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Völklinger Stadtrat
Investor kann in Fürstenhausen loslegen

Der neu gestaltete Dorfplatz in Fürstenhausen, reizvoll begrünt, ist bereits seit Mai fertig (unser Bild entstand bei der offiziellen Eröffnung). Nun sollen auch Baulücken geschlossen werden, die durch Abrisse nach Bergschäden entstanden sind. Ein privater Investor hat dafür Pläne.
Der neu gestaltete Dorfplatz in Fürstenhausen, reizvoll begrünt, ist bereits seit Mai fertig (unser Bild entstand bei der offiziellen Eröffnung). Nun sollen auch Baulücken geschlossen werden, die durch Abrisse nach Bergschäden entstanden sind. Ein privater Investor hat dafür Pläne. FOTO: Rich Serra
Völklingen. Der Völklinger Stadtrat hat in seiner jüngsten Sitzung, wie berichtet, den Startschuss gegeben für die Sanierung des Neuen Rathauses. Und auch für allerlei Bauprojekte in der Stadt. Zum Beispiel für Fürstenhausens neue Mitte, für die nun ein Investor parat steht. Von Doris Döpke

Lange ist’s her, gut zehn Jahre schon, dass kluge Planer Konzepte entwickelten, wie das vom Bergbau heftig gebeutelte Fürstenhausen wieder ein heiler, funktionierender, reizvoller Stadtteil werden könnte. Die allerersten Ideen – unter der Überschrift „Grünes Quartier mit Zukunft“ – weckten allenthalben Zustimmung, bei den Bürgern des Stadtteils wie bei den Kommunalpolitikern, und sie wurden auch in Gestalt eines Bebauungsplans verewigt. Seniorenwohnen und Einkaufsmöglichkeiten waren darin vorgesehen, moderne Niedrigenergie-Häuser, WLan allerorten und intelligenter Umgang mit Regenwasser, dazu auch reichlich Grün.


Doch aus dem ehrgeizigen Konzept wurde nichts – man habe einfach keine Investoren dafür gefunden, erklärte der damalige Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU), obwohl man sich drum bemüht habe. Neue, abgespeckte Vorhaben folgten. Plus neue Bebauungspläne, unter anderem für ein Senioren-Wohnheim. Auch diese Blütenträume reiften nicht. Die Baulücken, verursacht durch Abrisse von Häusern, die beim Kohleabbau irreparabel beschädigt worden waren, gähnten die Fürstenhausener weiter an.

Doch jetzt ist Bewegung in die Sache gekommen. Einerseits durch ein städtisches Projekt: Im Mai ist der neu gestaltete Dorfplatz, Fürstenhausens „grüne Mitte“, eingeweiht worden, und er ist sehr ansprechend geraten. Andererseits bemüht sich ein privater Investor um den Stadtteil. Die Immobiliengesellschaft Fürstenhausen mit Sitz in Merzig will dort einen großen Komplex bauen mit Pflege- und Seniorenheim, Lebensmittelmarkt und Drogeriemarkt, 3100 Quadratmeter Grundfläche, drei Geschosse.



Das Vorhaben war jetzt Thema im Stadtrat. Denn der bisherige Bebauungsplan, erstellt für ein früheres Konzept unter anderen Voraussetzungen, mit anderen Akteuren, ließe einige Teile des neuen Projektes nicht zu. Daher hat das Unternehmen beantragt, den B-Plan so zu ändern, dass es sein Vorhaben komplett verwirklichen kann.

Die Verwaltung wertete das Ganze positiv. Mit dem geplanten Komplex, so hieß es in der Sitzungsvorlage, könne „dem wachsenden Bedarf an Senioreneinrichtungen in Völklingen Rechnung getragen“ und „die Nahversorgung der Stadtteile Fürstenhausen und Fenne gestärkt“ werden. Man könne so einen „Beitrag zur Attraktivierung der Ortsmitte und zur Neuentwicklung von Fürstenhausen nach Beendigung der Bergbauära“ leisten. Die Empfehlung also: Zustimmung.

Die gaben die Stadtverordneten, einmütig. Und erkennbar gerne – vor allem Ratsmitglieder aus Fürstenhausen drängten sogar auf Tempo. 13 Jahre liege das Ende des Bergbaus bereits zurück, erinnerte Manfred Jost (Grüne), seither warte der Stadtteil auf Erneuerung. Die Stadtverwaltung forderte er daher auf, sie möge im Fall des Falles schnelle Entscheidungen treffen.

Gisela Rink (CDU) erkundigte sich, ob man denn schon wisse, welchem Zeitplan der Investor folge. „Ich gehe davon aus, dass die Gesellschaft das Projekt ernsthaft vorhat“, sagte Oberbürgermeisterin Christiane Blatt (SPD). Und Heinz Beck von der Stadtverwaltung ergänzte, er erwarte eine zeitnahe Verwirklichung der Pläne, sobald das Baurechts-Verfahren abgeschlossen sei. Dafür spreche, dass die Immobiliengesellschaft bereits sämtliche nötigen Flächen vom Bergbauunternehmen RAG erworben habe; das wertete er als klares Indiz für die Ernsthaftigkeit des Vorhabens.

Bauen will – und darf nach dem Willen des Rates – auch die Firma Aldi, die ihren Markt Im Betzen erweitern möchte. Ein Thema, das die kommunalen Gremien schon mehrfach beschäftigte; kompliziert ist es unter anderem deshalb, weil hier Fragen des Hochwasserschutzes eine Rolle spielen.

Und bauen will demnächst auch die Stadt selbst wieder. Nämlich in der Poststraße, im Umfeld der evangelischen Versöhnungskirche – es ging erneut um die Freiflächengestaltung, mit der sich bereits Ortsrat und Innenstadt-Ausschuss befasst hatten. Die Debatte zeigte: Über einzelne Gestaltungs-Details gehen die Ansichten der Ratsmitglieder auseinander, dazu gab es begeistertes Lob wie auch Kritik. Alles in allem aber herrschte Einverständnis. Mit einer Enthaltung wurde die Entwurfsplanung beschlossen.