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Gesplittete Abwassergebühr in Völklingen
Nun zählen die versiegelten Flächen

Die Kosten der Abwasserbeseitigung und -reinigung -bleiben unterm Strich gleich; hier eine Aufnahme aus der Völklinger Kläranlage.
Die Kosten der Abwasserbeseitigung und -reinigung -bleiben unterm Strich gleich; hier eine Aufnahme aus der Völklinger Kläranlage. FOTO: BECKER&BREDEL / jw
WEHRDEN. Im August werden die Völklinger Post von der Stadt erhalten. Sie sollen prüfen, ob per Luftbild ermittelte Daten stimmen. Das ist wichtig für die neue Abwassergebühr. Von Thomas Annen

Das Wetter passte zum Thema: Kurz vor der Infoveranstaltung zur Einführung der gesplitteten Abwassergebühr ging über der Wehrdener Kulturhalle ein Platzregen nieder. Regenwasser spielt auch bei der neuen Gebührenberechnung eine wichtige Rolle. Unterstützt wird die Stadt bei der Umstellung von der hessischen Firma ADN Consulting. Deren Geschäftleiterin Susanne Becker verteilte Gummibärchen an die Besucher. Nervennahrung brauchte allerdings niemand, die Diskussion verlief sachlich. Mit einem kurzen Applaus bedankten sich die rund 40 Bürger aus Wehrden und Geislautern nach einer Stunde für die Informationen.


2016 hatte das Oberverwaltungsgericht die Völklinger Abwassersatzung gekippt. Weil Bürger Anspruch darauf hätten, für eine Gebühr eine konkrete Leistung zu erhalten, müsse genau kalkuliert werden, was Schmutzwasser und Niederschlagswasser jeweils kosten. Genau das soll beim gesplitteten Verfahren geschehen. Die bisher einheitliche Gebühr wird in zwei Gebühren aufgeteilt: eine fürs Schmutzwasser und eine fürs Niederschlagswasser.

Experte Norbert Schmitt und die Fachleute der Stadtverwaltung erläuterten das Verfahren. Die Schmutzwassergebühr wird wie bisher auf der Grundlage der verbrauchten Frischwassermenge berechnet. Die Gebühr fürs Niederschlagswasser hingegen, das ebenfalls per Kanal Richtung Kläranlage fließt, wird danach berechnet, wie groß auf jedem Grundstück versiegelte und an die Kanalisation angeschlossene Flächen sind – etwa Dächer oder Einfahrten. Wo Wasser im Boden versickern darf oder Gärten befeuchtet, fällt keine Gebühr an. Denn dabei wird ja keine städtische Einrichtung in Anspruch genommen. Wobei man nicht nur beim Umfang, sondern auch bei der Art der Versiegelung genau hinschaut. Fabrikdächer werden anders behandelt als Gründächer, Asphaltflächen anders als Rasengittersteine.



Im März 2017 ließ die Völklinger Verwaltung Luftaufnahmen von den Grundstücken machen. Die Daten werden den Bürgern im August mit einem Fragebogen übersandt. Jeder sollte überprüfen, ob die Angaben korrekt sind. Wer Fragen hat, kann sich, wie es hieß, an eine Telefonhotline im Rathaus wenden.

Das neue Verfahren ist ein Anreiz, Flächen zu entsiegeln. Und Regenwasser zu nutzen – zur Bewässerung des Gartens oder für die Toilettenspülung. Eine Regentonne reicht allerdings nicht aus. Zisternen mit mindestens zwei Kubikmetern müssen installiert werden, inklusive Wasseruhr.

Durch die Veränderung der Gebühren ändert sich nichts an den Kosten, die für die Stadt anfallen und dann als Gebühr umgelegt werden. Welche Auswirkungen die gesplittete Gebühr auf die Geldbeutel der Bürger hat, lässt sich noch nicht genau sagen. Norbert Schmitt verwies aber auf Erfahrungswerte aus anderen Kommunen: Für ein Einfamilienhaus wird der Betrag unterm Strich wahrscheinlich relativ gleich bleiben, beim Mehrfamilienhaus gehen die Kosten sogar etwas nach unten. Deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen Baumärkte und Kaufhallen mit großen versiegelten Flächen.

Die neue Satzung ist noch nicht verabschiedet. Die Stadtverwaltung rechnet damit, dass sie zum 1. Januar 2020 in Kraft tritt. Dann aber eine zusätzliche Information, die aufhorchen lässt: Da die alte Satzung aber bereits 2016 für ungültig erklärt worden sei, würden die gesplitteten Abwassergebühren dann auch rückwirkend berechnet.