaufhold/Saarl. Staatstheater